23-Jähriger steht wegen Mordes vor Gericht in Bremen

Axthiebe nach Einbruch

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Ferdi M. soll einen Menschen getötet und drei weitere schwer verletzt haben. Laut Staatsanwalt steckt als Motiv Habgier hinter den Taten. Dem 23-Jährigen droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Bremen - Von Steffen Koller. Wegen vier brutaler Taten muss sich seit Dienstag ein 23-Jähriger aus Bremerhaven vor dem Landgericht Bremen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft Ferdi M. unter anderem Mord, versuchten Mord, schweren Raub und gefährliche Körperverletzung vor. Die Vorgehensweise an den Tatorten zeugte jeweils von roher Gewalt.

Seine Opfer waren arg- und wehrlos, jedes Mal wurden sie von Ferdi M. überrascht, als dieser in ihre Wohnungen einstieg, um Wertgegenstände zu entwenden. So zumindest sieht es Oberstaatsanwalt Frank Schmitt, der beim Prozessauftakt davon sprach, M. habe unter anderem aus Habgier einen Menschen getötet. „Ihm war bewusst, dass er seine Opfer lebensgefährlich verletzt, doch das war ihm gleichgültig.“ Übersetzt wurde das für den Angeklagten von einem Dolmetscher.


Er ließ das schwerverletzte Opfer zurück

Die Serie von brutalen Angriffen soll laut Anklagevertretung am 12. Februar dieses Jahres begonnen haben. Damals, so Schmitt, habe M. sich über die Terrassentür Zutritt zu einer Wohnung im niedersächsischen Brake verschafft, sich im Inneren umgeschaut, als er kurz darauf vom Anwohner des Hauses überrascht wurde.

Unvermittelt habe er dem Bewohner mehrere volle Sektflaschen auf den Kopf geschlagen, ein Paar Schuhe, eine Uhr und Bargeld mitgehen lassen, bevor er das schwerverletzte Opfer zurückließ. Nur durch Zufall wurde der damals 45-jährige Bewohner zwei Tage später gefunden, ins Krankenhaus gebracht und ins künstliche Koma versetzt.

Brutale Axt-Attacke

Doch damit begann die Serie von brutalen Einbrüchen erst, ist sich die Anklage sicher. Nur eine Woche später soll der 23-Jährige in ein Parzellengrundstück in Bremerhaven eingedrungen sein. Er wurde hier ebenfalls erwischt und soll dann vermutlich mit einer Axt auf den 69-jährigen Eigentümer eingeschlagen haben. Zwei Tage später starb das Opfer an seinen schweren Kopfverletzungen. Die Beute des Täters: zehn bis 20 Euro.

Nur einen Tag darauf soll M. wieder in eine Wohnung in der Seestadt eingebrochen sein. Wieder wurde er, so die Staatsanwaltschaft, vom Anwohner überrascht. Als dieser ihn aufforderte, die Räumlichkeiten zu verlassen, habe der Angeklagte dem 77 Jahre alten Mann mit einer Stehlampe auf den Kopf geschlagen, mehrere Messerstiche im Gesicht zugefügt und ihn mit einem abgeschnittenen Telefonkabel an einen Sessel gefesselt.

Am nächsten Tag, so der Oberstaatsanwalt, soll der Angeklagte mit einem anderen Mann gemeinsam Drogen konsumiert haben. Anschließend soll er ihn in dessen Wohnung mit einer Gipsfigur geschlagen und neunmal mit einem Messer auf Kopf und Oberkörper eingestochen haben. Auch in diesem Fall konnte das Leben des Mannes nur durch sofortige intensivmedizinische Behandlungen gerettet werden, wie es heißt.

Ferdi M., der mit Sonnenbrille, kurzer Hose und Badelatschen den Gerichtssaal kam, wollte heute nichts zu den Vorwürfen sagen, ließ durch seinen Anwalt Dominik Bleckmann aber erklären, man wolle sich nach dem psychologischen Gutachten äußern. „Zunächst müssen wir schauen, was für eine Vorgeschichte vorliegt. Dann muss geprüft werden, ob er überhaupt schuldig ist“, so Bleckmann. Der Anwalt erläuterte zugleich sein Ziel: „Wir plädieren wohl auf Freispruch.“

Das Gutachten ist für Freitag, 19. August, vorgesehen. Am selben Tag soll vor dem Landgericht auch das Opfer vom letztgenannten Fall gehört werden.

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