Bremen saniert Jugendvollzug für 5,9 Millionen Euro / „Verbesserte Atmosphäre“

Modern statt abgewrackt

Blick in einen Haftraum im sanierten Jugendknast in Oslebshausen. Ein Zettel zeigt die Einrichtungsgegenstände. - Foto: Koller

bremen - Von Steffen Koller. Früher heruntergekommen, abgewrackt, heute modern: Das Gebäude für den Jugendvollzug der Justizvollzugsanstalt (JVA) Oslebshausen ist gestern von Justizsenator Martin Günthner (SPD) offiziell vorgestellt worden. Prägten vor Baubeginn noch dunkle Kacheln und vergilbte Fenster das Innere des sogenannten „Hauses IV“, ist der Trakt nun mit modernster Technik ausgestattet.

Von außen wirkt das Backsteingebäude „Haus IV“ auf dem Gelände der JVA Oslebshausen noch wie zu Zeiten seiner Erbauung Ende des 19. Jahrhunderts – etwas in die Jahre gekommen, wuchtig, altbacken. Im Inneren des neuen Jugendvollzugtraktes zeigt sich für die Besucher gestern ein ganz anderes Bild – und bald auch für die 74 Insassen, die dort Platz finden werden. Hellblauer Linoleumboden, die Fenster lassen Licht auf die frischverputzten weißen Wände scheinen. Alle Zellen, die mit dem Sanitärtrakt samt WC und Waschbecken jeweils elf Quadratmeter ergeben, sind frisch saniert, die Einrichtung neu. Noch vor Sanierungsbeginn war das Innere „äußerst heruntergekommen“, sagt Gesa Lürßen, Leiterin des Jugendvollzugs. Jetzt habe man eine „deutlich verbesserte Atmosphäre“ für alle geschaffen. Justizsenator Martin Günthner pflichtet dem bei, sieht er doch ein Gebäude, das einem „modernen und am Erziehungsgedanken des Jugendvollzugs ausgerichteten Trakt“ gleichkomme. Doch nicht nur für Insassen, auch für einen Teil der insgesamt 360 Mitarbeiter stelle die Sanierung eine erhebliche Arbeitserleichterung dar, macht Lürßen klar. Moderne Videoüberwachung und gut einsehbare Flure würden dazu ihren Beitrag leisten. Für Günthner alles in allem eine „richtige Entscheidung“.

Allein die Sanierung von „Haus IV“ kostete etwa 5,9 Millionen Euro, Ende Juni soll nach einer Probephase der neue Jugendvollzug in Betrieb genommen werden. Waren vor der Kernsanierung, die im Vollbetrieb erfolgte, unter anderem die Toiletten noch im Wohn- und Lebensbereich der Insassen, wurden diese jetzt separat in einen Extraraum mit Waschbecken verlegt. Hinzugekommen sind außerdem „Begegnungshafträume“, die dazu dienen sollen, psychisch labilen Insassen einen Rückzugsraum zu gewähren. Für Lürßen eine „deutlich menschenwürdigere“ Alternative. Weiterhin Bestand haben die Gemeinschaftsduschen. Zum Interieur der Zellen gehören ein Bett, mehrere Schränke, ein Telefon, ein Regal und ein Tisch.

Insgesamt hat die JVA Oslebshausen Platz für mehr als 720 Insassen, 74 davon ziehen bald in den neuen Jugendvollzug. Auch mit Blick auf die „rasante“ Steigerung von Zahlen inhaftierter minderjähriger unbegleiteter Ausländer (Uma), so Lürßen, sei die Sanierung notwendig gewesen. Mittlerweile würden fast 50 Prozent der Inhaftierten zu dieser Gruppe gehören. Die Insassen erwartet neben einem strikt geregelten Tagesablauf auch ein großes Angebot an Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten. Allein im neuen Gebäude finden zukünftig zwei Betriebe und ein Sportraum Platz. Zudem gibt es Kochkurse, ein Tiergehege und eine Beachsoccer-Feld.

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