Die „Zeitschrift der Straße“ erscheint erstmals als Fotoheft

Die Kraft der Bilder

So kann die vielbefahrene Erdbeerbrücke, die seit 1999 offiziell Karl-Carstens-Brücke heißt, auch ausschauen. Die Aufnahme stammt von Jan Zier und ist in der „Zeitschrift der Straße“ zu finden.

Bremen - Sie ist 615 Meter lang, wurde im Juni 1970 eingeweiht und 1971 auf den Namen „Werderbrücke“ getauft. Offiziell heißt sie seit 1999 „Karl-Carstens-Brücke“, aber eigentlich sagt in Bremen und „umzu“ jeder nur „Erdbeerbrücke“. Das Bauwerk steht im Mittelpunkt der aktuellen Ausgabe der „Zeitschrift der Straße“. Damit betreten die Macher Neuland, denn es ist das erste Fotoheft der Straßenzeitung.

Die Idee stammt von Jan Zier, sonst Redakteur bei der „taz“. Er unterstützt die experimentierfreudige Straßenzeitung seit einem Jahr. Warum ein Fotoheft? „Weil es einfach Orte in dieser Stadt gibt, über die man wunderbar vor allem in Fotos erzählen kann“, sagt Zier. Fürs erste Fotoheft hat er sich die Erdbeerbrücke vorgenommen. In seiner Fotostrecke „Lichter der Stadt“ zeigt er das Bauwerk einmal anders, ganz erstaunliche Farbbilder sind dabei herausgekommen. 

Ziers Gedanke dabei: „Sie rasen und sie stauen sich: Die Erdbeerbrücke ist vor allem ein Ort für lärmende Automobile. Das kann aber auch mal ganz schön aussehen.“ Stimmt! Nachts, diesmal in Schwarzweiß, wirkt das Terrain allerdings eher etwas unheimlich.

Ganz auf Text brauchen die Leser auf den 32 Seiten nicht zu verzichten. So erzählt die Ausgabe kurz und knapp Wissenswertes rund um die Brücke. Und es geht um den einzigen Bremer, der Bundespräsident (1979 bis 1984) war: Karl Carstens (1914 bis 1992), vor allem bekannt durch seine Vorliebe zum Wandern. Hier stehen historische Fotos im Mittelpunkt. Nicht ausgelassen werden Aktivitäten des Bremers während der NS-Zeit.

Nach Carstens wurde die Erdbeerbrücke 1999 benannt. Die Taufe mit Ehefrau Veronica Carstens geriet ein wenig zur peinlichen Nummer, denn der Name auf dem Straßenschild war falsch geschrieben. Beerdigt ist Karl Carstens übrigens auf dem Riensberger Friedhof. Durchgesetzt hat sich der Name Carstens für die Brücke, die Habenhausen und Hastedt verbindet, nicht.

Geplaudert hat Zier mit Kaisenhausbewohnerin Hannelore Mönch und Mitarbeitern der Martinshof-Gärtnerei, bebildert ist dies mit Schwarzweiß-Fotos. Mönch hat ihren Kleingarten direkt unter der Erdbeerbrücke, die Gärtnerei befindet sich ebenfalls neben der Brücke.

Die „Zeitschrift der Straße“ ist ein mehrfach ausgezeichnetes Medien-, Sozial- und Lernprojekt. Es wurde 2010 von der Hochschule Bremerhaven, der Hochschule für Künste Bremen sowie dem heutigen Herausgeber, dem Verein für Innere Mission, gegründet. Die Straßenzeitung ist ein Projekt von Studenten, Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, Journalisten, sozial Engagierten, von Wohnungslosigkeit und Armut betroffenen Menschen, Hochschuldozenten und Streetworkern. 

Seit der Gründung der Zeitschrift haben rund 200 Studenten an ihr gelernt. Zu haben ist die „Zeitschrift der Straße“ auf der Straße, wie der Name schon sagt. Die Hälfte des Verkaufserlöses von zwei Euro geht an die Verkäufer, die größtenteils Wohnungslose sind. Jede Ausgabe ist einer Straße oder einem Ort gewidmet. Ist ein weiteres Fotoheft geplant? Ja, sagt Zier. In der Ausgabe Ende des Jahres beschäftigt sich der Redakteur mit der Bürgerweide. - gn

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