„Mein Kunst-Stück“ mit Rosita Jahns-Höher: „Pinot Gris“

Lasur über Kontur

Rosita Jahns-Höher vor ihrem Bild „Pinot Gris“. Das imposante Werk begleitet die Bremer Künstlerin seit 2005. Es hat einen festen Platz in ihrer Wohnung. - Foto: Langkowski

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Pinot Gris“ heißt Rosita Jahns-Höhers Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Es zeigt Weintrauben aus nächster Nähe betrachtet. Zum Bildrand hin lösen sich die Konturen und verschwinden in der Fläche.

Das imposante Bild „Pinot Gris“ misst 140 Zentimeter mal 150 Zentimeter. Es begleitet Rosita Jahns-Höher seit 2005 und hat seinen Platz bei ihr zu Hause. Das Bild ist Teil einer Werkreihe mit runden Formen. Die Motive von Beeren, Apfel oder Birne sind Mittel zum Zweck, denn es geht der Künstlerin bei diesen Darstellungen vor allem um Farbe und Licht. Um die Konturen diffuser werden zu lassen, lasiert die Malerin das Motiv zum Bildrand hin. 

Die Lasur aus Ölfarbe lässt das mit Acrylfarbe gemalte Motiv verblassen. Akzente setzt Jahns-Höher mit dem Kreidestift. Durch die Lichtkontraste sollen ihre Bilder „zum Schwingen“ gebracht werden, sagt sie. Inspirierend hierfür sei die Vorgehensweise des niederländischen Malers Rembrandt (1606–1669) gewesen, so die Bremerin. Rembrandt ist berühmt für seine Porträts, die aus einem dunklen Hintergrund heraustreten. „Für sein Licht wurde der Meister weltberühmt.“

Jahns-Höhers Werkreihe, zu der „Pinot Gris“ zählt, ist farblich zurückgenommen. Meist arbeitete die Malerin mit nur einem Farbkontrast. Die jüngeren Arbeiten hingegen sind abstrakter, expressiver und intensiv farbig. Auch bei ihnen treten die oft floralen Formen aus einem unbestimmten Raum hervor.

Auf die Kunst musste die gebürtige Bremerin nicht erst gebracht werden. „Da war ich schon immer“, sagt sie und lacht. Nur habe es damals noch keine Kunsthochschule in Bremen gegeben und ihre Eltern sahen sie lieber als Beamtin. So führte der berufliche Weg Jahns-Höher zuerst ins Finanzamt. Nebenbei besuchte sie Kunsthandwerkkurse. 

Da sie sich als Beamtin nicht wohl fühlte, wechselte sie zur Lufthansa und konnte 1994 dank des Schichtdienstes auch die Kunsthochschule besuchen. Jahns-Höher besorgte sich ein Atelier in der Buchenstraße. Die Arbeitsstelle behielt sie bis zur Rente, obwohl sie gleich auf ihrer ersten Vernissage mehr als 20  Bilder verkaufen konnte. „Heute wird es immer schwerer, Bilder zu verkaufen“, sagt sie. „Es malen zu viele.“

Die gebürtige Bremerin arbeitet am liebsten unter Druck. Mit einer konkreten Vorstellung, beispielsweise nach einem Gespräch mit einem Galeristen. „Dann lege ich los und bin nicht mehr zu stoppen.“ In ihr Atelier geht sie zu festen Zeiten. „Dann beschäftige ich mich gedanklich ausschließlich mit Kunst.“

Durch einen Zufall besuchen seit fast einem Jahr auch zwei 17-jährige Flüchtlinge aus Guinea ihr Atelier. Einmal die Woche stellt sie den westafrikanischen Jungkünstlern die Räumlichkeiten zur Verfügung und gibt bei Bedarf auch Tipps.

Die Kunst, so Jahns-Höher, biete eine Ablenkung vom Alltag, seinen Problemen und allem Negativen, mit dem man belastet wird. Außerdem sei es spannend, durch ein Kunstwerk in die Gedankenwelt eines anderen einzutauchen. Zu den Künstlern, die für Jahns-Höher besonders bedeutend sind, zählen der zeitgenössische Künstler Gerhard Richter und der englische Romantiker William Turner (1775–1851).

In vielen von Turners Bildern finden sich die aufgelösten Konturen, die Jahns-Höher faszinieren. Richter hingegen zeige in seinen Reihen, wie tief er sich mit einem Thema beschäftigt. „Er kommt dabei vom Hölzchen aufs Stöckchen“, sagt die Bremerin. Gleichzeitig habe er immer neue Ideen und lasse sich bis ins hohe Alter nicht festlegen.

Wenn Jahns-Höher jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein Werk aus ihrer Reihe „Tellergeschichten“ mit einem Augenzwinkern an ein Gourmet-Sterne-Restaurant: In fotorealistischer Darstellung sitz dort ganz possierlich eine Ratte auf dem Teller.

Am Donnerstag, 25. August, beginnt Rosita Jahns-Höhers Ausstellung in der „Galerie    64“ am Benqueplatz/Ecke Wachmannstraße.

www.rosita-jahns-hoeher.de

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