Politiker und Experten unterstützen das INS

„Ohne das Institut geht es nicht“

Dem Institut für Niederdeutsche Sprache im Schnoor droht das Aus, wenn die Länder ihre Förderung einstellen. - Foto: Kuzaj

Bremen - Bremens Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD) hat sich nachdrücklich zum in seiner bisherigen Form gefährdeten Institut für Niederdeutsche Sprache (INS) bekannt. Das in Bremen ansässige INS sei Ideen- und Impulsgeber zum Erhalt der niederdeutschen Sprache, sagte der Vorsitzende des Beirates Niederdeutsch im Land Bremen am Mittwochabend im „Nordwestradio“. „Ohne das Institut geht es nicht“, bekräftigte Weber. Die Bundesländer Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein hatten im Mai angekündigt, sie wollten die finanzielle Förderung des INS zum Jahresende 2017 beenden.

Damit würden dem Institut 272.000 Euro fehlen, gut zwei Drittel des Jahresbudgets. Die Länder wollten die Arbeit inhaltlich, strukturell und organisatorisch auf eine neue Grundlage stellen und damit unter anderem besser auf regionale Besonderheiten des Niederdeutschen eingehen, hieß es zur Begründung aus den Kulturbehörden. Doch konkrete Problemanzeigen, die zu der Entscheidung geführt haben, sind bislang nicht bekannt. „Ich weiß auch nicht, was da los ist“, bekannte Weber.

Unterstützung für das INS kam auch von Stefan Oeter, Vorstand des Unabhängigen Expertenkomitees für die Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen des Europarates. Wenn die Bundesländer „die Charta ernstnehmen, braucht man eine gemeinsame Einrichtung“, sagte er. Ohne das INS gebe es aber „keine vernünftige Struktur“. Der Völkerrechtler mutmaßte, dass sich die Länder zurückziehen wollen, weil sie mit Blick auf die INS-Arbeit inhaltlich nicht genügend Mitsprachemöglichkeiten sehen.

Sie sei überzeugt, dass es im Streit um das INS „noch Unausgesprochenes gibt“, sagte die niedersächsische Landtagsabgeordnete Renate Geuter (SPD). Sie ist Mitglied der interministeriellen und interfraktionellen Arbeitsgruppe im niedersächsischen Landtag zur Förderung des Niederdeutschen. Sie sagte, es gehe unter anderem um Angebote, mit denen das Niederdeutsche stärker einem jüngeren Publikum geöffnet werden könnte. Nun sei die Politik gefragt, den Konflikt beizulegen. Sie werbe für eine länderübergreifende Lösung.

Doch wie die Bundesländer die niederdeutsche Sprache über 2017 hinaus schützen und fördern wollen, blieb unklar. INS-Geschäftsführer Reinhard Goltz sagte, es gebe ohnehin nur noch zwei, drei, vier Lehrstühle für Niederdeutsch in Deutschland. „Und wenn Sie dann auch noch das INS herausbrechen, dann wird das so dürftig, dass das gar nicht mehr funktioniert.“

Eine neue Studie des Instituts hat Goltz zufolge ergeben, dass 42 Prozent der Menschen in Niedersachsen und Bremen Plattdeutsch gut verstehen könnten. Jeweils etwa 17 Prozent könnten es auch sprechen. Experten gehen davon aus, dass etwa 2,5 Millionen Menschen in Deutschland „Platt snacken“. 

epd

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