40 Jahre Städtepartnerschaft von Bremen und Danzig: Feierstunde im Rathaus

Die Lücke im Eisernen Vorhang

1976: Bremens Bürgermeister Hans Koschnick (SPD, l.) und der Bürgermeister von Danzig, Andrzej Kaznowski (r.), unterzeichnen in Danzig die Partnerschaftsurkunden beider Städte. - Foto: dpa

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Diese Partnerschaft, sie sei eine Freundschaft, sagte Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) Freitag mit Blick auf die Verbindung von Bremen und Danzig. Seit 40 Jahren gibt es diese Städtepartnerschaft – und das wurde in der Oberen Rathaushalle gefeiert. Schließlich war die Unterzeichnung der „Rahmenvereinbarung“, wie es 1976 hieß, ein historischer Augenblick.

Es war die Zeit des Ost-West-Konflikts. Eine „Zeit der Kälte“, wie Sieling es gestern nannte. Die Unterzeichnung des Abkommens im April 1976 in Danzig (Gdansk) war die erste Partnerschaft einer polnischen mit einer westdeutschen Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg – ein Akt, der „europa-, vielleicht sogar weltpolitisch in die richtige Richtung wies“, so Sieling.

2016: Bremens Bürgermeister Carsten Sieling (SPD, l.) mit einem Geschenk für Danzigs Stadtpräsidenten Pawel Adamowicz gestern in der Oberen Rathaushalle. - Foto: Kuzaj

Die Überlegungen, sich mit Danzig zu verbinden, waren in Bremen 1972 aufgekommen. Das passte in den Geist der Zeit, zur Ostpolitik Willy Brandts, zum vielfach beschworenen „Wandel durch Annäherung“. Bremens Bürgermeister Hans Koschnick (SPD, 1929 bis 2016) hatte als Bundesratspräsident Polen besucht. Anschließend wurde an der Vorbereitung der Partnerschaft mit Danzig gearbeitet. Koschnick war in jenen Tagen auch stellvertretender SPD-Chef und zuständig für die SPD-Außenpolitik. Es galt, so manche diplomatische und politische Hürde zu überwinden. 1976 war es schließlich so weit. Sieling lobte gestern, dass auch die Bremer CDU das Projekt von Beginn an mitgetragen habe.

Zu den Gästen in der Oberen Rathaushalle zählten neben (mit viel Applaus begrüßten) Christine Koschnick auch der langjährige Bremer CDU-Chef Bernd Neumann und Danzigs Stadtpräsident Pawel Adamowicz – sowie Bremens Bürgerschaftspräsident Christian Weber. Der Sozialdemokrat über den Beginn der Partnerschaft: „Das war damals schon etwas ganz Besonderes, in den Eisernen Vorhang eine Lücke reinzubrechen.“

Weber ist selbst oft in Danzig gewesen. Für ihn ist es „gerade in der aktuellen Zeit notwendig, den Kontakt noch enger zu schmieden“. Er habe im Mai erst zu spüren bekommen, „wie sich der Wind etwas gedreht hat“, so Weber mit Blick auf die gegenwärtigen politischen Entwicklungen im Nachbarland. Der Bremer sollte auf Einladung der deutschen Generalkonsulin in Danzig, Cornelia Pieper, bei der Gedenkfeier für die Befreiung des Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig eine Rede halten. „Man hat mir nicht die Gelegenheit dazu gegeben.“ Auch vor diesem Hintergrund sei es so wichtig, die Kontakte zur Partnerstadt zu pflegen und auszubauen.

Die Freundschaft mit Danzig sei von Beginn an eng gepflegt und wirklich gelebt worden, hieß es gestern im Rathaus gleich mehrfach. Bürgermeister Sieling nannte die Verbindung „sehr politisch, aber auch immer sehr persönlich bewegend“. Und: „In Gdansk fühlen sich Bremer gleich heimisch, weil die gleiche Backsteingotik beide Städte prägt – auch sie ist ein Ausdruck starken Bürgerwillens.“ Die Partnerschaft von „lebt von der Verbindung der Menschen“. Regelmäßigen Austausch gibt es unter anderem in den Bereichen Kultur, Sport und Wissenschaft. Die „Rahmenvereinbarung“ von 1976 führt nach wie vor Menschen zusammen.

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