Beck‘s aus Bremen

Ein Pils für Weltenbummler

+
Hier entsteht Bier: Brauereianlagen auf dem Gelände von Anheuser-Busch Inbev Deutschland. Das Beck’s-Bier-Schild an dem Turm ist Bremen-Besuchern auch aus der Ferne vertraut. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Nach dem Export von Bremer Bieren in die umliegenden Länder zur Zeit der Hanse eroberte Beck’s den Globus, wird ein Symbol der Freiheit. Der Weltenbummler kriegt das Bier in der grünen Flasche fast überall. Um die Geschichte und Gegenwart der Bremer Traditionsbrauerei geht es in der heutigen Folge unserer Serie „Bierstadt Bremen“.

Ein Blick in die Verpackungshalle der Brauerei im Jahr 1890: Hier wird am bereits am globalen Export des Bieres gearbeitet. - Foto: Anheuser-Busch Inbev Deutschland

Am 27. Juni 1873 gründen der Bremer Architekt und Bauunternehmer Lüder Rutenberg, der Braumeister Heinrich Beck und der Kaufmann Thomas May die „Kaiserbrauerei Beck & May o.H.G.“. Ein Jahr später gibt es von Kronprinz Friedrich, dem späteren Kaiser Friedrich III, die Goldmedaille für das beste Bier auf der Internationalen Landwirtschaftlichen Ausstellung in Bremen. Genauso wie der Bremer Schlüssel ist auch die Medaille noch heute auf dem Etikett der Beck’s Flasche abgebildet. 1876 entwickelt der Braumeister Heinrich Beck ein Pils, das den Transport nach Übersee gut übersteht: Beck’s Bier. Prompt gibt es dafür die Goldmedaille als das Beste aller kontinentalen Biere auf der Weltausstellung in Philadelphia. Auch diese Medaille findet sich auf dem Etikett. 

Ergebnis eines Zufalls

Jede Minute werden weltweit etwa 3.000 Flaschen Beck’s getrunken.

Eine absolute Weltneuheit ist die grüne Longback-Flasche von Beck’s. Sie ist allerdings das Ergebnis eines Zufalls und nicht einer ausgeklügelten Strategie. Der Zulieferer „Nienburger Glashütte“ produziert überwiegend grünes Glas. Der Erste Weltkrieg lässt den Export zusammenbrechen. 1921 wird die Brauerei umbenannt in „Exportbrauerei Beck & Co“ und produziert nur noch für den Export. Das Inland versorgt die Haake-Beck-Brauerei. Als erstes Bier geht Beck’s in rostfreien Edelstahlfässern auf die Reise. Erst ab 1949 gibt es Beck's wieder in Deutschland. In den 50er Jahren wirbt die Brauerei mit dem Slogan „Beck’s löscht Männerdurst“. Später wird daraus „Beck’s löscht Kennerdurst“. Beck’s zeigt sich zunehmend als ein Bier für Männer und Frauen, „die wissen, was sie vom Leben erwarten“, wie es Werbestrategen formulieren. Als Image der Marke soll ein Lebensgefühl von Freiheit und Individualität vermittelt werden.

Ein Sinnbild hierfür: das Beck’s-Segelschiff „Alexander von Humboldt I“ mit seinen großen, grünen Segeln. In der Werbung steht es immer wieder für Fernweh und Menschen, die es wagen, in ferne Länder aufzubrechen. „Damals wurde die räumliche Freiheit thematisiert“, sagt Unternehmenssprecher Oliver Bartelt. „Das hat sich inzwischen geändert. Heute ist eher die psychologische Freiheit ein Thema. Wir zeigen nicht mehr unbedingt ferne Länder, wo Leute in ihrem Leben sowieso nicht hinkommen. Es geht mehr um die Gestaltung des eigenen Lebens als Individualist.“

Die neue Zielgruppe sind weltoffene, aktive, individuelle und moderne Konsumenten, die ihren eigenen Weg gehen. Die Marke präsentiert sich gern auf Musikfestivals und auch bei Studenten.

Täglich bis zu sieben Millionen Flaschen

Heute arbeiten 1.400 Menschen am Bremer Standort mit seinem 141.700 Quadratmeter großen Gelände. Die Hälfte der Mitarbeiter ist in der Brauerei tätig, die andere Hälfte in der Verwaltung. Jeden Tag werden bis zu sieben Millionen Flaschen und 8.000 Fässer Bier der Marken Beck’s und Haake-Beck hergestellt. Der Standort verfügt über ein eigenes Besucherzentrum, das jedes Jahr 25.000 Gäste empfängt.

Im Jahr 2001 wird Beck’s durch den Konzern Interbrew übernommen, dieser wird 2004 zu Inbev durch Fusion mit Anbev und 2008 zu Anheuser-Busch Inbev. Der Konzern ist das weltweit führende Brauereiunternehmen. Bremen ist der Hauptsitz von Anheuser-Busch Inbev Deutschland. Jede Minute werden weltweit etwa 3.000 Flaschen Beck’s getrunken. Bis heute wird das Bier nach dem Reinheitsgebot gebraut. Der Hopfen stammt aus der bayerischen Hallertau, die Hefe aus eigener Reinzucht. Das Brauwasser wird aus einem Reservoir tief unter der Wasseroberfläche gewonnen. Es wurde in Gletschern von der letzten Eiszeit vor 20.000 Jahren zurückgelassen.

Unsere Serie: "Bremen - eine Biermetropole"

Bremen: Norddeutschlands einziger Hopfenanbau-Standort

Siegeszug der grünen Beck‘s-Flasche beginnt in den USA und in China

"Schüttinger": Die Hefe bleibt drin

„Freie Brau-Union“: Craft-Bier made in Bremen

Lesen Sie auch: 
Menschen in Niedersachsen und Bremen trinken mehr Bier

Stuhr: „Früher war der Wirt Seelentröster“

Mehr zum Thema:

OSZE-Ministertreffen in Hamburg geht zu Ende

OSZE-Ministertreffen in Hamburg geht zu Ende

Die richtigen Sportkopfhörer finden

Die richtigen Sportkopfhörer finden

Hochwertige Audio-Anlage im Auto nachrüsten

Hochwertige Audio-Anlage im Auto nachrüsten

Dardais Überraschungsteam

Dardais Überraschungsteam

Meistgelesene Artikel

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Vermieter: „Wollte Eulenbruch nie loswerden“

Vermieter: „Wollte Eulenbruch nie loswerden“

Sparkasse Am Brill: Käufer gesucht

Sparkasse Am Brill: Käufer gesucht

Kommentare