Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm spricht beim 29. Unternehmerforum über Wirtschaft und Ethik

„Jeder hat eine persönliche Verantwortung“

Zusammenkunft vor dem 29. Bremer Unternehmerforum am Mittwoch im Dorint Park Hotel: Bürgermeister Carsten Sieling (v. l.), Heinrich Bedford-Strohm, Lutz Oelsner und Cornelius Neumann-Redlin. - Foto: Reineking

Bremen - Von Viviane Reineking. Unternehmerisches Handeln und gesellschaftliche Verantwortung schließen sich nicht aus. Das sagte am Mittwochabend Landesbischof Heinrich Bedford-Strom, seit 2014 Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), beim 29. Bremer Unternehmerforum im Dorint Park Hotel. Es gebe immer auch Spielräume, Unternehmenspolitik entsprechend zu gestalten.

„Unternehmerisches Handeln aus evangelischer Perspektive“ war denn auch das Leitthema bei der traditionellen Veranstaltung der Unternehmensverbände im Land Bremen. Doch bevor Bedford-Strohm, seit 2011 Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, auf die evangelischen Maßstäbe und „Geländer“ ethischer Verantwortung in der Arbeitswelt einging, sagte Lutz Oelsner, in der Debatte zwischen Wirtschaft und Ethik werde häufig ein Gegensatz konstruiert. Der neue Präsident der Bremer Unternehmensverbände aber stellte klar: „Die Wirtschaft übernimmt Verantwortung.“ Gesellschaftliches und soziales Engagement sei bei vielen Bremer Firmen in der Unternehmenskultur fest verankert, „die Tradition des Gebens weit verbreitet“. Und: „Gewinn zu machen, ist nicht unmoralisch“, ermögliche gar Forschung und Innovationen sowie die Gewinnung von Arbeitsplätzen.

Als „Quelle des Selbstbewusstseins“ bezeichnete Bürgermeister Carsten Sieling (SPD) das Wirtschaftswachstum in Bremen: „Lassen Sie uns zu den Erfolgen stehen.“ In Hinblick auf die Herausforderungen der Integration von Flüchtlingen setzte sich Sieling für betriebsnahe Modelle ein, bei denen die Menschen gleich zu Beginn im Unternehmen eingesetzt werden.

Orientierungen für unternehmerisches Handeln und die Frage der Ungleichheit rückte Heinrich Bedford-Strohm in seinem Vortrag in den Mittelpunkt. Den britischen Wissenschaftlern Kate Pickett und Richard Wilkinson zufolge beeinflusse das Maß an Ungleichheit die Lebenszufriedenheit der Menschen insgesamt. Besorgniserregend sei, dass in keinem Land die Ungleichheit so stark gewachsen sei wie in Deutschland. Der Theologe stellte den Unternehmern Rawls’ Gedankenexperiment mit dem „Schleier des Nichtwissens“ vor und unterstrich, dass biblische Sätze – etwa die Gebote „Du sollst nicht stehlen“ und „Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten“ („Stichwort: Vertragstreue“, so der Theologe) – in eine hoch wettbewerbsorientierte Wirtschaft übernommen werden könnten. Bedford-Strohm weiter: „Wer fromm ist, der kann nicht anders, als sich um die Schwachen zu kümmern.“ Er appellierte, Beschäftigte dürften nie allein Mittel zum Zweck sein, „sie sind alle Menschen“. Jeder, auch jeder Unternehmer, habe eine persönliche Verantwortung und Möglichkeiten, diese wahrzunehmen. „Es muss Visionäre geben, die das ausstrahlen.“

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