Großeinsatz gegen Salafisten: 200 Polizeibeamte durchsuchen zehn Wohnungen

Verabredung zum Töten?

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Polizei durchsucht Wohnungen in Bremen. Foto: TeleNewsNetwork

Bremen - Großeinsatz in der Bremer Salafisten-Szene: Die Polizei hat heute im Morgengrauen zehn Wohnungen und Geschäfte von mutmaßlichen Salafisten durchsucht. Mehr als 200 Polizeibeamte waren im Einsatz. Die Bremer Ermittler wurden dabei von Spezialkräften aus den Bundesländern Berlin, Hamburg, Mecklenburg Vorpommern und Schleswig Holstein unterstützt.

Ausgangspunkt für die Durchsuchungen soll ein ideologischer Streit unter Salafisten wegen der Auslegung des Korans gewesen sein, sagte am Nachmittag eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Es habe Hinweise gegeben, dass zwei Männer getötet werden sollten, weil sie eine andere Auffassung zum Koran hätten.

Schwerpunkt des Großeinsatzes war das multikulturelle Gröpelingen. Außerdem fanden Durchsuchungen in Lesum, Walle und Woltmershausen statt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt gegen neun Beschuldigte, die den Angaben zufolge dem salafistischen Umfeld zugeordnet werden, wie Sprecherin Petra Meyer sagte. Die Männer stehen im Verdacht, in wechselnder Beteiligung zwei gefährliche Körperverletzungen begangen und sich verabredet zu haben, zwei Menschen zu töten. Laut Staatsanwältin gingen am Wochenende telefonisch und per Mail anonyme Hinweise bei der Polizei ein, nach denen die Beschuldigten planten, zwei Männer umzubringen. Mit diesen habe es einen ideologischen Streit über die Auslegung des Korans gegeben. Daraufhin seien die Ermittlungen der Polizei angelaufen, so Meyer. Man habe einen Zeugen ausfindig gemacht und vernommen. Die Staatsanwältin: „Auf dessen Handy konnten Nachrichten gesichert werden, die die bisherige Verdachtslage bestätigten.“

Ermittlungen hätten dann den Verdacht auf gemeinschaftliche gefährliche Körperverletzungen bekräftigt. Und diese seien bereits ausgeführt worden, und zwar am 21. und 22. April. So soll im ersten Fall ein Mann aus seiner Wohnung in Gröpelingen gelockt worden sein. Er sei dann mit einem Messer angegriffen und am Bein verletzt worden. Im zweiten Fall sei ein weiterer Mann in der Nähe des Einkaufszentrums Lindenhof in Gröpelingen am Kopf verletzt worden sein. Doch damit nicht genug. Die Beschuldigten sollen sich dann am Sonnabend zu einem Verbrechen verabredet haben. Den Ermittlungen zufolge, so die Staatsanwältin, wollten die Männer zwei Personen töten, die sowohl den Koran als auch das Leben im Islam anders auslegen als sie selbst, nämlich weniger streng.

Das Amtsgericht erließ daraufhin auf Antrag zehn Durchsuchungsbeschlüsse. Heute in aller Frühe rückten rund 200 Polizeibeamte aus, um Wohnungen und Geschäfte in Gröpelingen, Lesum, Walle und Woltmershausen unter die Lupe zu nehmen. Beschlagnahmt wurden Einhandmesser, Elektroschocker, Schreckschusswaffen, ein Beil, Mobiltelefone und Laptops. Die Ermittlungen dauern an, heißt es. gn

Info: Islamistische Strömung

Der Salafismus ist eine rückwärtsgewandte, extrem konservative islamistische Strömung. Seine Anhänger beziehen sich ausschließlich auf den Koran und sehen sich als Verfechter eines „unverfälschten Islams“. Reformen und jede Form von Modernisierung lehnen sie ab. Ziel der Salafisten ist die vollständige Umgestaltung von Staat, Rechtsordnung und Gesellschaft nach ihrem Regelwerk – und letztlich die Errichtung eines islamistischen Gottesstaates. Frauen haben im Salafismus nichts zu sagen und dürfen auch geschlagen werden. Der Verfassungsschutz geht von etwa 8.650 Anhängern in Deutschland aus, Bremen gilt mit 360 als eine Hochburg.

Im Dezember 2014 hatte Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) den sogenannten „Kultur- und Familienverein“ (KuF) in Gröpelingen verboten. Vor zwei Wochen brannte das leerstehende Gebäude des KuF ab. Erst im Februar hatte Mäurer den „Islamischen Förderverein“ verboten, der aus Sicht der Behörden die Nachfolgeorganisation des KuF war. Auch im Februar gab es großangelegte Durchsuchungen. gn/dpa

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