Bremer Straßenbahn AG nimmt Elektrobusse testweise in den Regelbetrieb

Mit Ökostrom nach Huchting

Nein, keine neue Haltestelle direkt am Weltkulturerbe Rathaus – wohl aber der Ort, an dem die Bremer Straßenbahn AG gestern Bremens ersten Elektrobus präsentierte. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Jetzt ist der erste Elektrobus im Regelbetrieb“, sagte Umwelt- und Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) – und freute sich. Zugegeben, echter Regelbetrieb war es gestern noch nicht, als die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) Bremens ersten Elektrobus vor dem Rathaus präsentierte. Denn dort hält ja sonst kein Linienbus. Der Regelbetrieb beginnt auf den Linien 29 und 52.

Neue Vahr-Nord, Kattenturm, Huchting – ohne Zwischenstopp kann der batteriebetriebene „Sileo S12“ die Teststrecke absolvieren. Ohne Zwischenstopp zum Aufladen, versteht sich. An den Haltestellen hält er natürlich. Der „Sileo S12“, produziert in Salzgitter, ist mit einer Reichweite von mindestens 250 Kilometern der erste Elektrobus in Bremen, der eine komplette Schicht fahren kann.

Aufgeladen wird er nachts; die Fachleute sprechen folgerichtig vom „Nachtlader“. Seit 2013 probiert die BSAG im Bus-Bereich alternative Antriebstechniken aus – Bahnen fahren ja schon seit anno 1890 mit Strom, allerdings sind sie ja von ihren Oberleitungen abhängig.

Fünf Elektrobusse – zum Beispiel aus China – wurden in den vergangenen drei Jahren erprobt, sagte ein BSAG-Sprecher. In den Regelbetrieb hat es nun der „Sileo S12“ geschafft. Drei Jahre lang sollen er – und zwei weitere Elektrobusse, die im Laufe des Jahres folgen – auf ihre Alltagstauglichkeit getestet werden. So wolle man „als kommunales Unternehmen“ die verkehrspolitischen Ziele Bremens „innovativ begleiten“, wie BSAG-Vorstand Hajo Müller gestern sagte.

Den Senator freut´s. Lohse sprach gestern (einmal mehr) von Klimaschutz und Luftreinhaltung. Und: „Die BSAG bezieht Ökostrom. Es ist Ökostrom, mit dem diese Busse betrieben werden.“ Ein Appell folgte auch: „Ich wünsche mir, dass der Bund die Förderprogramme für Elektromobiltität stärker auf den öffentlichen Personen-Nahverkehr ausrichtet.“

Denn Elektromobilität kostet – jedenfalls, was die Mobile angeht. Ein Zwölf-Meter-Dieselbus kostet etwa 270 000 Euro, ein 18-Meter-Gelenkbus etwa 350 000 Euro. Elektrobusse, so die Faustregel, sind ungefähr doppelt so teuer wie Dieselbusse. Die Hoffnung der Verkehrsunternehmen sind sinkende Preise bei steigender Nachfrage und Produktion. Gern möchte die BSAG ihre Dieselbusse nach und nach durch Elektrobusse ersetzen. 230 Fahrzeuge bilden derzeit die Flotte.

Der „Sileo S12“, ein Zwölf-Meter-Bus, sorgte gestern vor dem Rathaus schon mal für einiges Aufsehen. Etliche Passanten schauten sich die technischen Daten an und schauten mal ins Innere – wo es 32 Sitz- und 46 Stehplätze gibt. Der „Sileo S12“ kann eine Höchstgeschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde erreichen – natürlich nicht im Stadtverkehr, versteht sich.

Für den Antrieb sorgen zwei jeweils 120 Kilowatt starke Motoren. Die Antriebsbatterie aus Lithium-Eisenphosphat hat 340 Zellen. Bei einer Spannung, die zwischen 450 und 560 Volt liegt, leistet sie 230 Kilowattstunden. Zudem kann der Bus beim Bremsen Energie zurückgewinnen und in die Batterie einspeisen.

In 14 Tagen, so Vorstand Müller, bekommt die BSAG einen 18-Meter-Elektro-Gelenkbus für den Testbetrieb. Er soll dann im Innenstadtbereich eingesetzt werden, wo die Luft ja zuweilen besonders dick ist.

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