Gedenkstunde für Opfer der Reichspogromnacht

„Kein fernes Geschehen in der Vergangenheit“

Ehrengast Johannes Heil gedachte gestern der Bremer Opfer der Reichspogromnacht. Die Rede des Rektors der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg verfolgten unter anderem Bürgerschaftspräsident Christian Weber (SPD, v.l.), der Bremer Landesrabbiner Netanel Teitelbaum und CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp. - Foto: Reineking

Bremen - Von Viviane Reineking. Von einem „Tag der Barberei“ und einem „Schicksalstag für Deutschland wie kein anderer“ sprach der Bremer CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp am Dienstag am Mahnmal für die fünf in der Reichspogromnacht 1938 ermordeten Bremer Juden. In den vergangenen Jahren habe er geglaubt, „unser Rechtsstaat und Europa seien eine Festung gegen Antisemitismus und Faschismus“. Auch mit Blick auf die Wahl Trumps zum US-Präsidenten sagte der CDU-Fraktionschef: „Heute bin ich verunsichert, fast ängstlich“.

Gemeinsam mit seinen Kollegen Kristina Vogt (Linke), Björn Tschöpe (SPD), Maike Schaefer (Grüne) und Lencke Steiner (FDP) legte der Christdemokrat bei einer Gedenkstunde am Mahnmal in der Dechanatstraße vor dem Landherrnamt einen Kranz nieder. Schüler der St.-Johannis-Schule sprachen Fürbitten und legten rote Rosen am Mahnmal nieder. Viele Zuhörer waren gekommen und verfolgten andächtig dem Gebet von Landesrabbiner Netanel Teitelbaum.

Nur eine achtsame und offene Gesellschaft, die bereit sei, ihre Werte zu verteidigen, bewahre vor neuen Verbrechen wie in der Vergangenheit, so Röwekamp: „Wehret den Anfängen.“ Denn auch heute werde wieder Hass gesät, so Röwekamp, der erinnerte: „Die Mörder von Martha und Adolph Goldberg aus Burgdamm waren keine fanatischen Nationalsozialisten, es waren unscheinbare Nachbarn, normale Männer mit normalen Berufen.“

Ehrengast bei der Gedenkstunde war Prof. Johannes Heil, Rektor der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg. Der Experte, Hochschullehrer und Mahner, erinnerte an die Taten in der Pogromnacht vor 78 Jahren. In der Nacht auf den 10. November legten SA-Leute unter anderem Feuer in der Synagoge im Schnoor. Bewohner des jüdischen Altersheimes seien in die Kälte getrieben und misshandelt worden. Am Folgetag durch SA-Angehörige abgebrannt sei auch die Synagoge in Aumund. „Nur wenige haben eingegriffen oder das Wort ergriffen“, erinnerte Heil an die furchtbaren Verbrechen. Neben den Goldblums wurden auch die Juden Heinrich Rosenblum, Leopold Sinasohn und Selma Zwienicki ermordet.

Am Jahrestag der Pogromnacht mahnte Heil, es sei „kein fernes Geschehen in der Vergangenheit“. Der Historiker prangerte den aktuellen nationalen Protektionismus in Europa an und forderte „Verständnis, Schutz und Aufnahmebereitschaft“ gegenüber denjenigen ein, die heute in Europa Zuflucht suchten – „ein Auftrag, den ein Tag des Gedenkens uns mitgibt“.

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