Bremen und Danzig: 40 Jahre Städtepartnerschaft

Lernen auf Augenhöhe

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Andrea Frohmader, im Rathaus zuständig für Internationale Beziehungen, vor einer Nachbildung eines Stuhls aus dem Danziger Rathaus – ein Geschenk des Danziger Stadtpräsidenten an Koschnick 1994 zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde.

Bremen - Von Viviane Reineking. Seit vier Jahrzehnten sind Bremen und Danzig miteinander verbunden. Im April 1976 unterzeichneten der damalige Bürgermeister Hans Koschnick (SPD) und der Präsident der polnischen Hansestadt, Andrzej Kaznowski, eine Vereinbarung, die eine Partnerschaft der beiden Städte begründete. Ihre Ziele: Aussöhnung und Austausch. Gefeiert wird in diesem Sommer unter anderem mit Danzig-Tagen in Bremen.

Es war die erste Städtepartnerschaft zwischen einer westdeutschen und einer polnischen Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg. Und nicht nur das: „Es ist sogar die erste, die zwischen den beiden Blöcken in Zeiten des Kalten Krieges gegründet wurde“, sagt Birgitt Rambalski, im Bremer Rathaus zuständig für das Protokoll und auswärtige Angelegenheiten.

„Zehn Jahre Zusammenarbeit für den Frieden“: Maritimes Geschenk von 1986 aus Danzig.

Danzig ist eine von sechs aktiven Partnerschaften Bremens. Neben Danzig bestehen Partnerschaften mit der lettischen Stadt Riga und der chinesischen Stadt Dalian (jeweils seit 1985), der israelischen Mittelmeerstadt Haifa (seit 1988), dem türkischen Izmir (seit 1995) und der südafrikanischen Großstadt Durban (seit 2011). Doch die Partnerschaft mit der polnischen Hafenstadt ist die politischste, sagt Rambalski: Sie sei im Zuge der Entspannungspolitik der 70er Jahre mit dem Bestreben der Aussöhnung und Wiedergutmachung entstanden. Koschnick habe mit Willy Brandt eine neue Ostpolitik definiert, die Städtepartnerschaft sei eine politische Entscheidung gewesen.

Bereits 1961 war Koschnick in Polen, um den Versöhnungsgedanken zu verfolgen. Hafenstadt, Hansestadt und Ausgangspunkt für Zweiten Weltkrieg – mit dem Überfall von Nazideutschland auf eine Halbinsel bei Danzig begann der Zweite Weltkrieg – „deshalb kam für Koschnick nur Danzig als Partnerstadt infrage“, so Rambalski.

Nach zwei bis drei Jahren Verhandlung sei dann eine Rahmenvereinbarung geschlossen worden. Sie sollte einen lebendigen Austausch gewährleisten, in dem die Ziele immer wieder neu definiert und der Zeit angepasst werden können.

Vielfältiger Austausch mit „Hauptstadt des Bernsteins“

Und in der Tat wird die Partnerschaft zwischen der rund 460.000 Einwohner zählenden Stadt an der Ostsee – auch die „Hauptstadt des Bernsteins“ genannt – und Bremen längst nicht nur politisch, sondern vielfältig gelebt: Musiker und Künstler tauschen sich ebenso aus wie Studenten und Dozenten der Hochschulen und Universitäten. „Über die Jahre ist das gegenseitige Vertrauen gewachsen“, sagt Andrea Frohmader, im Rathaus zuständig für die Internationalen Beziehungen. So könnten auch langfristige Projekte gemeinsam entwickelt werden.

Doch erst einmal zurück zum Politischen, das Bremen und Danzig verbindet: 1981 war eine Delegation der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc von der Danziger Werft zu Gast in Bremen. Weil in der Nacht nach ihrer Ausreise in Polen das Kriegs-recht verhängt wird, würden die Gäste in der Heimat als Regimekritiker verhaftet, hieß es. Bremen stellt ihnen eine Unterkunft zur Verfügung: Von ihrem Bremer Exilbüro aus informierten die Gäste über die Verhältnisse in Polen und organisieren Hilfssendungen nach Danzig.

„Wir lernen Unterschiedliches voneinander – aber immer auf Augenhöhe“, so Frohmader zur heutigen Verbindung. In der Tradition des Verwaltungsaustausches habe sich eine Delegation aus Danzig Ende vergangenen Jahres über die Flüchtlingsarbeit in Bremen informiert. Ebenso bestehe ein großes Interesse kennenzulernen, wie in der deutschen Hansestadt Menschen mit Beeinträchtigungen in die Gesellschaft integriert werden. Bremer interessieren sich hingegen für die junge dynamische Danziger Jazz- sowie experimentierfreudige Kunstszene. Und dafür, wie polnische Experten alte Gebäude restaurieren und sanieren.

Enge Verbindung auch im Bereich Raumfahrt

Auch wirtschaftlich ist die Partnerschaft von Bedeutung: So wurde die nationale Raumfahrtagentur Polens vor etwa einem halben Jahr in Danzig angesiedelt – auch die Verbindungen zu Bremen als Luft- und Raumfahrtstandort hätten Rambalski zufolge hier eine Rolle gespielt.

40 Jahre Städtepartnerschaft und außerdem 25 Jahre deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag, das feiern Bremen und Danzig mit einer Vielzahl von Veranstaltungen: Musikalische, kulturelle und kulinarische Eindrücke der polnischen Hafenstadt vermitteln etwa die Danzig-Tage vom 5. bis zum 7. August in Bremen. Eingebunden in das „Festival Maritim“ in Vegesack, präsentiert eine Bernsteinaustellung im Alten Speicher (ehemals „Spicarium“) zum Beispiel das „Gold der Ostsee“. Auf dem polnischen Großsegler „General Zaruski“ schippern Jugendliche von Danzig nach Bremen.

In Danzig wiederum finden vom 12. August an vier Tage lang die Bremen-Tage statt. Die deutsch-polnische Gesellschaft Bremen und die polnisch-deutsche Gesellschaft in Danzig organisieren Reisen für interessierte Bürger.

Der autoritäre politische Kurs der aktuellen nationalkonservativen polnischen Regierung stellt derweil auch die politische Bedeutung der Partnerschaft wieder stärker in den Mittelpunkt: „Jetzt müssen wir auch beweisen, dass es eine Verständigung und politische Kooperation gibt“, so Rambalski.

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