Mordprozess gegen 24-Jährigen: Opfer sagt aus

„Ich habe geblutet wie ein Schwein“

Soll kurz nach seiner Verhaftung widersprüchliche Angaben bei der Polizei gemacht haben: Ferdi M. (24). Dem Angeklagten droht unter anderem wegen Mordes und versuchten Mordes eine lebenslange Freiheitsstrafe. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Funkzellenabfrage, widersprüchliche Aussagen, sichergestelltes Diebesgut: Im Prozess gegen Ferdi M. (24), der sich seit August vor dem Bremer Landgericht unter anderem wegen Mordes verantworten muss, hat am Dienstag ein leitender Ermittler der Polizei aus. Seine Erkenntnisse wiegen schwer gegen den 24-Jährigen. Außerdem machte ein Opfer (77) seine Aussage. Wiedererkennen konnte er den Angeklagten aber nicht.

Nervös, fast ängstlich betritt der 77-Jährige den Saal 249 im Landgericht Bremen. Der Rentner, so sieht es die Staatsanwaltschaft, soll im Februar von Ferdi M. brutal in seiner Wohnung in Bremerhaven überfallen worden sein. Zwar macht der Mann einen etwas verwirrten Eindruck, dennoch kann er sich an die Geschehnisse des 21. Februar in groben Zügen erinnern. Es sei gegen zwei Uhr nachts gewesen, als ein Mann seine Wohnung durch ein auf Kipp stehendes Fenster betreten habe. Wenige Augenblicke später soll der Täter mit einer Vase oder einer Stehlampe auf den Kopf des 77-Jährigen eingeschlagen haben. Es folgten, so der Zeuge, weitere Schläge gegen den Kopf – bis der Rentner besinnungslos zusammenbrach und mit einem Telefonkabel gefesselt wieder zu sich kam.

„Ich habe geblutet wie ein Schwein“ – es ist rückblickend eines der wenigen Dinge, die der Mann noch klar vor Augen hat. Unklar scheint die Identität des Täters für den 77-Jährigen zu sein. Diesen habe er nicht sehen können, sagt er. „Es ging alles so schnell. Wir haben gerungen, und dann brach ich zusammen.“ Auch im Gerichtssaal erkennt er den Angeklagten nicht wieder. Nur eines weiß er bis heute: Nach dem Raub fehlten dem Bremerhavener ein Schlüsselbund mit einer kleinen Metallplatte, auf die sein eigener Nachname eingraviert war, und ein goldenes Abzeichen. Beide Gegenstände wurden nur einen Tag später, nachdem Ferdi M. nach einer Messerattacke auf einen 31-Jährigen in Bremerhaven festgenommen worden war, von Polizisten in seiner Hosentasche sichergestellt.

Ein Beamter (42), der im Fall M. mehrere Ermittlungstätigkeiten leitet, bestätigt diesen Fund am Dienstag vor Gericht. Er sei außerdem der erste Beamte gewesen, der den 24-Jährigen nach seiner Festnahme vernommen habe. M. habe dabei zwar „ruhig und gefasst“ gewirkt, doch hätten seine Angaben „erkennbare Widersprüche“ gezeigt. Im weiteren Verlauf der Untersuchungen seien bei Ferdi M., für den seit Beginn der Verhandlung ein Dolmetscher übersetzt, zwei Handys, ein Paar Schuhe und eine Sim-Karte gefunden worden. Alle Gegenstände konnten „nachweislich“ Opfern zugeordnet werden, die M. in den Vortagen ausgeraubt haben soll. Spätestens als die Beamten den besagten Schlüsselbund fanden, „war uns die Verbindung klar“, so der 42-Jährige. Zudem hätte eine im Nachhinein durchgeführte Funkzellenabfrage ergeben, dass der Angeklagte zumindest in der Nähe der jeweiligen Tatorte gewesen sein muss.

Neben dem Raubüberfall auf den 77-Jährigen werden M. weitere drei Taten zur Last gelegt. Er soll insgesamt innerhalb von nur zehn Tagen vier Menschen in deren Wohnungen brutal angegriffen und danach ausgeraubt haben. Einem Mann aus Bremerhaven – davon geht die Anklagevertretung aus – soll er auf einer Parzelle mit einer Axt so schwere Kopfverletzungen zugefügt, dass dieser wenige Tage später im Krankenhaus starb.

Der Prozess wird am Dienstag, 1. November, fortgesetzt.

Lesen Sie auch:

Arzt sagt im Mordprozess gegen Ferdi M. aus: Opfer in Lebensgefahr

Eine lange Drogenkarriere

Wegen Mordes vor Gericht: Axthiebe nach Einbruch

Mehr zum Thema:

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Weihnachtskonzert des Rotenburger Ratsgymnasiums

Verden: Tanz macht Schule 

Verden: Tanz macht Schule 

Atemberaubender Sonnenuntergang: Das sind die schönsten Leserfotos

Atemberaubender Sonnenuntergang: Das sind die schönsten Leserfotos

Outdoor-Typ: Mercedes E-Klasse All-Terrain

Outdoor-Typ: Mercedes E-Klasse All-Terrain

Meistgelesene Artikel

Werder geht nicht unter: „Die Gefahr ist gebannt“

Werder geht nicht unter: „Die Gefahr ist gebannt“

15 Einbrüche auf dem Bremer Weihnachtsmarkt

15 Einbrüche auf dem Bremer Weihnachtsmarkt

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Kommentare