Leuchtend geometrisch

„Mein Kunst-Stück“ mit Christel Rasmussen und ihrer Serie „80 x 80“

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Die Überlagerung geometrischer Farbfelder ist ein Markenzeichen von Christel Rasmussen. In unserer Serie präsentiert sie das Projekt „80 x 80“. 

Bremen - Von Ilka Langkowski. Das Bild, das Christel Rasmussen in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt, ist das erste einer Serie. Es trägt keinen Titel, wie die meisten ihrer Bilder. Die leuchtenden Farben sind noch zart und etwas diffuser als bei den nachkommenden Werken.

„Meine Bilder haben eigentlich keinen Titel“, sagt Christel Rasmussen. „Aber dieses habe ich ausgewählt, weil es das erste meiner Reihe geometrischer Formen ‚80 x 80‘ war, die auch immer weiter fortgesetzt wird.“ Die Überlagerung geometrischer Formen ist ihr Hauptmerkmal. Rasmussen erinnert sich daran, dass zu jener Zeit 2006 eine US-amerikanische Künstlerin zu Gast im Atelier war. Sie hatte ein Stipendium zum Thema Paula Modersohn-Becker erhalten. Rasmussen hatte vorher nie in Gesellschaft gemalt. Damals war es warm und alle Türen standen offen. Vielleicht war es die Atmosphäre, auf jeden Fall hatte die Bremerin plötzlich diese überlagernden geometrischen Flächen. „Diese Inspiration ist mir bis heute ein Rätsel und ein wenig geheimnisvoll“, sagt Rasmussen.

Die geometrischen Bilder setzen sich zumeist aus hellen und fast immer leuchtenden Farben zusammen. Dreiecke, Streifen und Rauten lagern übereinander. Durch vielschichtige Lasuren bilden sie neue Farbflächen und Farbtöne aus wässrigen Acrylfarben und wasserlöslichen Ölfarben. „Die Farben gehen eine Beziehung ein“, sagt Rasmussen. Schwarz verwendet sie praktisch nicht. Rasmussens Begeisterung für geometrische Formen könnte an ihrem Interesse an technischen Themen liegen. Neben einer Reihe von Collagen hat die Künstlerin aber auch Bilder aus reinen Farbflächen. „Für den Betrachter sind Farbflächenbilder nicht so leicht zu verstehen“, sagt sie. Aber mit einer kleinen Hilfestellung erfahre der Betrachter manchmal unverhofft eine ganz unerwartete Wirkung.

Zum Arbeiten ins Atelier

Im Gegensatz zu jenen, die von klein auf immer schon gezeichnet haben, entdeckte Rasmussen erst als Erwachsene, wie viel ihr das Malen bedeutet. Als Tochter von Kaufleuten hatte sie in der DDR Stenotypistin gelernt. Ein Studium direkt nach dem Abitur war Arbeiter- und Bauernkindern vorbehalten. Kurz vor dem Mauerbau flüchtete ihre Familie nach Westdeutschland. In Bremen studierte sie auf Lehramt. Als sie während einiger Meditationsseminare an einem Malkurs teilnahm, stellte sie fest, wie zufrieden sie die bildnerische Arbeit mit großen Formaten machte. 20 Jahre nach Beginn ihres ersten Studiums, schrieb sie sich noch einmal Freie Kunst in Ottersberg ein. Sie minimierte ihre Stundenzahl als Lehrerin und erhielt Unterstützung von ihrem Mann.

Um zu arbeiten, fährt Rasmussen in ihr Atelier. „Hier ist nichts, das Handy ist aus“, erzählt sie. Ohne Familie würde sie vielleicht auch gern nachts arbeiten, allerdings mit Tee und nicht mit Wein. Wozu wir Kunst brauchen? Ohne die Kunst wären die Menschen verarmt. Wenn die Menschen sich mehr mit Kunst beschäftigen würde, könnten sie vielleicht sogar bessere Menschen werden. Denn die bildende Kunst werfe uns auf uns selbst zurück. Das unterscheide sie von einem Theaterstück, das uns auch aufwühlen und ablenken könne, sagt Rasmussen.

Zu den Künstlern, die für Rasmussen besonders bedeutend sind, zählen die US-Kanadische Malerin Agnes Martin (1912 bis 2004) und der in Lettland geborene US-Amerikaner Mark Rothko (1903 bis 1970). Martin findet die Bremerin in der Konsequenz, wie sie ihre stillen Linienbilder malte, bewundernswert. Zu Rothko und seinen Farbfeldern empfinde sie eine Verwandtschaft.

Wenn Rasmussen jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann eins aus der Serie „Teilung“ an die St.- Marien-Gemeinde in Stralsund. „In der Hoffnung, dass wir mehr zusammenwachsen und ein Ganzes werden“, sagt die Wahl-Bremerin.

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