Soziologin und Altbürgermeister legen Buch vor

Keil, Scherf und „Das letzte Tabu“

Annelie Keil und Henning Scherf sprechen mit Alexander Künzel (l.), dem Vorstandschef der Bremer Heimstiftung, über ihr gemeinsames Buch. - Foto: Rospek/Heimstiftung

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Die Bremer Soziologin und Gesundheitswissenschaftlerin Annelie Keil und Bürgermeister a. D. Henning Scherf (SPD, „Grau ist bunt“) haben ihr erstes gemeinsames Buch geschrieben. Darin plädieren sie für einen veränderten gesellschaftlichen Umgang mit Tod und Trauer. Sie wollen zeigen, was dem Menschen die Angst davor nehmen kann – und beschreiben, welche Rolle Altenhilfeträger wie beispielsweise die Bremer Heimstiftung dabei spielen.

Der Band mit dem Titel „Das letzte Tabu. Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen“ erscheint im Herder-Verlag, hat 256 Seiten und kostet 19,99 Euro. Der Verlag bewirbt das Buch mit Stichworten wie „berührend“ und „Mut machend“. Eine öffentliche Buchpremiere mit Keil, Jahrgang 1939, und Scherf, Jahrgang 1938, beginnt am Montag, 19. September, um 19 Uhr in der Zentralbibliothek (Am Wall 201, früheres Polizeihaus).

„Der Tod und das Sterben sind Themen, die in unserer Gesellschaft immer noch gerne verdrängt werden. Nicht selten sterben Menschen angeschlossen an Schläuche und Apparate nach langer schwerer Krankheit isoliert und abgeschottet im Krankenhaus. Dank der Angebote und Möglichkeiten, die es gibt – etwa in Hospizen und im palliativen Bereich – muss das nicht sein. Dies wollen wir in und mit diesem Buch deutlich machen“, sagt Henning Scherf.

„Wenn eine Wissenschaftlerin und ein Politiker sich zusammentun, um ein sperriges Thema wie den Tod zu betrachten, so tun sie dies aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Hinzukommt, dass Henning ein Mann ist, ich eine Frau, er mit Familie und ich ohne aufwuchs, ihn Krankheiten weitestgehend verschonten, mich aber suchten. Diese spannenden Gegensätze sind in das Buch mit eingeflossen“, so Annelie Keil.

Die beiden Autoren führen in ihrem Buch nicht nur aus, wie man das für sich passende Sterben „macht“ – also es organisieren und sich darauf vorbereiten kann. Sie beschreiben auch, wie sie selbst mit dem Tod oder der Trauer um einen nahestehenden Menschen umgehen. So wollen beide dem Leser dabei helfen, die eigene Angst vor dem Umgang mit dem Sterben zu überwinden, heißt es. „Wir sollten uns nicht irritieren lassen“, schreibt Annelie Keil beispielsweise. „Man muss dem Leben auch noch in seinem Sterben begegnen, um neugierig zu entdecken, zu erleben, zu erfahren und zu erkennen, welche Reichtümer es bis zuletzt bietet.“

Diese und etliche weitere Eindrücke und Erfahrungen haben Keil und Scherf unter anderem im Austausch mit Bremer Akteuren und Institutionen aus der Hospizbewegung, dem Palliativbereich und der Altenhilfe gesammelt.

Alexander Künzel etwa, Vorstandsvorsitzender der Bremer Heimstiftung, war einer der Gesprächspartner des Autorenpaars. Scherf zum Beispiel kennt Künzel schon seit vielen Jahren – Künzel war einst sein Sprecher und persönlicher Referent (zu Sozialsenatorenzeiten). Seit 1987 ist Künzel bei der Bremer Heimstiftung.

Er weiß also aus seiner beruflichen Praxis, wie ein menschlicher, lebensnaher Umgang mit Sterben und Abschied gelingen kann, auch und gerade in der Altenhilfebranche. So gilt in seiner Stiftung eine von Mitarbeitern erarbeitete Handreichung. „Sie legt unter anderem fest, dass niemand unsere Häuser auf der Bahre still und heimlich durch die Hintertür verlässt. Vielmehr geht es immer durch die Eingangshalle, auch an Bewohnern und Kita-Kindern vorbei“, so Künzel, der zudem betont: „Der Tod gehört bei uns zum Leben – zahlreiche Rituale helfen uns, ihm den Schrecken zu nehmen. Angehörige können sich beispielsweise die Zeit zum Trauern nehmen, die sie brauchen und werden dabei, wenn sie wünschen, auch von unseren Mitarbeitern begleitet.“

Vinke schreibt über Hosenfeld

Wilm Hosenfeld rettete im besetzten Warschau nicht nur den polnischen Pianisten Wladyslaw Szpilman, dessen (Über-) Lebensgeschichte Roman Polanski unter dem Titel „Der Pianist“ verfilmte, sondern weitaus mehr Menschen. „Ich versuche jeden zu retten, der zu retten ist“, schrieb Hosenfeld 1944 an seine Frau. 64 Jahre später wurde er dafür mit dem polnischen Orden „Polonia Restituta“ geehrt. Die Gedenksätte Yad Vashem ernannte ihn posthum zum „Gerechten der Völker“. Jetzt hat der Bremer Sachbuchautor Hermann Vinke (früher bei Radio Bremen) ein Buch über den deutschen Offizier geschrieben. Am Mittwoch, 14. September, stellt er es in der Zentralbibliothek vor. Beginn ist um 19 Uhr.

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