Pflege von Kriegsgräbern beim Workcamp des Volksbundes

Mit Hingabe und Fugenkratzer

Kultureller Austausch und Grabpflege gehen Hand in Hand: Maria (links), Zoya und Stefan beim Putzen von Gräbern osteuropäischer Gefallener des Zweiten Weltkriegs. - Foto: Koller

Bremen - Von Steffen Koller. Still liegen sie dort, als schwiegen sie. Doch jedes einzelne Grab erzählt eine Geschichte vom Krieg, hinter jedem Stein stecken Schicksale. Schicksale, für die sich auch 31 Jugendliche des internationalen Workcamps des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge interessieren. Gestern war großes Reinemachen auf dem Osterholzer Friedhof in Bremen angesagt, für einige Teilnehmer „einfach eine Frage der Ehre“.

Es braucht oft nicht viel, um zu helfen. In diesem Fall einen Fugenkratzer, etwas Wasser, Handschuhe, eine Bürste – und Hingabe. Diese zeigten gestern 31 Jugendliche von 16 und bis 23 Jahren aus elf Ländern auf einem Gräberfeld für osteuropäische Gefallene des Zweiten Weltkriegs. Frühmorgens machten sie sich auf den Weg, um mehr als 90 Gräber von Unkraut, Moos und Erde zu befreien. Nach mehr als vier Stunden Arbeit auf Bremens größtem Friedhof (mehr als 100.000 Gräber) und nasskaltem Wetter war das Tagesziel erreicht – und die Freiwilligen waren sichtlich stolz.

Für Stefan aus Rumänien beispielsweise ist es die erste Teilnahme am Workcamp gewesen, der 23-Jährige wurde von seiner Deutschlehrerin in Rumänien auf das Camp aufmerksam gemacht. Für ihn sei es „eine Freude“, trotz Ferien Kriegsgräber und Denkmäler sauberzumachen, zumal das komplette zweiwöchige Programm sehr abwechslungsreich und sehr gut organisiert sei. Neben der ehrenamtlichen Arbeit auf dem Friedhof könne er so auch seine Deutschkenntnisse verbessern und neue Menschen und Kulturen kennenlernen.

Ähnlich selbstlos gingen Maria (18) aus Spanien und Zoya (16) aus Bulgarien gestern an die Arbeit. Für Zoya sei es „einfach eine Frage der Ehre“, die Gräber zu pflegen. „Wir wollen helfen, und wenn wir das hier können, tun wir es einfach“, meint Maria und fügt an: „Es macht auch super viel Spaß. Gerade mit den verschiedenen Menschen und ihren Ansichten in Kontakt zu treten, ist sehr interessant.“ Insgesamt vereint das Camp Jugendliche aus elf Ländern, darunter beispielweise Teilnehmer aus Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Moldawien, der Türkei, Italien und Lettland.

Das Jahresthema des Volksbundes, welches auch den thematischen Schwerpunkt des Jugendcamps bildet, steht in diesem Jahr unter dem Motto „Flucht und Vertreibung“. In der vorherigen Woche besuchten die Jugendlichen unter anderem den Bunker „Valentin“, die Bremische Bürgerschaft, wanderten nachts durch die Innenstadt und besuchten die Gedenkstätte „Lager Sandbostel“. Für heute ist ab 16 Uhr eine symbolische Schiffchen-Aktion als Zeichen der Völkerverständigung am Neptunbrunnen auf dem Domshof geplant.

Europaweit werden alle zwei Jahre rund 60 Camps organsiert, bis zu 1.800 Jugendliche kümmern sich dann um die Pflege von Gräbern und Kriegsdenkmälern. „Allein an der Teilnehmerzahl sieht man, dass viele Jugendliche sich für dieses Thema interessieren“, so Teamleiterin Carina Claus, die bereits seit sieben Jahren für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge tätig ist. Auch für sie sei es unglaublich interessant, so viele verschiedene Menschen zu einem Team zu formen. „Das kann manchmal ganz schön anstrengend sein“, verrät sie. Doch die Resonanz der Teilnehmer gibt ihr Mut. So sagt Stefan: „Ich würde gerne wiederkommen. Es ist einfach eine tolle Aufgabe.“

www.volksbund.de/bremen/bremen-ueberuns.html

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