Rundgang über die Baustelle des Klinikums Mitte

Kürzere Wege, mehr Effizienz

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Die Besucher der Führung im Technikraum des Neubaus am Klinikum Mitte.

Bremen - Von Ulla Heyne. Haupteingang zum Klinikum Mitte: Vor den Toren hat es etliche Interessierte zur größten und kostspieligsten Krankenhaus-Baustelle der Hansestadt gezogen. „Teilersatzneubau“, so der offizielle Begriff für das 2010 bei der Planung mit 230 Millionen Euro angesetzte Projekt, das nach heutigem Stand die 300-Millionen-Euro-Marke knacken wird, und das ohne Medizintechnik.

„Exogene Faktoren“ führt Projektverantwortlicher Michael Bester-Voss ins Feld und meint dabei sowohl den Konkurs eines Unternehmens für die elektrische Versorgungstechnik als auch die Kündigung des Vertrags mit einem Trockenbauunternehmen – „das hat uns zeitlich in Verzug gebracht“. Eineinhalb Jahre, die die kalkulierten Kosten in die Höhe treiben.

Gleich um die Ecke an der Bismarckstraße trifft Alt auf Neu: Der sechsgeschossige Neubau mit seinen Trakten, ebenfalls in rotem Backstein, steht bereits, jedoch kubisch mit klarer Linienführung und tiefgezogenen Glasfronten. Später wird er die Stationen beherbergen.

Groß sind die Herausforderungen, die „kleine Stadt in der Stadt“ auf einer Fläche von fünf Fußballfeldern nach dem neuesten Stand der Technik während des laufenden Klinikbetriebs hochzuziehen. Etwa, als es um das Abtragen des Bunkers aus dem Zweiten Weltkrieg ging. Er wurde in sechsmonatiger Arbeit von sechs Baggern in Raspeltechnik abgetragen.

16 OP-Sälen werden gebaut

Die zweieinhalbstündige Tour führt über nackte Betonböden, unter baumelnden Kabeln oder frischgelegten Fußböden zur „Magistrale“ im Erdgeschoss, wo die Bruchstelle zwischen Alt und Neu sichtbar wird, über das Not-Treppenhaus (die Fahrstühle sind zwar eingebaut, aber noch nicht funktionstüchtig) in den OP-Bereich. Bei den 16 Sälen, die hier entstehen, geht es, wie bei dem gesamten Projekt, um kürzere Wege, Einsparung von OP-Minuten und letztlich mehr Effizienz.

In der Intensivstation mit 36 Beatmungsplätzen für Erwachsene und zwölf für Kinder trägt der Großteil der Einbettzimmer der immer relevanteren Thematik der Keimentwicklung Rechnung, erfahren die Besucher. „Mein Vater hat vor fünf Jahren auf der Intensiv gelegen“, meint eine Frau. Und mit Blick auf die Beatmungsgeräte, die Hebevorrichtung für Adipöse und die getrennten Wege für Patienten und Material sagt sie: „Wahnsinn, was sich seitdem technisch getan hat!“ Laborproben werden direkt über Rohrpost geschickt.

Staunen auch im Technikzentrum ein Stockwerk höher – noch einer der Bereiche, die der Allgemeinheit sonst verschlossen bleiben. „Was für ein Aufwand“, sagt ein Besucher fasziniert angesichts der Pumpen, waschmaschinenartigen Apparaturen und silbern verkleideten Luftabzüge – einer von elf Bereichen der Gebäudeleittechnik, in denen die Luft für die OP-Säle angesaugt, gereinigt und auf die erforderliche Temperatur und Feuchtigkeit gebracht wird. Wärmerückgewinnung inklusive.

Einweihung 2017/2018 geplant

Hier soll auch das neue Rechenzentrum für die insgesamt vier Krankenhäuser der Klinik-Holding Gesundheit Nord (Geno) entstehen. Ein Novum, genau wie das führerlose Warentransportsystem oder die tagesaktuelle Herstellung der Medikamente für Krebspatienten in der klinikeigenen Zytostase, die schon jetzt im Betrieb ist.

Der Blick vom Dach eröffnet, wo das Parkhaus mit 750 Stellplätzen für Autos und 700 für Fahrräder geplant ist und wie das zukünftige Eltern-Kind-Zentrum durch Aufstockung entsteht. Die ersten Bereiche des Klinik-Neubaus werden voraussichtlich 2017/2018 in Betrieb genommen.

Großbaustelle am Klinikum Mitte

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