Hinweise aufs Rockermilieu

Fortsetzung Harms-Prozess: Geht Polizei „heißer Spur“ nicht nach?

Bremen - Von Steffen Koller. Neue Erkenntnisse im Harms-Prozess: Wie ein Ermittler (49) am Freitag vor dem Landgericht Bremen aussagte, soll ein Zeuge am Abend des Großbrandes einen Mann gesehen haben, der kurz nach Ausbruch des Feuers mit einem Hammer das Traditionsgeschäft durch den Hintereingang verlassen habe. Recherchen hätten ergeben, dass es sich dabei um einen Angehörigen der Rockerszene handelt – doch ermittelt wurde möglicherweise nur oberflächlich.

Humpelnder Gang, kräftige Statur, dunkle Kleidung und einen Zimmermannshammer in der Hand – als am 6. Mai 2015 ein Mann das Traditionsgeschäft „Harms am Wall“ gegen 21.50 Uhr verlässt und in sein Auto steigt, wird er laut einem Ermittler der Polizei von einem Zeugen gesehen. Dieser Zeuge meldet die Vorkommnisse den Behörden, doch die Nachforschungen laufen ins Leere – weder wird der Zeuge bei der Polizei vernommen noch werden intensive Ermittlungen gegen den mittlerweile namentlich bekannten Mann durchgeführt, der zur Tatzeit am Geschäft gesehen worden sein soll. Dies bestätigt am Freitag ein Beamter, der an den Brandermittlungen beteiligt ist.

„Der Zeuge kam nicht“

Es wirft ein ganz anderes Licht auf den Prozess gegen den ehemaligen Geschäftsführer und Mieter des Modehauses, Hans Eulenbruch (64), und den Mitangeklagten Thomas M. (53), die sich wegen schwerer Brandstiftung, Versicherungsbetrug und Vortäuschen einer Straftat verantworten müssen. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor, zunächst einen Raubüberfall fingiert und dann die Immobilie angezündet zu haben, um die Versicherungssumme fürs Inventar zu kassieren. Doch warum wurde bei einer vermeintlich so heißen Spur nicht intensiver ermittelt? Im Fall des Zeugen habe es einen Termin zur Vernehmung gegeben, sagt der Polizist vor Gericht. „Der Zeuge kam nicht. Dann müssen wir davon ausgehen, dass er keine Aussage machen will“, so die kurze Begründung des 49-Jährigen.

Und im Fall des potenziellen Verdächtigen, der laut Polizei „eindeutig der Rockerszene“ zuzuordnen sei? „Der Mann sagte, er habe zur Tatzeit krank im Bett gelegen“, so der Beamte. Eine Funkzellenabfrage habe zudem ergeben, dass sein Handy in den Abendstunden des 6. Mai 2015 nicht in der Nähe des Tatortes eingeloggt war. „Etwas dünn“, findet Eulenbruchs Verteidiger Erich Joester die Polizeiarbeit, zumal man davon ausgehen könne, dass der oder die Täter professionell gehandelt und ihr Handy wohl nicht in der Hosentasche hätten. Die Erkenntnis der Spurensicherung, dass eine Überwachungskamera kurz vor dem Brand mit einem Zimmermannshammer von der Wand geschlagen wurde, könnte in diesem Zusammenhang ebenfalls von großer Bedeutung sein. Der verdächtige Rocker soll dabei beobachtet worden sein, wie er einen solchen Hammer in den Kofferraum seines Mercedes gelegt habe. Und auch die Beschreibung des Zeugen mit den Bildern der Überwachungskamera stimmt in großen Teilen überein, wie vor Gericht deutlich wurde. So passten die Angaben des Zeugen zum Mann, den er am Tatabend gesehen habe, zum Maskierten auf dem Video hinsichtlich des Nachziehens eines Beines beim Gehen, der dunklen Kleidung und der stämmigen Statur, sagt der Ermittler.

Für Hans Eulenbruch ist es ein „Unding“, dass man ihn „aufgrund von Mutmaßungen, Gerüchten und anonymen Verdächtigungen“ fünf Monate in Untersuchungshaft gesteckt habe und solchen Spuren nur „halbherzig“ nachgegangen werde. „Es geht um meinen Kopf“, so der 64-Jährige.

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Rubriklistenbild: © Steffen Koller

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