Stadthallen-Sprecher Höllings feiert Abschied

Hinter den Kulissen nicht aufzuhalten

Weggefährten: Konzertveranstalter Lothar Behnke (l.) und Stadthallen-Sprecher Matthias Höllings. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Jetzt hat er es tatsächlich gemacht. Stadthallen-Sprecher Matthias Höllings hat sich am Freitag in der Stadthalle (ÖVB-Arena) verabschiedet – in den Ruhestand, wenn man das so sagen darf. Es wirkt mehr als nur ein bisschen unpassend, denn eins war er nie: zu ruhig.

Höllings, 64, hatte immer etwas zu erzählen – und genau das war ja auch sein Job. Den er zudem auch gelebt hat. Bei den Sixdays etwa übernachtete er schon mal in der Halle. Ein echter Typ verlässt da jetzt die Bühne, die in seinem Fall immer hinter den Kulissen gelegen hat.

Höllings organisiert gern. Selbst seinen Ausstand mochte er nicht ganz in fremde Hände legen. „Am besten ist ja, man hat die Fäden in der Hand“, sagte er gestern. „Für die Gestaltung seiner Abschiedsfeier hat er höflich um ein ,Mitspracherecht‘ gebeten, um somit eventuellen Reden auf und über ihn aus dem Wege zu gehen“, formulierte Hallen- und Messe-Chef Hans Peter Schneider.

Geredet wurde gestern dennoch. So gab es eine Talkrunde mit Höllings-Chefs und Höllings-Wegbegleitern der zurückliegenden 18 Jahre. Isa Nolle vom Volksbund gehört dazu – wegen der „Musikschau der Nationen“. „Das war meine erste Veranstaltung“, so Höllings zu unserer Zeitung. Und so wird er zur letzten „Musikschau“ Ende Januar nächsten Jahres noch einmal ein Comeback an (dann) alter Wirkungsstätte feiern – und die Veranstaltung wie gewohnt begleiten.

Auf der Bühne stand gestern auch der frühere Stadthallen-Chef Claus Kleyboldt. „Höllings ist schon ein sehr eigenwilliger Mitarbeiter gewesen“, sagte Kleyboldt. „So kreative Menschen wie ihn findet man nicht häufig.“

Auswüchse dieser Kreativität bekam auch Konzertveranstalter Lothar Behnke zu spüren. Etwa dann, wenn Höllings bei Konzerten im Duett mit „Hermi“ Becker in verbotenen Zonen des Backstage-Bereichs herumturnte, um Autogramme für das Gästebuch der Stadthalle zu ergattern. Stars wie Tom Jones und Elton John hätten die drängenden Auftritte durchaus lebhaft in Erinnerung, deutete Behnke an. „Er war nicht aufzuhalten.“

Höllings, der im Dezember 65 wird, ist ein Kind der 60er. Gestern erinnerte der leidenschaftliche Beatles-Liebhaber und Sammler von Beatles-Platten und -Devotionalien an seine erste Begegnung mit der Stadthalle. 1965 war das. Als Internatsschüler aus Bederkesa kam die „Ausgeburt eines Ostfriesen“ (Behnke) damals auf einer Klassenfahrt nach Bremen. Eine Kamera hatte Höllings dabei, mit der er zwölf Bilder aufnehmen konnte. Eines davon machte er – von der Stadthalle: „Die muss mich irgendwie beeindruckt haben.“

Die Gluckhenne mal multikulturell

Die Stiftung „Bündnis Mensch und Tier“ lädt heute, Sonnabend, zu einer interkulturellen Lesung ein. Ort des Geschehens ist der Marktplatz, wo es in der Zeit von 11 bis 17 Uhr um die alte Bremer Legende von der Gluckhenne geht. Sie zeigte den „Ur-Bremern“ den Weg auf die Dom-Düne – die „Gluckhenne“, die auch in einem Arkadenbogen des Rathauses zu sehen ist.

„Viele Menschen fühlen sich heute unsicher, wie sie in einer zunehmend multikulturellen Gesellschaft leben können“, sagt Dr. Carola Otterstedt, die Leiterin der Stiftung. Die Bremerin hat mehr als ein Jahr lang an einem multikulturellem Projekt gearbeitet und im In- und Ausland Menschen dafür gewonnen die Legende von der Glucke und ihren Küken in asiatische, afrikanische, europäische und arabische Sprachen zu übersetzen. 

„An den Übersetzungen haben Rechtsanwälte, Hausfrauen, Ärzte, Manager, Handwerker, Lehrer, jugendliche Flüchtlinge, Schüler, Studenten, Rentner, Kaufleute, Therapeuten, Wissenschaftler und Journalisten mitgearbeitet.“ Otterstedts Version der Legende von der Entstehung Bremens erscheint als Buch im Donat-Verlag (32 Seiten, Preis: 7,80 Euro).

Otterstedt: „Bremen hat eine lange Tradition mit Menschen aus den unterschiedlichsten Sprach- und Kulturkreisen sich auszutauschen, vielleicht auch sich anzufreunden. Diese Erfahrungen sollten wir nutzen: nicht im Sinne von Almosen, vielmehr durch Einladungen zu gemeinsamen Projekten auf Augenhöhe.“

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