Übersee-Museum bereitet Dauerausstellung vor

Einwanderungskontinent Amerika

Professorin Wiebke Ahrndt mit einem – noch in Schutzfolie gehüllten – Bison, der aus der alten Amerika-Abteilung in die neue Amerika-Ausstellung übernommen wird. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Hier entstehen gerade die Plains“, sagt Professorin Wiebke Ahrndt, die Direktorin des Übersee-Museums. Sie steht mitten in der neuen Amerika-Dauerausstellung, die ihr Haus in jahrelanger Arbeit vorbereitet hat und nun aufbaut. Ab 5. November wird sie zu sehen sein.

Mit einer Fläche von 1.200 Quadratmetern ist Amerika im Übersee-Museum dann so groß wie Afrika. Wie aber zeigt man den Doppelkontinent Amerika in einem Haus, das die Besucher der Gegenwart ansprechen will?

Gebraucht wird ein Motto, das Aspekte verbindet und zugleich eine Perspektive schafft. In diesem Museum kommt die Verbindung von Handelsgeschichte, Natur- und Völkerkunde hinzu. Lange sei diskutiert worden, unter welchem Blickwinkel der Doppelkontinent angeschaut werden soll, erzählt Ahrndt. Dann stand fest: „Wir präsentieren Amerika als Einwanderungskontinent.“

Ein markantes Datum (aber nicht das einzige) ist da natürlich die „Entdeckung“ Amerikas im Jahr 1492. „Der Mensch hat diesen Kontinent mehrfach komplett umgekrempelt“, so Ahrndt. Aber was 1492 und die Folgen angehe, da würden die Biologen von der „Intensität eines Meteoriteneinschlags“ sprechen. 

Und: „Die europäisch geprägte Einwanderung veränderte indigene Kulturen.“ Es kamen unterschiedliche Einwanderer aus unterschiedlichen Gründen und mit unterschiedlichen Zielen. Die Sklaverei, die Zwangseinwanderung der Schwarzen ist ein Thema. Ein anderes sind die Spanier, die im Süden des Kontinents Wohlstand suchten. Und dann waren da schließlich die Siedler.

Pioniergeist und Sendungsbewusstsein

Europäer, so Ahrndt, die nach Nordamerika kamen, „um dort zu bleiben mit Kind und Kegel und um den Boden zu bestellen“. Hier habe sich der sprichwörtliche Pioniergeist entwickelt. „Und ein Sendungsbewusstsein, das den USA noch immer innewohnt.“ Die Ausstellung beleuchte religiöse, politische und wirtschaftliche Motive der Einwanderung.

Ausprägungen der christlichen Religion zeigt das Bremer Museum am Beispiel der (vergleichsweise) kleinen Stadt Bremen in Indiana: 44.000 Einwohner, 16 Gemeinden. „Da sieht man den protestantischen Flickenteppich.“

Baustelle im Museum – die neue Dauerausstellung wird im November eröffnet. - Foto: Kuzaj

Erklärt werde auch der Evangelikalismus – „und wie daraus Fundamentalismus werden kann“. Ein „starker fundamentalistischer Missionsdrang“ ins (noch) katholisch geprägte Lateinamerika sei zu beobachten – „mit sehr viel Geld dahinter“. Ahrndt: „Die Evangelikalen sind massiv auf dem Vormarsch.“

Die Ausstellung konzentriert sich auf die Vereinigten Staaten, Mexiko und Brasilien. Die drei größten Länder des Doppelkontinents bilden so die Schwerpunkte. Das gelte auch für den Museumsbestand, aus dem geschöpft wurde.

Sitting Bull und Claudio Pizarro

Für den Bereich „weißes Amerika“ etwa mussten auch Exponate zugekauft werden – zum Beispiel ein charakteristischer US-Schulbus, von dem die Rückpartie gezeigt wird. Der Bustyp erzählt auch eine amerikanische Geschichte: Werden die Schulbusse in den USA ausrangiert, sind sie anschließend oft als Überlandbusse in Lateinamerika unterwegs.

Zur Ausstellungsvorbereitung hat das Bremer Museum auch Mitarbeiter nach Amerika geschickt. Ein Fotograf lieferte großformatige Landschaftsaufnahmen und Porträts. „Man begegnet sehr vielen Menschen in der Ausstellung“, sagt Ahrndt.

Eine Filmemacherin lieferte Beiträge zu acht Menschen aus den USA, Mexiko und Brasilien – unter ihnen der Urenkel von Sitting Bull, ein Nachfahre schwarzer Sklaven aus Brasilien und eine Frau aus der brasilianischen Stadt Rolandia, die viele Verbindungen nach Bremen hat. „Wir wollen die Amerikaner selbst zu Wort kommen lassen.“ Unter der Decke hängen derweil Fotografien „von Amerikanern aus Bremen und umzu“, wie Direktorin Ahrndt sagt. „Unter ihnen ist auch der Werder-Spieler Claudio Pizarro.“

Mit Amerika ist die Neukonzeptionierung der Kontinent-Dauerausstellungen des Übersee-Museums abgeschlossen. 2018 folgt dann noch etwas ganz Neues – eine Dauerausstellung zur Geschichte des Hauses, in der es um Provenienzfragen geht und darum, wie die Sammlungen des Hauses entstanden sind.

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