Hochschule Bremerhaven bildet Sicherheitsmanager aus

Krisen auf dem Studienplan

Die beiden Studenten Fridtjof Arens (v.l.) und Sebastian Schott von der Hochschule Bremerhaven spielen zusammen mit ihrem Dozenten, Prof. Uwe Arens, eine Szene zur Bewältigung eines Massenunfalls durch. - Foto: dpa

Bremerhaven - Von Janet Binder. Katastrophen stehen bei Fridtjof Arens auf dem Studienplan. Ob ein Terroranschlag, ein Unglück im Hafen oder ein folgenschwerer Arbeitsunfall: Der 27-Jährige lernt zusammen mit seinen Kommilitonen, solche Krisen zu managen und Einsätze zu koordinieren. „Der Trick an der Sache ist, dass man den Überblick behält“, sagt Fridtjof Arens.

Arens studiert „Integrated Safety and Security Management“ (Integriertes Sicherheitsmanagement) an der Hochschule Bremerhaven. Die Idee zu dem Studiengang kam dem damaligen Rektor Josef Stockemer nach den Terroranschlägen des 11. Septembers 2001. „Das Sicherheitsbedürfnis in den Unternehmen wurde immer größer“, sagt der Leiter des Studiengangs, Prof. Uwe Arens.

Das galt auch für den Bremerhavener Überseehafen, der zum potenziellen Ziel von Terroranschlägen wurde. Seit 2009 bietet die Hochschule den Sicherheitsstudiengang als Masterstudium an, rund 20 Studenten sind in einem Jahrgang. Sie werden nicht nur fürs Krisenmanagement fitgemacht. Die Studenten lernen auch, durch Präventionsmaßnahmen und Arbeitsschutz Unglücke zu vermeiden. „Unternehmen sind für diese Thematik inzwischen sensibler geworden“, sagt Prof. Arens.

So erklärt es sich, dass die Absolventen gefragte Berater in Unternehmen sind. „Die Frage ist nicht, ob man einen Traumjob kriegt, sondern wie schnell“, sagt Fridtjof Arens, der nur zufällig denselben Nachnamen hat wie sein Professor. Er weiß, dass alle derzeitigen Drittsemester bereits eine feste Jobzusage haben. „Und die haben noch nicht mal mit ihrer Masterarbeit angefangen.“ Auf bestimmte Branchen sind die Absolventen nicht festgelegt. „Krisen gibt es überall, das zeigt schon das Beispiel Volkswagen“, sagt Student Sebastian Schott.

In praktischen Prüfungen müssen die Studis zeigen, was sie gelernt haben. An diesem Tag ist das von der Feuerwehr vorgegebene fiktive Szenario besonders unübersichtlich: Eine Sturmböe hat ein Stück vom Kirchturm gerissen; Menschen wurden getötet und verletzt. Besucher eines Konzerts in der Kirche kommen nicht mehr raus, weil Trümmer den Weg versperren. Menschen geraten in Panik. Gleich neben der Kirche gerät der Stand eines Straßenfestes in Brand, aus einem Hydranten läuft Wasser aus, Passanten stürzen wegen Glatteises.

Jeder der Studenten übernimmt im Krisenstab eine Aufgabe; Fridtjof Arens muss sich um die Betreuung der Medien kümmern. Den Studenten steht für die Simulation ein echtes Lagezentrum zur Verfügung, das sonst keine andere Hochschule vorweisen kann: Auf den Rechnern ist die Software der Feuerwehr installiert, der Raum hat eine eigene Stromversorgung und eine Amtsleitung. Mit immer neuen Informationen müssen die Studenten umgehen. „Ziel ist es, die Lage in den Griff zu bekommen“, sagt Fridtjof Arens. Im Lagezentrum herrscht eine konzentrierte und angespannte Stimmung. Telefonate werden geführt, Skizzen gemacht und Einsatzorte auf Karten markiert. „Wir müssen überlegen: Was brauchen wir, welche Strategie fahren wir, wo werden die Verletzten hingebracht, wo bekommt man Streusalz?“ sagt der 24-jährige Sebastian Schott. Da sei manchmal auch Kreativität gefragt. „Wichtig ist, dass man nicht ewig diskutiert, sondern schnell entscheidet. Fehler kann man dann immer noch korrigieren“, sagt Fridtjof Arens.

Für den 27-Jährigen sind solche Einsätze nicht neu. Er hat so wie Kommilitone Sebastian bereits seinen Bachelor in Rettungsingenieurwesen und arbeitet ehrenamtlich beim Technischen Hilfswerk (THW). Er weiß deshalb auch, wie wichtig es ist, einen kühlen Kopf zu bewahren – egal wie groß und unübersichtlich der Katastrophenfall ist. Die Prüfung hat er so mit Bravour bestanden. - dpa

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