Experte: 31-Jähriger wäre an Messerstichen gestorben

Arzt sagt im Mordprozess gegen Ferdi M. aus: Opfer in Lebensgefahr

Ferdi M. (rechts) beim Prozessauftakt mit seinem Verteidiger Dominik Bleckmann. Der 24-Jährige muss sich wegen Mordes, versuchten Mordes, schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung verantworten. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Er soll es auf Geld und Wertgegenstände abgesehen haben und sei bei seinen Taten mit äußerster Brutalität vorgegangen: Ferdi M. (24), der seit August auf der Anklagebank des Bremer Landgerichts sitzt, muss sich unter anderem wegen Mordes verantworten. Am Donnerstag schilderte ein Polizist die Festnahme des Mannes. Ein Arzt bestätigte: Wäre eines der Opfer nicht sofort operiert worden, wäre es jetzt tot.

Neun Messerstiche waren es, die Ferdi M. am 22. Februar seinem arglosen Opfer in dessen eigener Wohnung in Bremerhaven in Arme und Oberkörper rammte. Wäre der damals 31-Jährige nicht sofort notfallmedizinisch versorgt worden, wäre er „sehr wahrscheinlich innerhalb einer Woche verstorben“. So berichtet es am Donnerstag der behandelnde Arzt (48) des Mannes. Er führt weiter aus: „Besonders relevant war ein Stich in den Bauch des Patienten. Es bestand Lebensgefahr.“ Zwar habe der Mediziner im weiteren Verlauf der Behandlung keine organischen Spätfolgen feststellen können, „eine posttraumatische Belastungsstörung wird aber wohl bleiben“.

M. gab im August zu, den Mann schwer verletzt zu haben, doch seiner Ansicht nach habe er sich nur gegen Stockschläge des 31-Jährigen gewehrt. Diese Aussage ließ sich zumindest jetzt nach der Aussage eines Polizisten nicht bestätigen. Dieser war am Tattag zusammen mit einem Kollegen auf dem Weg zur Wohnung des Opfers, als ihnen der 24-Jährige entgegenkam. Äußerlich habe der Angeklagte ruhig gewirkt und sei ohne Schuhe auf dem Gehweg „geschlendert“. „Der Puls des Mannes raste förmlich, doch nach außen machte er einen entspannten Eindruck.“ Fast schon „abgebrüht“ habe er gewirkt, als die Beamten ihn festnahmen.

Drogen konnten nicht zweifelsfrei festgestellt werden

Bei der ersten Begutachtung hätten die Polizisten keine größeren Verletzungen an Ferdi M. festgestellt. „Er hatte Blut an den Händen, aber dort keine Wunde. Und einen kleinen Cut am Auge.“ Ein späterer Alkoholtest ergab 0,0 Promille. Ob Drogen im Spiel waren – so wie von Opfer und Angeklagtem behauptet – konnte der Polizist nicht zweifelsfrei bestätigen. „Möglich ist es. Der wirkte wie eine Puppe, total ferngesteuert und gefühlskalt.“ Bevor ein Arzt Ferdi M. Blut abnehmen konnte, soll dieser bereits in seiner Zelle eingeschlafen sein. Alle Versuche, ihn zu wecken, seien vergeblich gewesen, erinnert sich der Polizist. „Der war wie aus dem Leben geschossen.“

Neben der brutalen Attacke auf den 31-Jährigen muss sich M. außerdem wegen drei weiterer Taten verantworten. Innerhalb von nur zehn Tagen, so die Staatsanwaltschaft, sei der 24-Jährige in eine Wohnung und ein Parzellengrundstück in Bremerhaven eingedrungen und habe dabei ein Opfer vermutlich durch Axthiebe tödlich verletzt. Einem anderen Mann soll er mit einer Stehlampe und einem Messer schwere Verletzungen zugefügt haben, bevor er das bewusstlose Opfer zurückgelassen habe. Außerdem, so heißt in der Anklage, soll M. in ein Haus in Brake eingestiegen sein und den Bewohner mit vollen Sektflaschen traktiert haben, nachdem dieser ihn beim Einbruch erwischt hatte.

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