Drei Männer angeklagt

Heroinhandel im großen Stil

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Murat Ö. (vorne v. l.), Firat Ö. und Faruk B. (mit einer Dolmetscherin) sollen gewerbsmäßig Heroin verkauft haben.

Bremen - Von Steffen Koller. Die Vorwürfe wiegen schwer, allein die Verlesung der Anklageschrift dauerte länger als eine Stunde. Faruk B. (29), Firat Ö. (28) und Murat Ö. (26) müssen sich seit gestern vor dem Landgericht Bremen wegen Handels mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge verantworten. Sie sollen in 214 Fällen mit Heroin gedealt haben, gingen dabei wohl äußerst professionell vor.

Sechs Monate lief alles wie am Schnürchen. Das Geschäft florierte, die Männer machten Umsatz und ihr Abnehmernetzwerk wuchs. Bis nach Celle, Salzgitter, Wolfsburg, Braunschweig und Lübeck soll das Trio Drogen verkauft haben. Dann schlug der Zoll zu, fand im Auto der drei Angeklagten fast 100 Gramm Heroingemisch und fast 10. 000 Euro Bargeld. Bei der Wohnungsdurchsuchung mindestens eines Angeklagten werden die Beamten abermals fündig. Seit Mai dieses Jahres sitzen Firat und Murat Ö. nun in Untersuchungshaft, Faruk B., der laut Staatsanwaltschaft vorrangig als Kurierfahrer gedient habe, kommt als freier Mann in den Sitzungssaal.

Professioneller Drogenhandel

Die Anklagevertretung wirft den Männern vor, von September 2015 bis März dieses Jahres in bis zu 214 Fällen Heroin an andere verkauft zu haben. Dabei hätten die Angeklagten „arbeitsteilig“ und „mit einem gemeinsamen Tatentschluss“ gehandelt um „Einnahmen von einigem Umfang und einiger Dauer“ zu erwirtschaften. Was nach nüchternen juristischen Formulierungen klingt, soll in Wahrheit professionell abgelaufen sein. So hätten Firat und Murat Ö. sich im Wesentlichen um die Beschaffung von Abnehmern gekümmert und im Hintergrund die Fäden gezogen. Faruk B. hingegen soll in 57 Fällen für „eine angemessene Entlohnung“, so die Staatsanwaltschaft, als Kurierfahrer ausgeholfen haben. Außerdem habe er Kellerräume zur Lagerung und Portionierung des Heroins zur Verfügung gestellt.

Anfangs hätten die Männer an Kleindealer noch Mengen von rund 50 Gramm verkauft, dabei pro Gramm etwa 16 Euro verlangt. Auch Käufe auf Kommission seien möglich gewesen, heißt es in der Anklageschrift. Im Laufe der Zeit wuchsen die Lieferungen auf bis zu 300 Gramm; sie wurden von Bremen aus in verschiedene Städte gebracht. Bei einer Kundin in Salzgitter fanden die Beamten im Januar rund 190 Gramm Heroin.

Sollte das Gericht versuchen, jeden Fall genau unter die Lupe zu nehmen, wartet auf die Kammer ein Mammutprozess. Der Vorsitzende Richter Helmut Kellermann regte mit Blick auf die mehr als 200 angeklagten Taten ein sogenanntes Rechtsgespräch („Deal“) zwischen allen Verfahrensbeteiligten an. „Ich habe durchaus ein Interesse daran, einverständlich vorzugehen“, so Kellermann. Ob sich die Angeklagten dazu bereit erklären, wird der nächste Verhandlungstag zeigen. Am Montag, 19. September, wird der Prozess fortgesetzt.

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