„Mein Kunst-Stück“ mit Sibylle Springer: „Silver Surfer“

Martyrium in Silber

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„Silver Surfer“ von Sibylle Springer zeigt bei genauerem Hinsehen eine Tötungsszene.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Silver Surfer“ heißt Sibylle Springers Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Seine Details gibt das 190 Zentimeter mal 170 Zentimeter große Acrylbild erst von Nahem Preis. Auf den ersten Blick erscheint es als grau-silberne Fläche.

„Es ist mein jüngstes Bild. Deswegen habe ich eine besondere Affinität zu ihm“, sagt Sibylle Springer. „Silver Surfer“ entstand in diesem Jahr innerhalb von nur 14 Tagen. Es bilde den Abschluss einer sehr intensiven Arbeitsphase, sagt Springer. Nähert man sich dem Bild, erkennt man im diskreten Silbergrau eine brutale historische Szene. Sie stammt aus dem Bild „Martyrium des Heiligen Cucuphas“. Gemalt wurde es von Ayne Bru oder Hans Brün von 1502 bis 1507. „Während ich sonst eher zwei Monate an einem Bild arbeite, floss der ‚Silver Surfer‘ geradezu aus mir heraus“, freut sich Springer. Sie mag die Kontraste, die das Bild vereint. Da wäre zum einen der als Märtyrer gestorbene St. Cucuphas im Gegensatz zum Titelgeber „Silver Surfer“, der ein Comic-Superheld aus den 60er Jahren ist. Beide allerdings besitzen laut Sage besondere Kräfte.

Auch inhaltlich und formal setzt sich der Kontrast fort. Die dramatische und brutale Tötungssituation, die einem beim Original förmlich „ins Auge schlägt“, so Springer, wird in sanftem und zurückhaltendem Farbton wiedergegeben. Was silberfarben wirkt, besteht aus zwei Grautönen und ein wenig Weiß. Mit minimalen Mitteln erzielt Springer einen großen Effekt. Die „Verschleierung“ entsteht nicht durch Übermalen, sondern reduzierte Farbgebung. Wie auch andere Werke der Bremerin, erinnern die durchscheinenden Bildinhalte teilweise an Röntgenaufnahmen oder die Fotos vom „Turiner Grabtuch“, auf dem das Gesicht Jesu Christi zu sehen sein soll.

Der Mensch, sein Umgang mit sich selbst und mit anderen, fasziniert die Bremer Künstlerin. Aggressionen kenne und habe jeder. Deren Ausprägungen interessieren sie. „Wenn ich das Bild von vor über 500 Jahren sehe, muss ich unwillkürlich an die Taten des IS denken“. Eine bildliche Darstellung bestätigt und verstärke, was wir theoretisch schon wissen.

Wie Springer zur Kunst gekommen ist? „Ich komme aus einem Künstlerhaushalt. Da bin ich der Kunst praktisch nicht entkommen.“ Die größte Herausforderung in der Kunst sei es, nicht zu verzagen. Denn es gebe zwischendurch immer wieder Einbrüche. Springer selbst lebt ein strenges Arbeitsprogramm. „Ich arbeite, wann immer es geht. Dann fange ich morgens an. Abends oder nachts höre ich auf.“

Die Kunst könne Menschen verändern, sagt die Malerin. Durch Kunst könne man Erfahrungen machen oder Erfahrungen in der Kunst gespiegelt bekommen oder Erfahrungen selbst in der Kunst spiegeln.

Zu den Künstlern, die für Springer besonders bedeutend sind, zählen ihre Professorinnen Katharina Grosse und Karin Kneffel. Beide seien starke, international erfolgreiche Künstlerinnen, die sich durchgesetzt haben – obwohl sie sehr unterschiedlich sind.

Wenn Springer jemandem ein Bild als Botschaft schicken oder widmen sollte, so würde sie „Silver Surfer“ am liebsten ihrem Vater geben. Der sei leider schon verstorben, habe aber als Bildhauer viel für Kirchen gearbeitet und sich mit der alten Kunst auseinandergesetzt. „Meine Bilder aus dieser Phase hätten ihm gefallen. Es hätte ihn vielleicht gefreut, dass eine künstlerische Wurzel in völlig anderer Form weiterwächst.“

www.sibyllespringer.com

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