Die „Lange Nacht der Industrie“ bleibt ein Publikumsmagnet

Millimeterarbeit per Schraubstock

Nach der Programmierung bekommt der Schweißroboter seine Werkstücke: Produktionsingenieur Dennis Beitzel legt einen Teil einer zukünftigen Armatur ein. - Foto: Kowalewski

Bremen - Von Martin Kowalewski. 800 Bewerber für 320 Plätze: Die „Lange Nacht der Industrie“, veranstaltet von der Handelskammer und dem Arbeitgeberverband Nordmetall, bleibt ein absoluter Publikumsmagnet. Die Busse für die acht Touren waren am Donnerstagabend gut gefüllt, mit Schulklassen, aber auch mit anderen Interessierten.

Mit Gestra und CHS Container bietet die „Tour 8“ einen Besuch bei zwei hochspezialisierten Unternehmen. Wo die 1902 gegründete und mittlerweile zum US-Konzern „Flowserve“ gehörende Gestra in Findorff ihre Produkte anliefert, ist ordentlich Druck im Spiel. Das Unternehmen mit 400 Beschäftigten baut Armaturen und Regelungstechnik im Bereich Dampf- und Kondensatwirtschaft.

Mehrere Lehrlinge zeigen in der Werkstatt, was man dafür lernen muss. Zu Ausbildungsbeginn heißt es ganz schlicht: Ein Gefühl für Metall bekommen. Und das klappt am besten mit einer Feile und Metall. „Am Anfang baut man erstmal einen eigenen Schraubstock und zwar mit einer Genauigkeit von einem Zehntelmillimeter“, sagt der Auszubildende Jannik Heine. Bei den komplizierteren Fertigungsmaschinen ähnelt das Werk der Arbeiter eher dem eines Programmierers. So bewegt eine moderne CNC-Fräse das Werkstück auf fünf Dimensionen, von denen eine die Form einer Schaukel hat. Auch bei einem hochmodernen Schweißroboter muss die Einstellung stimmen, Arbeit für Profis.

Bunt leuchtend, mit vielen Glasrohren mit blubberndem Wasser drin, ist das „gläserne Dampfsystem“ ein Highlight für Besucher. Der Dampf in den Rohren ist allerdings durchsichtig. Kaltes Wasser wird durch 120 Grad heißen Dampf erwärmt und heizt einen weiteren Wasserkreislauf. Das Kondenswasser fließt in einen Trinkwassertank. Mit derart heißem Dampf kann man viel machen. „Dampf wird benutzt, um Milch ultrahoch zu erhitzen, Zuckerguss zu schmelzen oder um Autoreifen zu backen, da kommt er in jede Ecke“, sagt Nils Glaubke vom technischen Produktmanagement.

Stefan Kanowski, Geschäftsführer der Firma CHS Spezialcontainer, präsentiert eine Werkstatt im Container. - Foto: Kowalewski

Für ordentlich Kälte sorgt ein gängiges Produkt von CHS Container: die „Frischhaltebox“, so heißen die Kühlcontainern des Unternehmens. Prokurist Arndt Overbeck macht die Tür eines solchen Containers auf. Klirrende Kälte schlägt den Besuchern entgegen „Da drin sind es minus 25 Grad. Ich hatte mal einen Jugendlichen hier, der bei unseren Vorträgen immer unaufmerksam und kurz vorm Einschlafen war. Als er sich mit nassem Zeug darin angelehnt hat, ist der festgeklebt. Danach war der aufmerksam“, sagt er. Lange halten die Leute das in der Kälte nicht aus. Gemütlicher ist der Offshore-Container. Darin wohnt es sich gut auf See, mit kleinem Bad, Arbeits- und einem Schlafzimmer. Ein mobiles und hochseetaugliches und gut isoliertes Zuhause für rund 60.000  Euro.

Das Unternehmen nahe dem Hafen verleiht und verkauft Container und setzt gebrauchte Exemplare wieder in Stand. Der Umbau von Containern für anspruchsvolle Aufgaben hat inzwischen einen so breiten Raum eingenommen, dass dafür eine separate Firma auf dem Werksgelände gegründet wurde, die „CHS Spezialcontainer – Shelter and Engeneering“, mit gut 60 Mitarbeitern genauso groß wie der Bremer Standort des Mutterunternehmens. Es baut sogar mobile gepanzerte Internet-Cafés in Containern für die Bundeswehr.

Sven Deichmann aus Stuhr-Moordeich ist fasziniert. „Ich interessiere mich privat sehr für das Thema Häfen. Ich bin echt beeindruckt, was man mit Containern alles machen kann“, sagt er.

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