Schauspielführung zur Amerika-Ausstellung zeigt Anekdoten zur Geschichte des Kontinents

Jede Menge Tequila auf der Totenparty

Bruno Vöge in der Rolle des August Birnbaum erzählt von einer feucht-fröhlichen Totengedenkfeier der Azteken. - Foto: mko

Bremen - Von Martin Kowalewski. Ankunft nach anstrengender Überfahrt im Amerika um 1850. Erst mal gucken, wie es jetzt weitergeht. Ein glücklicher Zufall. August Birnbaum kommt daher. „Sprechen Sie Deutsch? Ja? Auch aus Bremen? Komm ich auch her“, sagt er. Der fröhlich gelaunte Mann gibt erst mal eine ordentliche Runde Whiskey aus und schwärmt vom Land der tausend Möglichkeiten. Das brennt in der Kehle und macht locker. Ein schöner Einstieg in die „Führung mit Schauspiel“ durch die Amerika-Ausstellung im Übersee-Museum in Kooperation mit dem „Bremer Geschichtenhaus“ .

Der freundliche Herr weiß, was vor Ort Sache ist. „Ihr wollt nach Westen? Land abstechen? 5 000 Dollar solltet Ihr schon haben“, sagt Birnbaum. Er erzählt von Planwagen, die sich auf den Weg machen. Seine Tour nach Westen ist schon 20 Jahre her. Darum weiß der Ex-Bremer auch, worauf man auf keinen Fall verzichten kann: ein kleiner Ofen, eine Bratpfanne und schöne feste Schuhe, am besten aus Bison-Leder. Die gibt es für drei bis vier Dollar. Bierbaum geht nochmal weg, zum Stiefelmacher.

Die Führung geht erstmal weiter. Die Zuhörer erfahren, dass Pferde ursprünglich über eine Kontinentalverbindung im Bereich der heutigen Beringstraße auf den eurasischen Kontinent gekommen sind. Dabei geht es natürlich nicht nur um Nord-, sondern auch um Südamerika. Immer tritt Birnbaum mit bunten Geschichten auf, erzählt, wie er vor einem Grizzlybären auf einen Baum flüchtete und dort von einem Baumstachelschwein angegriffen wurde und wie er einen Sklaven bei der Flucht half. So landen die Zuschauer bei kunterbunten Totenschädeln aus dem Reich der Azteken. Daneben Karikaturen, etwa „Catrina“: ein Skelett mit einer bunten Schlange um den Hals..

Auch hier kommt der Amerika-Bummler aus Bremen wieder. Er ist fröhlich, hat aber einen Kater. „Die Welt dreht sich und mein Kopf dreht sich heute auch“, erzählt er mit einem Rest munterer Feierlaune. Am Abend vorher folgte er einer Spur Blumen. Die führte zum Friedhof. Dort traf er eine Familie, die vor einem Jahr eine Tochter verloren hat. „Durch die Blumen soll die Tochter den Weg zurück zum Haus finden“, erzählt der Amerika-Bummler. „Doch die legen die Spur auch, um selber zurückzufinden.“ Die Familie ging auf Nummer sicher, denn für die tote Tochter wurde ordentlich gefeiert und Birnbaum kurzerhand eingeladen. „Ein Tequila jagte den anderen. Und die hübsche Tochter Rosalita brachte immer wieder Essen“, schwelgt dieser. Als Abschiedsgeschenk hat er von der hübschen Rosalita etwas ganz Besonderes bekommen: einen kleinen Totenkopf mit seinem Vornamen als Gravur. „Das verschenken die hier, um ihre Bekannten im Jenseits wiederzutreffen“, sagt der Beschenkte.

August Birnbaum ist eine Doppelrolle. Erst kommt er als Neu-Amerikaner daher, der um 1850 schon seit 20 Jahren in der neuen Welt lebt. Dann als ein Ur-Ur-Enkel, der Mitte der 1970er den Spuren seines Vorfahren folgt. Die Rolle ist vierfach besetzt. Die fiktiven Geschichten entwickelte das Team aus dem „Bremer Geschichtenhaus“ anhand umfangreicher Recherchen.

Es ist die dritte Kooperation mit dem Übersee-Museum. Normalerweise zeigt das Geschichtenhaus des Beschäftigungsträgers Bras Anekdoten zur Bremer Geschichte im Schnoor.

Termine der Führungen: 30. November, 7. und 14. Dezember, danach alle zwei Wochen jeweils um 18 Uhr im Übersee-Museum. Sondertermine nach Absprache. Tickets: 14 Euro (inklusive einem Getränk).

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