Unterirdische Spendendose auf dem Marktplatz spielt 15.795,75 Euro ein

„Loch“-Beitrag zur Inklusion

Steffen Lehrmann (l.) und Karl-Heinz Radisch vom Roten Kreuz kümmern sich um die regelmäßige Wartung und Leerung des „Bremer Lochs“ auf dem Marktplatz – eine Aufgabe, die oft Schaulustige anzieht. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Was ist drin im „Bremer Loch“? Diese Frage stellt sich alle Jahre wieder im Mai, wenn der Geburtstag des Bremer Nachkriegsbürgermeisters Wilhelm Kaisen (1887 bis 1979) ansteht. Schließlich hatte er 1945 die Bremer Volkshilfe gegründet, die heute Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe heißt und jene Gelder bekommt, die seit 2007 in der ersten unterirdischen Spendendose Deutschlands gesammelt werden – im „Bremer Loch“ auf dem Marktplatz eben.

Münze reinwerfen, Stadtmusikanten-Ton hören – das ist das so einfache wie erfolgreiche Konzept, das an Neugier und Spieltrieb gleichermaßen appelliert. Nun kam er wieder, der spannende Moment. Wieviel Geld ist in der Zeit von Mai vergangenen Jahres bis jetzt im „Bremer Loch“ zusammengekommen?

Nun, es sind genau 15.795,75 Euro. Seit seiner Einführung hat das „Bremer Loch“ auf – oder besser: unter – dem Bremer Marktplatz damit insgesamt bereits etwa 130.000 Euro an Spenden eingespielt. Unterstützt wurden damit unter anderem Projekte zur Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen, zur Einrichtung eines „Funparks“ in Obervieland und zur Einrichtung einer Kita-Gruppe für Kinder unter drei Jahren. Geld ging auch an ein Info-Angebot für Familien mit Kindern in der Neuen Vahr.

Die 15.795,75 Euro aus der aktuellen Sammel-Saison stiftet die Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe der Inneren Mission für ihr neues Projekt zur betrieblichen Inklusion kranker und behinderter Menschen in das Arbeitsleben. „Die Mittel sollen dazu dienen, über ein weit verzweigtes Netzwerk Kontakte zu Firmen, Arbeitgebern und Betrieben herzustellen und diese Strukturen für die Vermittlung Behinderter zu nutzen“, sagte eine Sprecherin gestern. Und: „Die Innere Mission folgt damit Zielen, die in der UN-Behindertenrechtskonvention verankert sind.“

Loch wird regelmäßig geleert, damit es nicht überläuft

Die 15.795,75 Euro übrigens wurden gestern nicht auf einmal aus dem „Bremer Loch“ herausgeholt. Steffen Lehrmann und Karl-Heinz Radisch vom Roten Kreuz leeren das „Loch“ regelmäßig, damit es nicht überläuft – und auch mal gewartet wird.

Wie regelmäßig? Lehrmann: „Im Winter und Frühjahr einmal die Woche.“ Und sonst zweimal wöchentlich – wie auch zur Freimarktszeit, zur Osterwiese und während des Weihnachtsmarkts. Also ist es auch im „Bremer Loch“ zu spüren, wenn viele Besucher und Gäste in der Stadt sind? Lehrmann: „Au, ja!“ So sieht es auch Bürgerschaftspräsident Christian Weber. Der Sozialdemokrat hat das Geschehen auf dem Marktplatz von seinem Büro aus genau im Blick. Und er ist Vorstand der Wilhelm-Kaisen-Bürgerhilfe. „Wir sind den Gästeführerinnen sehr dankbar, weil sie mit großer Empathie Gäste zum ,Bremer Loch‘ führen“, so Weber. Und viele dieser Gäste wollen – gegen Münzeinwurf – den Hahn krähen, die Katze miauen, den Hund bellen und den Esel „I-aaah“ rufen hören.

Dabei landen nicht nur Euro-Stücke im „Bremer Loch“. Sondern auch mal Geld aus Amerika, aus Russland und – recht häufig – Münzen aus Polen, wie Lehrmann und Radisch berichten. Und diese Spenden wurden bisher in der „Loch“-Statistik noch gar nicht mitgezählt, denn Lehrmann und Radisch müssen sie beseite legen. Grund: „Keine Bank tauscht sie uns ein.“

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