Siegeszug der grünen Beck‘s-Flasche beginnt in den USA und in China

Parfümiertes Kräuterpils

Bremen - Von Martin Kowalewski. Zweimal erlebte das Bierbrauerei-Wesen in Bremen einen Höhenflug und exportierte kräftig: im 13. und 14. Jahrhundert und ab der Gründung des Kaiserreichs. Ein historischer Überblick.

Im 12. Jahrhundert kam das Bier nach Bremen, nachdem die Römer es aus dem Zweistromland nach Germanien gebracht hatten. Es wurde schnell als Grundnahrungsmittel anerkannt. „Es wurde als gegorener Gerstensaft bezeichnet oder auch als flüssiges Brot“, sagt Dr. Hartmut Roder, Leiter der Abteilung Handelsgeschichte im Übersee-Museum.

Anfangs war der Produktionsprozess noch ganz einfach. Es wurde Wasser gekocht, gequollene Gerste hineingegeben und etwas Wacholder. „Das war eher ein parfümiertes Kräuterpils“, sagt Roder. „Und es schmeckte wohl eher wie ein Kräutertee.“

Bereits im 13. und 14. Jahrhundert, also zur Zeit der Hanse, waren Bremen und auch Hamburg Hauptexporteure von Bier. Bremen lieferte vor allem nach Holland und Skandinavien. Aus Holland wurden im Gegenzug Halbfertigwaren und aus Skandinavien Fisch eingeführt.

Im Jahr 1320 galt das Bremer Bier als das beste auf dem Markt. Um 1300 gab es bereits 350 kleine Brauereien in Bremen. Die Zahl sank „Freie Brau-Union“: Craft-Bier made in Bremendanach aber. Der Grund: Die Bremer Brauer wurden leichtsinnig. Um 1400 nahmen sie mehr Wasser und weniger Hafer. Das Brauergebnis verschlechterte sich. „Konkurrenten vor allem aus Hamburg und Lüneburg oder auch Einbeck kauften Bremen dann den Schneid ab“, sagt Roder. Dennoch machte Bier im 14. und 15. Jahrhundert noch einen Anteil von 40 Prozent an den Bremer Handelsgütern aus.

Das Fassadenmosaik der Kaiserbrauerei, fotografiert in den 1950er Jahren. - Foto: Übersee-Museum

Ein erneuter Durchbruch für die Bremer Bierwirtschaft gelang nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs. Die 1873 gegründete Kaiserbrauerei Beck & May o.H.G., später Beck & Co, entwickelte 1876 ein Exportbier, das als bestes Kontinentalbier (Bier aus Europa) eine Goldmedaille bei der Weltausstellung in Philadelphia gewann. Mit diesem aufgrund seines Etiketts als Key Beer (Schlüsselbier) bekannten Getränk begann die Ära des Bier-Exports. „Die größte Einwanderergruppe in den USA waren Leute aus Deutschland. Die haben sich natürlich gefreut, als sie ein Bier aus der Heimat in der Hand hielten“, sagt Roder.

1888 schloss sich das Land Bremen verspätet dem Gebiet des Deutschen Zollvereins an. Bremen wurde Hauptexportstadt für Bier. Der Siegeszug der industriellen Bierbrauerei begann. Schon damals wurde das Bier in grünen Flaschen exportiert, nicht nur in die USA, sondern auch nach China. In Deutschland eroberte die grüne Flasche erst nach dem Zweiten Weltkrieg den Markt. Den Binnenmarkt versorgte dagegen die C. H. Haake-Brauerei, die 1921 von Beck & Co übernommen wurde, ebenso wie die Hemelinger Aktienbrauerei.

Ein weiterer Exportschlager in den USA kam von der Bremer St.-Pauli-Brauerei. Es handelte sich um das Pils „St. Pauli Girl“. Noch heute ist dieses Pils in Übersee auf dem Markt, gebraut wird es von Beck & Co, die die alte St.- Pauli-Brauerei 1918 übernahm. Die jüngste Firmenübernahme von Beck & Co war 1981 der Aufkauf der Haake-Beck AG.

Bereits 1871 hatte Carsten Dreßler Erfolg mit dem Braunbier „Dressler Pils“. 1883 ging er mit einem Porter nach englischem Rezept auf den Markt. 1894 begann er auch Lagerbier zu brauen, nicht zuletzt, weil die Stadt vor dem Hintergrund einer Cholera-Epidemie vor dem Verzehr von Braunbier gewarnt hatte, denn Braunbier enthielt ungekochtes Wasser. Die Dressler-Brauerei wurde 1954 von der Hamburger Holsten-Gruppe übernommen. 1975 folgte die Schließung.

Unsere Serie: "Bremen - eine Biermetropole"

Beck‘s aus Bremen: Ein Pils für Weltenbummler

"Schüttinger": Die Hefe bleibt drin

„Freie Brau-Union“: Craft-Bier made in Bremen

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