Vor 70 Jahren brachte ein Frachter die ersten „Care“-Pakete nach Bremerhaven

Kalorien für das Überleben

Vor 70 Jahren kamen an der Bremerhavener Pier die ersten 35 .700 „Care“-Pakete für das hungernde Nachkriegsdeutschland an. Der Hafen wurde zur Drehscheibe dieser Hilfsaktion. - Foto: Care

Bremerhaven - Vor fast genau 70 Jahren legte an der Pier von Bremerhaven ein besonderer Frachter an: Am 15. Juli 1946 brachte die „American Ranger“ die ersten 35. 700 „Care“-Pakete in das hungernde Nachkriegsdeutschland. Ab diesem Tag kamen 15 Frachter pro Monat in die Seestadt: Der Hafen wurde zur Drehscheibe einer der größten privaten Hilfsaktionen. Zehn Millionen Pakete erreichten in den Folgejahren Deutschland, 100 Millionen ganz Europa. Zum 70. Jahrestag gibt es jetzt eine Sonderausstellung im Klimahaus Bremerhaven.

Rindfleisch, Corned Beef, Speck, Margarine, Zucker, Milchpulver und Kaffee: Begehrt wie ein Schatz ist der Inhalt der legendären „Care“-Pakete in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. 15 Dollar kostet jede Hilfslieferung, die eine Familie für einen Monat mit dem Notwendigsten versorgt. Hinter der Aktion steht die „Cooperative for American Remittances to Europe“, kurz „Care“, der 22 Organisationen in den USA angehören. Heute setzt sich die inzwischen global agierende nichtstaatliche Organisation nach eigenen Angaben in mehr als 90 Ländern für die Überwindung von Not, Armut und Ausgrenzung ein und hat im vergangenen Jahr mehr als 65 Millionen Menschen unterstützt.

Den 70. Jahrestag der ersten Lebensmittellieferungen feiert „Care“ gemeinsam mit der Deutschen Klima-Stiftung mit einer „Danke“-Aktion morgen, Freitag, im Klimahaus Bremerhaven sowie einer Sonderausstellung zum Thema. Die Besucher erwartet nach Angaben der Stiftung eine Geschichte von den Anfängen der ersten Pakete bis zur heutigen, modernen und weltweiten Hilfe: ein originaler, historischer „Care“-Paket-Truck, Hilfsgüter zum Anfassen, Zeitzeugen zum Austausch, Hörstationen von Klimaflüchtlingen sowie Helfer und engagierte Menschen, die von ihren Einsätzen berichten. Zu sehen ist die Ausstellung von morgen, Freitag, bis Sonntag, 31. Juli.

Wenige Tage nach dem Anlegen der „American Ranger“, am 24. Juli 1946, begannen die ersten Verteilungen in Bremerhaven. „Das Auspacken war wie Weihnachten“, erinnert sich Zeitzeuge Karl-Heinz Golla aus Bremerhaven. Die Stadt wurde fortan zur Verteilstation von „Care“-Paketen für alle westlichen Zonen Deutschlands, einschließlich Berlins. Anfangs war das Verteilen schwierig, weil die Reichsbahn nicht mehr existierte, die Post stark behindert war und den Spediteuren Fahrzeuge und Lagerräume fehlten.

Zuerst war es die US-Armee, die die Bevölkerung mit 2,8 Millionen Essensrationen aus ihrem Fundus unterstützte. Am März 1947 stellte „Care“ die Pakete selbst zusammen. Der Inhalt mit seinen rund 40 000 Kalorien wurde speziell auf Familien zugeschnitten. Die Pakete wurden fleisch- und kalorienhaltiger und angepasst auf die individuellen Ess- und Kochgewohnheiten in den verschiedenen Empfängerländern. Denn auch Griechenland, Österreich, Großbritannien, Frankreich und viele andere Staaten im zerstörten Europa erhielten diese Hilfen.

„Uns ist es wichtig, an diesen für Deutschland und Bremerhaven wichtigen Tag zu erinnern“, sagt Arne Dunker, Vorsitzender der in Bremerhaven ansässigen Deutschen Klima-Stiftung, die 2009 aus der Klimahaus Betriebsgesellschaft heraus gegründet wurde. Ziel der Einrichtung ist es, mit Veranstaltungen und Projekten im In- und Ausland Handlungsmöglichkeiten für eine nachhaltige Entwicklung und den Klimaschutz zu veranschaulichen, heißt es. Mit dem Aktionstag und der Ausstellung wolle man eine Brücke schlagen, so Klimahaus-Geschäftsführer Dunker: „Von gestern zur heute benötigten Hilfe in vielen Erdteilen.“ 

epd/vr

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