Jahrelang „Doktor Schiwago“

„Verschwunden“: Das „Regina“ in Walle war für seine Großbildleinwand berühmt

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Wo früher das „Regina“ mit seiner weithin gerühmten Großbildleinwand zu finden war, da werden auch heute noch Lebensmittel und andere Supermarktartikel verkauft. 

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Heute spielen hier Joghurt, Limo und Tiefkühlpizza die Hauptrollen. Romantik, Spannung, Drama? Das war mal, als hier noch Stars wie Vivien Leigh und Clark Gable ganz groß rauskamen. Doch längst ist die Kinoleinwand der Angebotstafel gewichen. Seit Jahrzehnten schon ist an der Landwehrstraße (Höhe Haferkamp) in Walle ein Supermarkt zu finden. Einst aber war hier ein Kino, das „Regina“. Heute ist es Thema unserer Serie „Verschwunden“.

Vorhang auf! Das Haus, von dem Kinoliebhaber in der Region noch heute schwärmen, war ein Kind der Jahre des sogenannten Wirtschaftswunders. Nach Plänen der Architekten Wilhelm Wortmann und Erik Schott errichtet, war das Kino im Sommer 1957 mit dem Film „Vier Mädels aus der Wachau“ eröffnet worden. Rund um das Haus mit seinen mehr als 700 Hochpolster-Sitzplätzen war der neue Bremer Westen noch im Entstehen. In Walle gab es zudem die „Decla-Lichtspiele“ und die „Kurbel“, beide an der Waller Heerstraße.

Das „Regina“ war anfangs ein „Nachspielkino“. Neue Filme liefen erstmal in den Innenstadt-Kinos wie „Europa“, „City“ und „Stern“. Neue Konkurrenz wuchs durch das Fernsehen. Das aus den USA bekannte „Kinosterben“ – es begann nun auch in Deutschland. 1960 etwa schloss die „Kurbel“ (550 Plätze).

Sechs mal Fünfzehn Meter große Riesenleinwand

Im „Regina“ reagierte man mit Umbaumaßnahmen. Die Betreiber wollten dem Fernsehen etwas entgegensetzen. Eine sechs Meter mal Fünfzehn Meter große Riesenleinwand kam ins Haus – und die „Cinemiracle“-Projektionstechnik.

Die Filme dafür wurden mit drei Kameras aufgenommen und mit drei Projektoren gezeigt. Das wirkte spektakulär, war aber auch personalintensiv und störungsanfällig. Ab 1961 kamen Filme nach dem „Cinerama“-System auf die Waller Großbildleinwand. Der Monumentalschinken wirkte darauf natürlich besonders eindrucksvoll.

Weitere Umbauten und technische Systeme für Kino-Großwerke folgten. Nach einem Besitzerwechsel bekam das „Regina“ 1963 eine neue Leinwand aus etwa 1 800 Kunststoffstreifen, die man aus den USA importiert hatte. Die gerundete Leinwand war acht Meter hoch und 20 Meter breit, so große Fernseher wären damals noch gar nicht denkbar gewesen. Für die neue Leinwand verringerte man sogar die Platzzahl – nun passten noch 566 Kino-Liebhaber ins „Regina“.

151 Wochen „Doktor Schiwago“ auf dem Spielplan

Unterdessen ging das „Kinosterben“ (auch) in Bremen weiter. So schlossen beispielsweise 1964 das „Gloria“ in der Vahr und die „Camera“ an der Horner Heerstraße – und 1965 der „Admiral-Palast“ an der Hemmstraße in Findorff. Andere Häuser setzten auf Sexfilme. Das „Regina“ setzte weiter auf Größe.

Mehr als 52 Wochen am Stück lief 1967/68 „Doktor Schiwago“. Am Ende stand er 151 Wochen auf dem „Regina“-Spielplan. Kein anderer Film wurde so oft und so lange im „Regina“ gezeigt wie die Verfilmung des Romans von Boris Pasternak mit Omar Sharif, Julie Christie und Geraldine Chaplin. Und der Kino-Klassiker „Vom Winde verweht“ war noch bis in die 80er Jahre hinein wieder und wieder in dem Waller Filmtheater zu sehen.

Schließung am 22. April 1983

Während in den 70ern viele noch bestehende große Säle zunehmend in „Schachtel-Kinos“ aufgeteilt wurden, blieb das „Regina“ unzerteilt. Erstes Bremer Kinocenter war das „Ufa-Kino“ in der Sögestraße. Neue Filme liefen in der Regel erst in den Kinocentern. Es nützte damals nichts, dass Cineasten von der gewaltigen Wirkung der Großbildleinwand schwärmten.

Am Ende konnten auch „Doktor Schiwago“, „Ben Hur“ und „Vom Winde verweht“ das „Regina“ nicht retten. Es schloss am 22. April 1983 nach der letzten Vorstellung des Films „Kommando“. Im September 1983 öffnete ein Supermarkt. Seither stehen hier Joghurt, Limo und Tiefkühlpizza im Fokus.

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