Lufthansa-Chef Carsten Spohr zu Gast beim Empfang der Handelskammer

„Stagnation ist keine Option“

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Bevor es ans Rednerpult ging, plauderten Wirtschaftssenator Martin Günthner (v.l.), Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Handelskammer-Präses Christoph Weiss noch in „voller Anzug-Kluft“ über das Wetter und so weiter.

Bremen - Von Jörg Esser. Der Flughafen sowie die Luft- und Raumfahrtindustrie gelten für Bremen als „Hot Spots“. Gestern passte das wunderbar: Zum Wirtschaftsempfang der Handelskammer Bremen trafen sich am Nachmittag rund 250 Gäste aus Politik und Wirtschaft im Hangar der Lufthansa-Fliegerschule. Den Festvortrag hielt Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Heiß war es im Hangar. Und so trennten sich die Herren frühzeitig von Anzugjacken und Krawatten – auf Geheiß von Handelskammer-Präses Christoph Weiss. Der bewies in seiner Begrüßungsrede Entertainer-Qualitäten. Vom neuen rot-grünen Senat forderte er unter anderem ein Bekenntnis zum Wachstum und Mut zu Innovationen. Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) versprach sogleich Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur (unter anderem in das Offshore-Terminal Bremerhaven) und in den Wohnungsbau. „Wir wollen wachsen“, sagte der Senator. „Und wir setzen uns ambitionierte Ziele.“

So weit, so gut. Für Carsten Spohr war das Gastspiel auf dem Wirtschaftsempfang der erste „externe Auftritt“ nach dem Absturz des Germanwings-Flugs über den französischen Alpen am 24. März. Das „schrecklichste Ereignis in unserer Firmengeschichte“ werde „so schnell nicht zu verarbeiten sein“, so Spohr. „Aber einen Luftfahrtkonzern kann man nicht aufhalten.“

Die Luftfahrtbranche bringt schließlich Tempo in die globalisierte Welt. Tag für Tag werden acht Millionen Passagiere durch die Welt geflogen. Und jeder 30.davon wird von den Lufthanseaten transportiert. Spohr, der an der Verkehrsfliegerschule in Bremen sein Pilotendiplom machte, blickte zurück ins Jahr 1955, als die Lufthansa den Flugbetrieb wieder aufnahm. 74 000 Passagiere seien seinerzeit pro Jahr befördert worden. „Das schaffen wir heute in sechs Stunden.“ Das wiederum macht pro Tag rund 300 000 Fluggäste. Zur Flotte zählen 620Maschinen. Die Lufthansa sei der größte Airbus-Kunde weltweit, fuhr Spohr fort. Er blickte hinaus aufs Rollfeld. Und damit irgendwie auch in Richtung Bremer Airbus-Werk. Apropos Investitionen: Bis 2024 will die Lufthansa 270 neue Flugzeuge ordern. Listenpreis: 38 Milliarden Euro: „Das zahlen wir nicht, wir bekommen Rabatt“, sagte Spohr. Und weiter: „Stagnation ist keine Option.“ Der 48-Jährige machte deutlich, dass ihn vor allem die fehlenden Regeln in der weltweiten Luftverkehrsbranche wurmen. Da sind ihm die Golf-Airlines, die von „vermögender staatlicher Hand“ gefördert werden, ein Dorn im Auge. Spohr weiter: In Europa kommt ein Langstreckenflugzeug auf 2800 Einwohner, in den Golf-Staaten eines auf 25 Einwohner.

Außerdem ärgert ihn, dass sich Deutschland ein Nachtflugverbot leiste, wodurch unter anderem die großen Drehkreuze in Frankfurt am Main und München für ein Viertel des Tages vom Netz genommen werden. Und dann sind da noch die Billigflieger mit Ryanair an der Spitze, die der Lufthansa die Kunden abknapsen. „Wir haben zu spät reagiert“, so Spohr. „Aber wir haben jetzt nachgezogen.“ Mit der Zweitmarke Eurowings will die Lufthansa im Low-Carrier-Segment europaweit Passagiere zurückgewinnen.

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