Eine Bremerin will die erste deutsche Astronautin ins All schicken

Mission Gleichberechtigung

Claudia Kessler möchte bis zum Jahr 2020 die erste deutsche Astronautin ins All schicken. - Foto: Frank Pusch/WFB

Bremen - Von Silke Albrecht. Nach 60 Jahren Raumfahrtgeschichte kämpfen Frauen wie die Bremerin Claudia Kessler immer noch um Anerkennung in einer Männerdomäne – doch mit Erfolg. Ein Umdenken hat begonnen. Erste Frau im All war 1963 die Russin Valentina Tereshkova. Kessler möchte bis zum Jahr 2020 die erste deutsche Astronautin in den Weltraum schicken.

Seit den Anfängen der Raumfahrt in den 50er Jahren sind mehr als 540 Menschen ins All geflogen. Nur 60 Astronauten waren weiblich – ein Frauenanteil von knapp elf Prozent. Jetzt aber ist in der Raumfahrt eine Richtungsänderung zu spüren: Kürzlich hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) verkündet, den Frauenanteil in Führungspositionen der Branche bis Dezember 2017 signifikant zu erhöhen. Die jüngste Gruppe von Astronautenanwärtern der Nasa ist zu 50 Prozent weiblich – und Organisationen wie die „Women in Aerospace Europe“ setzen sich für eine Stärkung von Frauen in Raumfahrtberufen ein.

Mittlerweile werden gezielt Projekte gestartet, um Frauen in Raumfahrtberufen zu stärken. 2015 fand ein solches Projekt im Rahmen des Trainings für eine Mondmission 2029 in Russland statt. Acht Tage lang lebten sechs Astronautinnen in einem nachgebauten Raumschiff, um sich der physischen und psychischen Belastung einer Mission im All auszusetzen. Eine wegweisende Idee für die Zukunft der Raumfahrt, doch in der Umsetzung zeigte sich schnell, dass alte Muster schwer abzulegen sind.

Auf der Pressekonferenz im Vorfeld des Tests blieben die sechs Frauen sogar von Sexismus aus den eigenen Reihen nicht verschont. Igor Ushakov, Direktor des Moskauer Instituts für biomedizinische Probleme, äußerte den Wunsch, die Frauen mögen sich während des Tests gut verstehen. „Zwei Frauen finden es schwer, in einer Küche zusammenzuleben“, so seine Anmerkung. In der Presse konnte man daraufhin Fragen lesen, wie die Frauen im Weltraum ohne Make-up, Shampoo und ohne Männer zurechtkommen würden.

Heute sieht die Lage von Frauen in vielen Bereich des beruflichen Lebens sehr anders aus. Das wiederum liegt auch an Frauen wie Claudia Kessler aus Bremen. In einer Branche, in der immer noch nur zehn Prozent der Ingenieure weiblich sind und Frauen zwei Prozent der Führungspositionen besetzen, ist sie eine Ausnahme.

Sie leitet die Deutschlandniederlassung des Zeitarbeitsunternehmens Hernandez Engineering Space (HE Space) in Bremen und hat in ihrem Unternehmen von 150 Mitarbeitern einen Frauenanteil von 40 Prozent erreicht. Kessler fand, dass diese Quote auch für andere Unternehmen wünschenswert ist.

Deswegen gründete sie 2009 mit der Esa-Direktorin Simonetta Di Pippo die Women in Aerospace Europe (WIA). Seitdem ist der Verein auf 300 Mitglieder gewachsen, die sich über Mentorenprogramme und Kongresse vernetzen und gegenseitig fördern. Kessler hat im Blick, dass Frauen in professioneller Hinsicht ihr Licht oft unter den Scheffel stellen. Eine ihrer Mitarbeiterinnen: „Sie achtet auch auf die Stillen. Es wird nicht derjenige befördert, der sich vordrängelt.“

30 Kandidatinnen kommen ins Finale

Das neuste Projekt der Bremerin sorgt für Aufsehen in der ganzen Welt: Auf einem privat finanzierten Weltraumflug möchte Kessler bis zum Jahr 2020 die erste deutsche Astronautin ins All schicken. Mehr als 400 Bewerbungen gingen bis zum Bewerbungsschluss Ende April ein. Die Planung der Mission und die Finanzierung durch Sponsoren und Crowdfunding sollen im Herbst sein.

Danach beginnen die ersten medizinisch-psychologischen Untersuchungen, bei denen das DLR die Mission unterstützt. Etwa 90 Interessentinnen müssen dann neben Konzentrations- und Aufmerksamkeitstests auch ihr räumliches Vorstellungsvermögen auf die Probe stellen. In einer zweiten Etappe werden die besten 30 Kandidatinnen in Interviews auf ihre Persönlichkeit, Motivation und Belastbarkeit hin untersucht und müssen sich außerdem in Teamaufgaben beweisen.

Das sei wichtig, betont Yvonne Pecena vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin, denn jeder Astronaut müsse über hohe kognitive Fähigkeiten verfügen und sich schnell an neue, unerwartete Situationen anpassen können.

Einen eigenen Twitter-Account hat „#DieAstronautin“ schon einmal. Hier wird sie nach ihrem Ausbildungsstart, der für 2017 geplant ist, über ihre Erlebnisse twittern. Kessler ist überzeugt, dass viele deutsche Wissenschaftlerinnen nur auf den richtigen Moment warten, um ihr Licht unter dem Scheffel hervorzuholen.

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