Eulenbruch sieht sich zu Unrecht unter Tatverdacht

„Ich habe kein Motiv“

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Die Fassade von „Harms am Wall“ heute. Ein Teil der Dachziegel und Fensterrahmen ist nach dem Großbrand im Mai inzwischen Stück für Stück per Hand abgetragen worden.

Bremen - Von Elisabeth Gnuschke. Die Vorwürfe wiegen schwer: besonders schwere Brandstiftung, versuchter Betrug und Vortäuschung einer Straftat. All das wirft die Staatsanwaltschaft Bremen dem Inhaber von „Harms am Wall“, Hans Eulenbruch, vor. Für die Staatsanwaltschaft ist der 62-Jährige tatverdächtig, er soll den Großbrand im Modehaus selbst gelegt haben. Eulenbruch weist die Vorwürfe zurück. „Ich bin das Opfer“, sagte er heute gegenüber unserer Zeitung und betonte: „Ich habe kein Motiv.“

Das mehrstöckige historische Gebäude aus dem Jahr 1909 war am 6. Mai bei einem Großbrand vernichtet worden – mit dem gesamten Warenbestand. Der Schaden geht in die Millionen. Immer noch laufen die Aufräumarbeiten. Dachziegel, Fensterrahmen und mehr – alles muss von Hand Stück für Stück abgetragen werden. Die Straße Am Wall ist seit Wochen für den Verkehr gesperrt.

Schnell hatten die Brandexperten herausgefunden, dass das Feuer vorsätzlich an mehreren Stellen gelegt worden war. Bei der Staatsanwaltschaft geriet Inhaber Hans Eulenbruch den Angaben zufolge aufgrund von „Ungereimtheiten“ und „Ermittlungsergebnissen“ unter dringenden Tatverdacht. Am Mittwoch wurde er vorläufig festgenommen. Ermittler durchsuchten zeitgleich sein Haus im niedersächsischen Umland, eine Filiale in Bremerhaven und einen erst jetzt zugänglichen Bürotrakt im zerstörten Gebäude am Wall (wir berichteten). Sichergestellt wurden dabei unter anderem Geschäftsunterlagen, Computer, Mobiltelefone und Kleidungsstücke, wie Staatsanwältin Dr. Silke Noltensmeier heute auf Nachfrage sagte.

Eulenbruch kam nach kurzer Zeit wieder auf freien Fuß, da der Haftrichter keinen dringenden Tatverdacht sah. Die Staatanwaltschaft hält den „Harms“-Geschäftsführer nach wie vor für tatverdächtig und arbeitet jetzt „mit Hochdruck“ an der Auswertung des Materials. Wie lange dies dauere, hänge vom Umfang der Daten ab, sagte Noltensmeier. Ausgewertet werde das Material auch in Hinsicht auf ein mögliches Motiv. Mehr wollte sie dazu nicht sagen. Noltensmeier betonte, dass trotz Tatverdachts „ergebnisoffen“ ermittelt werde, also auch nach Entlastendem gesucht werde.

Das ist zugleich die Hoffnung von Hans Eulenbruch. Er habe durchaus Verständnis dafür, dass in „alle Richtungen“ ermittelt werde, sagte er heute im Gespräch mit unserer Zeitung. Dennoch versteht er nicht, dass er „zum Sündenbock“ gemacht werde. Bei der Durchsuchung war er zu Hause. „Das war eine der schlimmsten Sachen, die ich je erlebt habe“, so Eulenbruch. „Das ist nachhaltig. Man fühlt sich fremdbestimmt, ist nicht Herr der Geschichte“, sagte er. Froh ist er, dass er schnell wieder freikam, weil der Haftrichter keinen dringenden Tatverdacht gegen ihn sah. Er habe gar kein Motiv, so der 62-Jährige. Das Verfahren gegen den Eigentümer der Immobilie auf Zahlung von Sanierungskosten habe er gewonnen, die Arbeiten hätten begonnen, das 150-jährige Jubiläum stehe vor der Tür. „Und wir standen vor einem der besten Betriebsergebnisse der Geschichte. Ich habe keinen Vorteil davon, dass das Gebäude vernichtet wurde“, sagte Eulenbruch.

Der 62-Jährige hatte nach dem Großbrand vor der Polizei ausgesagt, er sei von zwei Räubern überfallen und eingesperrt worden. Er habe sich schließlich befreien und mit Überwachungsvideos vor den Flammen flüchten können. Die Polizei wandte sich bei der Fahndung mit einer kurzen Sequenz, die einen maskierten, hinkenden Mann mit Hammer zeigt, an die Öffentlichkeit. Hinweise auf einen zweiten Täter fand die Staatsanwaltschaft den Angaben nach nicht. Für Eulenbruch ist das leicht zu erklären. Nur zwei Sekunden nach den veröffentlichten Bildern sehe man, wie die Person mit dem Hammer die Kamera zerstöre. Er ist sich sicher, dass der zweite Räuber erst danach ins Gebäude schlich.

Feuer in viergeschossigem Gebäudekomplex

Ungeachtet des Ermittlungsverfahrens will Eulenbruch im Juli Am Wall 181 als längerfristige Übergangslösung „Harms“ wieder eröffnen. Statt auf mehr als 1000 Quadratmetern (wie bisher) will er mit 20 der 50 Mitarbeiter auf 250 Quadratmetern Damenmode und Textilien anbieten. Dafür hat er laut Insolvenzverwalter Schultze & Braun eine eigene Gesellschaft gegründet. Für die bisherige Betreibergesellschaft von „Harms“ war vor einem Monat ein Insolvenzantrag gestellt worden. Aufrund des vernichteten Warenbestandes sei dem Unternehmen die Geschäftsgrundlage entzogen worden, hieß es.

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