Angeklagter nennt tödliche Stiche auf Ex-Frau „ein Versehen“ 

„Ich hasse meinen Vater“

Für Yüksel S. (links) soll es „ein Versehen“ gewesen sein, dass er im März in Bremerhaven auf seine Ex-Frau eingestochen hat. Rechts sein Anwalt Alexander Ukat. - Foto: dpa

Bremen - Von Steffen Koller. „Es war der Tag, an dem auch ich gestorben bin“: Im Prozess wegen Totschlags gegen Yüksel S. (44), machte am Dienstag vor dem Landgericht die gemeinsame Tochter ihre Aussage. Sie habe ihre schwerverletzte Mutter kurz nach der Tat in den Armen gehalten. Für den Angeklagten, der sich ebenfalls äußerte, sind die tödlichen Stiche gegen seine Ex-Frau „ein Versehen“ gewesen.

Es ist eine Szene, die verdeutlicht, wie viel Wut und Abscheu eine Tochter wohl für ihren eigenen Vater empfinden kann. Als der Prozess gegen Yüksel S. am Dienstag unterbrochen wird und der 44-jährige Angeklagte aus dem Saal geführt wird, schirmen mehrere Familienmitglieder die 18-jährige Tochter ab. Sie halten Jacken vor ihre Körper, umringen sie von allen Seiten. Kein Blick soll der Mann erhaschen, dem die Anklagevertretung vorwirft, am 13. März seine damals 42-jährige Ex-Frau in Bremenhaven erstochen zu haben.

Dass er zweimal mit einem Küchenmesser in der gemeinsamen Wohnung auf die Frau einstach, leugnet S. nicht. Doch er sagt vor Gericht, dass es ein Versehen gewesen sei. „Auf einmal machte ich so eine Bewegung. Ich weiß nicht warum. Ich war geschockt“, heißt es in einer Erklärung seines Anwalts Alexander Ukat, die der Verteidiger verliest und die eine Dolmetscherin für den Angeklagten übersetzt. Demnach habe der 44-Jährige den Abend vor der Tat lange und ausgiebig gefeiert, habe mehrere Gramm Kokain zu sich genommen und Alkohol getrunken. Als er am Morgen gegen 5 Uhr die Wohnung betrat, habe er Selbstmordgedanken gehabt. „Ich war unglücklich und wollte nicht mehr leben.“ Dann, so schildert es S., sei seine Ex-Frau ins Wohnzimmer gekommen und habe ihn trösten wollen. Ein Versuch, den sie mit dem Leben bezahlte. Zwei Stiche trafen die Frau in die Brust, drei Wochen später starb sie im Krankenhaus.

Tochter fand Mutter 

Für die gemeinsame Tochter besteht kein Zweifel, dass es ihr eigener Vater es war, der die 42-Jährige tötete. Die Schülerin habe kurz nach der Attacke ihre Mutter blutend aufgefunden. Der Angeklagte habe dabei nur einen Meter entfernt gestanden und ein Messer in der Hand gehalten. „Er schaute mich mit ganz großen Augen an und rannte dann weg“, schildert die Schülerin unter Tränen. Vor ihr auf dem Zeugentisch: ein Porträtfoto der getöteten Mutter, das sie für ein paar Sekunden demonstrativ in Richtung ihres Vater dreht.

Früher, als sie noch ein Kind war, sei die heute 18-Jährige ein „Papakind“ gewesen. „Ich liebte ihn“, sagt sie. Und heute? „Ich hasse meinen Vater!“, ruft sie in den Saal 249 hinein. „Er hat mir meine Mama genommen. Ich verstehe einfach nicht, warum er das getan hat.“

Eine Vermutung habe sie, berichtet sie vor Gericht. Womöglich sollen Yüksel S. und seine Ex-Frau Wochen vor der Tat wiederholt über eine Vollmacht gestritten haben. Der genaue Inhalt sei aber auch ihr unklar. Außerdem, so die Tochter, sei es um die Scheidung gegangen, die Yüksel S. auch in der Türkei wirksam machen wollte. Dort hatte das Paar 1997 geheiratet, bevor es kurze Zeit später nach Deutschland auswanderte.

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