„Verschwunden“: Das Ronning-Haus in der Sögestraße erinnert an ein innovatives Bremer Unternehmen

Die Idee mit dem abgepackten Kaffee

Das Ronning-Haus an der Sögestraße. Das Gebäude des Bremer Architekten Heinz Logemann löste in der Nachkriegszeit einen Skandal aus, der als „Giebelstreit“ in die Geschichte eingegangen ist. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Zwischen all der zeitgenössischen Werbung fällt er kaum noch auf, der eigentliche Name des Hauses Sögestraße 54. Dabei steht er in güldenen Lettern an der Fassade und verweist auf ein Kapitel bremischer Kaffeehandelsgeschichte. Sögestraße 54, das ist das Ronning-Haus. Doch das anno 1894 gegründete Unternehmen, das hier einst seinen Sitz hatte, gibt es nicht mehr – und so ist es heute Thema unserer Serie „Verschwunden“.

1966, vor 50 Jahren also, hatte Melitta (Sitz: Minden) Ronning übernommen. So kam Melitta nach Bremen – und ist noch immer an der Dortmunder Straße in der Neustadt, einer weiteren früheren Ronning-Adresse, zu finden. „Mit Übernahme der Carl Ronning Kaffeerösterei in Bremen wächst Melitta 1966 zum Großröster und ist heute das Unternehmen mit der größten Röstproduktion in der Kaffeestadt Bremen“, heißt es heute nicht ohne Stolz auf der Homepage des Unternehmens.

Doch zurück in die Geschichte, zurück zu Ronning – zu dem Kaufmann und Kaffeeröster Carl Ronning (1863 bis 1949), der in Bielefeld geboren wurde und in Celle eine Lehre im Kaffeehandel machte, bevor er nach Hannover ging. Dort arbeitete er in der Kolonialwaren-Großhandlung Grothe. Und dort dürfte er auch den Bremer Ludwig Roselius (1874 bis 1943) kennengelernt haben, der einige Jahre später den entkoffeinierten Kaffee erfinden und zu einem Pionier der Werbung und der Markenentwicklung in Deutschland werden sollte.

1892 ging Ronning nach Bremen. Er arbeitete bei Roselius‘ Vater. 1894 machte er sich selbstständig – in der Sögestraße. Ronnings Innovation war es, abgepackten Kaffee zu verkaufen. Nach dem Tod von Carl Ronning (nach dem eine Straße benannt ist, die zur Rückseite des Hauses liegt und parallel zur Sögestraße verläuft) übernahm dessen Sohn Otto das Unternehmen. 

Und Otto Ronning war dann auch der Bauherr, als in den Jahren 1949/50 auf dem Grundstück des kriegszerstörten Firmengebäudes an der Sögestraße neu gebaut wurde – jenes Haus, an dessen Fassade noch heute der Name Ronning zu lesen ist.

Das Bauwerk des Bremer Architekten Heinz Logemann, von dem auch das „Allianz-Haus“ (1950/51) an der Ecke von Wall und Sögestraße stammt, löste einen Architekturskandal aus, den sogenannten Bremer „Giebelstreit“. Eine Tafel an der Fassade erinnert daran. An dem schmalen, feingliedrigen Gebäude entzündete sich nämlich ein großer Streit darüber, wie der Neuaufbau der Innenstadt nach dem Krieg ausfallen sollte. 

Für die weitgehend zerstörte Sögestraße galt dabei ein Rahmenplan. Danach sollte, so heißt es beim Landeskonservator, „auf Giebelhäuser zugunsten von traufständigen Häusern mit ruhigen Dachflächen vollständig verzichtet werden“.

Keine Giebel? Heimlich – durch die Bauplane vor Blicken geschützt – wurden mit dem Ronning-Bau Fakten geschaffen. Mit Giebel. Hinzu kamen traditionell in Bremen verbreitete Materialien wie Sand- und Backstein – ein Bau nach guter alter hanseatischer Sitte. Die folgenden rechtlichen Auseinandersetzungen gewann Ronning. Seit 1994 steht der Bau unter Denkmalschutz.

Mehr zum Thema:

500 Zivilisten in Aleppo getötet

500 Zivilisten in Aleppo getötet

Grundschule Horstedt feiert Geburtstag

Grundschule Horstedt feiert Geburtstag

Nikolaus im Kindergarten Stuckenborstel

Nikolaus im Kindergarten Stuckenborstel

Werder-Training am Donnerstag

Werder-Training am Donnerstag

Meistgelesene Artikel

Prozess-Auftakt: Fußgänger stirbt nach Unfall

Prozess-Auftakt: Fußgänger stirbt nach Unfall

15 Einbrüche auf dem Bremer Weihnachtsmarkt

15 Einbrüche auf dem Bremer Weihnachtsmarkt

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Maskierter Mann mit Schusswaffe überfällt Supermarkt 

Maskierter Mann mit Schusswaffe überfällt Supermarkt 

Kommentare