„Bremen zur See“: Die „Weserstolz“ nimmt die Passagiere mit auf eine Zeitreise

Nostalgische Schaufelräder

Die „Weserstolz“ liegt an der Schlachte. Die Reederei „Hal över“ legt mit dem nostalgischen Schaufelraddampfer regelmäßig zu Rundfahrten und Chartertörns auf der Weser ab. - Foto: Esser

Bremen - Von Ulf Kaack. Mit ihrer antiquierten Technik und Optik ist sie ein echtes Filetstück an Bremens maritimer Meile, der Schlachte – der Schaufelraddampfer „Weserstolz“. Der schwimmende Oldtimer steht im Mittelpunkt der heutigen Folge unserer Serie „Bremen zur See“.

Der Eindruck ist schon imposant, wenn die „Weserstolz“ angetrieben von seinem mächtigen Schaufelrad an der Steuerbordseite vor bremischer Kulisse auf der Weser fährt. Dunkler Rauch quillt aus dem Schornstein, ab und zu erklingt ganz nostalgisch die Dampfpfeife.

Die Fahrgäste fühlen sich wohl in diesem Ambiente. Drei zeitgenössische Salons sowie ein Außendeck mit gepflegter Holzbeplankung führen die Passagiere zurück in längst vergangene Zeiten, während draußen die Landschaft gemächlich vorbeizieht.

Mit dem Bau des Schaufelraddampfers wurde 1940 auf der Praga-Werft in Prag begonnen. Fertiggestellt wurde das Schiff kriegsbedingt aber erst neun Jahre später. Getauft auf den Namen „Labe“ wurde es am 14. Juli 1949 in Dienst gestellt und auf der Moldau in Fahrt gebracht. 1977 wurde auf dem ursprünglich offenen Achterdeck ein geschlossener Salon errichtet. Zu diesem Zeitpunkt war die „Labe“ einer der letzte kohlegefeuerte Raddampfer weltweit.

Ein Kesselschaden sowie eine ganze Reihe technischer Mängel führte 1986 zur Außerdienststellung des Dampfers. Im August 1997 sank der Auflieger in der Moldau, nachdem Teile des Rumpfes durchgerostet waren.

Im Folgejahr wurde die „Labe“ gehoben und von der Mindener Entwicklungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft gekauft. Mit Hilfe einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme wurde das Wrack mit großem Aufwand restauriert. Im Zuge dieser Maßnahme erhielt es einen ölgefeuerten Dreizug-Einflammrohr-Schiffsdampfkessel.

2001 erhielt das Dampfschiff den Namen „Wappen von Minden“ und unternahm Fahrten auf der Weser und dem Mittellandkanal. Dabei erwies sich ein wirtschaftlicher Betrieb als kaum mehr machbar.

Anfang 2015 erwarb die in Bremen beheimatete Reederei „Hal över“ das Schiff. Am 14. April 2015 tauften es die neuen Eigner um auf den Namen „Weserstolz“. Ein Traditionsname, denn bereits 1935 stellte die Bremer Reederei Schreiber ein Fahrgastschiff namens „Weserstolz“ in Dienst.

Genutzt wird der Dampfer für Rundfahrten und Chartertörns auf der Weser, aber auch für Feiern und Events. Heute, Dienstag, fährt das Schiff beispielsweise zu den Badener Bergen.

Noch einige Details für Technikinteressierte: Die „Weserstolz“ ist 55,80 Meter lang und an den Schaufelrädern 9,40 Meter breit. Für den Vortrieb sorgt eine Zweifach-Expansionsdampfmaschine mit 153 PS. Bis zu 200 Passagiere finden Platz an Bord.

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