Wall bleibt gesperrt

Neuanfang: Harms öffnet an anderer Stelle

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Blicken positiv in die Zukunft: Antje Horn (v.l.), Hans und Ulrike Eulenbruch.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Das Dachgeschoss von „Harms am Wall“ ist inzwischen abgetragen – Stück für Stück, von Hand. Die Brandruine gibt den Blick auf den Dom frei. Das aus dem Jahr 1909 stammende Gebäude in der Straße Am Wall war am 6. Mai durch vorsätzliche Brandstiftung vernichtet worden. Die Täter wurden bisher nicht ermittelt. Der Schaden geht in die Millionen. Der Wall wird noch wochenlang gesperrt bleiben. Unterdessen hat das Modehaus Harms gestern in neuen Räumen wieder eröffnet.

Das neue Geschäft befindet sich nur ein paar Schritte von der Brandruine entfernt, Am Wall 181. Statt mehr als 1 000 Quadratmeter stehen nur noch 250 auf zwei Etagen zur Verfügung. Der Schriftzug „Harms“ ist schon von draußen sichtbar. Drinnen wirkt alles hell und freundlich. „Schön, dass es Sie wieder gibt“, sagen Stammkundinnen, die gestern reichlich ins Geschäft kommen und mit vielen Tüten wieder gehen. Hans Eulenbruch und seine Frau Ulrike freuen sich über die vielen guten Wünsche und schauen positiv nach vorn. Der 62-Jährige ist der bisherige Geschäftsführer von „Harms am Wall“, das in diesem Jahr 150. Geburtstag feiert.

Die Brandruine von „Harms am Wall“ gestern: Das Dachgeschoss ist abgetragen – von Hand – und gibt jetzt den Blick auf den Dom frei. Fast scheint es, als wenn die Kirche auf dem Domshof direkt hinter dem abgebrannten Modehaus steht.

Nach dem Großfeuer ging die Gesellschaft in die Insolvenz, der bisherige Warenbestand wurde beim Brand vernichtet, die Geschäftsgrundlage damit entzogen. Eulenbruch geriet selbst ins Visier der Ermittler. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für tatverdächtig (wir berichteten). Der Haftrichter sah das anders, der 62-Jährige war nach einer halben Stunde wieder frei. Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft die Begründung des Richters geprüft und verzichtete auf einen Einspruch. Zum Stand der Ermittlungen gebe es nichts Neues, heißt es. Sie dauern an.

Eulenbruch, Mieter des Gebäudes, sieht sich völlig zu Unrecht unter Verdacht. „Die Vorwürfe sind haltlos, entbehren jeder Grundlage. Ich habe überhaupt kein Motiv und keinen Vorteil durch das Feuer“, betont der 62-Jährige gestern erneut gegenüber unserer Zeitung. Und: „Ich werde um meinen Ruf kämpfen.“ Er sei an dem Abend überfallen und in die Toilette gesperrt worden. Er habe sich schließlich befreien können. „Ich habe mehrfach gegen die Tür getreten, die hielt aber stand. Der Rahmen brach letztlich raus“, so Eulenbruch. Froh ist er, dass Familie, Freunde und Zulieferer („Keiner ist abgesprungen“) zu ihm halten.

Die neue Gesellschaft „Harms am Wall Moden GmbH“ gehört seiner Frau Ulrike, bisher bereits Prokuristin. Geschäftsführerin von Harms ist die bisherige Prokuristin Antje Horn. Vom alten Stamm der 40 Mitarbeiter sind zunächst 15 am neuen Standort beschäftigt. Der Schwerpunkt liegt klar auf Marken-Damenmode, einige Heimtextilien und Bettwäsche gehören auch zum Sortiment.

In das alte Geschäftshaus wird Harms wohl nicht zurückkehren. Wie berichtet, schwelt zwischen Harms als Mieter und dem Eigentümer der Immobilie seit Jahren ein Streit um Sanierungskosten. Das Landgericht hatte den Eigentümer verpflichtet, mehr als 220 000 Euro für dringende Maßnahmen bereitzustellen und eine Mietminderung hinzunehmen. Laut Eulenbruch hat sich nun das Oberlandesgericht dem angeschlossen. Allerdings mache der Eigentümer jetzt die „völlige Zerstörung“ des Gebäudes und damit die Hinfälligkeit des eigentlich bis 2030 dauernden Mietvertrages geltend. Bei einem Teilschaden bleibe der Vertrag in Kraft. Die Entscheidung dazu stehe noch aus, sagt Eulenbruch.

Die Verkehrsteilnehmer müssen sich aus Sicherheitsgründen auf eine weitere monatelange Sperrung des Walls einstellen. Wie Jens Tittmann, Sprecher des Bauressorts auf Nachfrage sagt, muss die Ruine tatsächlich Stein für Stein von Hand abgetragen werden, möglicherweise die ganze Immobilie. Und was mit den Nachbargebäuden ist, muss auch noch geklärt werden. Die Sperrung dauert mindestens bis Mitte August, wahrscheinlich jedoch noch länger. Wer weiß, vielleicht wird der Wall völlig umgestaltet. Wie berichtet, arbeiten die Stadtplaner daran. Durchaus möglich, dass der Wall zur Einbahnstraße wird.

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