16. „Lange Nacht der Bremer Museen“ verzeichnet starken Besucherrückgang

Kaffeesatz und „Pömpelphon“

Hatte vielleicht zu diesem Zeitpunkt bereits eine böse Vorahnung, dass die Besucherzahlen dieses Jahr einbrechen: Enise Tasdemir (r.) beim Kaffeesatzlesen im Hafenmuseum. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Nachts durch Abwasserrohre krabbeln und Musik auf einem „Pömpelphon“? Gibt’s nicht? Doch, sehr wohl – und zwar bei der 16. Auflage der „Langen Nacht der Bremer Museen“. 18 Ausstellungshäuser lockten am Wochenende unter dem Motto „Bewegt“ mehr als 13.500 Besucher in alle Winkel der Stadt. Es wurde bunt, skurril, eng und manchmal sogar sportlich.

Die Sonne scheint auf riesige schwarze Stahlkolosse im „Alten Pumpwerk“ in Findorff. Armaturen und Ventile schimmern im Licht, massive Stahlketten hängen von der Decke. Die Pumpenaggregate dienten noch zu Zeiten, in denen menschliche Hinterlassenschaften einfach in die Weser verfrachtet wurden, dazu, dass wenigstens ein Mindestmaß an Hygiene in der Stadt herrschte. Heute sind es Anschauungsstücke, die eindrucksvoll verdeutlichen, welche Kraft hinter solchen Maschinen steckt. 2.300 Kilometer unterirdisches Kanalnetz schlängelt sich heute durch Bremen, steht auf einer interaktiven Präsentation, im Hintergrund ertönen merkwürdige Klänge.

Die Musiker Susanne Sasse und Martin Kratzsch haben sich auf die Bühne begeben und spielen passend zur Aufgabe eines solchen Pumpwerks mit den entsprechenden „Instrumenten“. Eimer und Klobürsten werden zum Schlagzeug, PVC-Rohre kommen zum Einsatz. Später gesellt sich auch „Pömpelphon“ dazu.

Geht es oben musikalisch zu, wird es im Untergeschoss historisch. Alte Arbeitsutensilien zeigen den harten Alltag eines solchen Arbeiters. Ein sogenannter Schautunnel verdeutlicht, wie eng, stickig und dunkel ein Arbeitsplatz doch sein kann. Glücklicherweise sind die Ratten, die aus den Seitenarmen schauen, nur ausgestopft. Manch einem verschlägt es schon so die Sprache.

Schön in Szene gesetzt – der Schautunnel im „Alten Pumpwerk“ strahlt schon fast Romantik aus. - Foto: Koller

Während das „Alte Pumpwerk“ vom harten Alltag erzählt, präsentiert sich die Kunsthalle mit allerlei modernen Ausstellungsstücken. Lichtinstallationen prangen an den Wänden, Videosequenzen laufen über Bildschirme und Skulpturen warten auf die Besucher. Direkt im Eingangsbereich haben sich indes die Kleinen ordentlich ausgetobt. Im Kreativkurs von Dina Koper und Maja Pohlan basteln die Kinder Tiere aus Draht. Nicht alles ist auf den ersten Blick zu erkennen, was wohl unter künstlerische Freiheit fällt. Auf Nachfrage sagt die siebenjährige Melanie: „Das sieht man doch! Das ist ein Pferd!“ Und da es unter den Kindern auch Perfektionisten gibt, sind einige Eltern wohl ganz froh, dass draußen vor der Tür Kulinarisches und Jazz aufgetischt wird. Dass Kunst auch sportlich sein kann, zeigt das Hafenmuseum in der Überseestadt.

Hier wird nicht nur geguckt, hier wird auch ordentlich geschwitzt. Fünf Stationen warten auf die Besucher. Unter anderem Seilspringen. Der Clou: das Seil wird vorher selbst hergestellt. Samuel aus Spanien hat so seine liebe Mühe, was aber er eher an der Nervosität liegt, schauen ihm doch gleich zwei hübsche Frauen über die Schulter.

Für die einen Bewegung, für die anderen ein Blick in die Zukunft: Enise Tasdemir wagt beim Kaffeesatzlesen einen Blick auf kommende Zeiten. Vielleicht hatte sie da schon eine Vorahnung, was die Besucherzahlen angeht.

Langen Nacht der Bremer Museen

Bei schwülwarmen Temperaturen schlendern bis 1 Uhr in der Nacht Familien und kleinere Gruppen mit Laufzetteln durch die Stadt. Insgesamt werden es zum Schluss etwas mehr als 13 500 Besucher sein, so die Organisatoren. Im vergangenen Jahr fanden mit etwa 19 500 fast 6.000 Interessierte mehr den Weg in die Ausstellungshäuser.

Janine und Beatrix aus Bremen, die gerade die Kunsthalle verlassen haben, sagen (kurze Zeit, bevor für sie heute das Bett ruft): „Alles in allem eine sehr gelungene Sache. Die Mischung war toll. Wir kommen wieder.“

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