Fechten, Reiten, Schießen

Hanse Garde lässt alte Tradition aufleben

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Bremer Hanse-Gardisten zu Besuch im Vatikan

Bremen - Von Anna-Lena Sachs. Armbrust, Schwert und Hellebarde: Historische Waffen sind für die Hanse Garde unverzichtbar. Ihr Vorbild ist die päpstliche Schweizergarde. Einmal im Monat hält die Bremer Truppe vor einem Schloss eine Wache ab. Auch Frauen sind dabei.

Einmal im Monat spielen sich vor dem Schloss Erbhof im Kreis Verden Szenen aus einer anderen Zeit ab: Mit Hellebarden, weißen Handschuhen und in schwarz-weißen Uniformen halten Gardisten der Hanse Garde Bremen vor dem historischen Gebäude in Thedinghausen für eine Stunde eine repräsentative Wache ab. Leibgarden gibt es eigentlich nur noch an europäischen Königshäusern oder im Vatikan - in der Hansestadt Bremen ist das Strammstehen in Verbindung mit Fechten, Reiten und Schießen seit drei Jahren eine Freizeitbeschäftigung für insgesamt 15 Gardisten.

Wer alle Disziplinen auf hohem Niveau beherrscht, kann nach einer dreijährigen Ausbildung mitmachen. "Wenn man in die Garde will, muss man definierte Ziele erreichen", sagt Michael Thrun, der Gründer der Hanse Garde. "Das ist wirklich eine ausgearbeitete, sehr differenzierte Kampfkunst, die in alten Büchern noch erhalten ist." Der 52-jährige Hobby-Gardist rief die Truppe als Teil einer Akademie für historische Fechtkünste ins Leben. Bisher ist die Schlosswache in Thedinghausen der einzige Auftrag der Truppe.

Erfahrungsaustausch im Vatikan

Inspiriert wurde Gründer Thrun durch ein Treffen mit ehemaligen Mitgliedern der Schweizergarde, die im Vatikan für den Papst arbeiten. Aus dem ersten Kontakt zu den Wachen in Rom ist inzwischen ein reger Austausch entstanden, Thrun und andere Mitglieder der Hanse Garde haben die Schweizer Gardisten schon zwei Mal besucht.

Dabei waren sie mehr als Vatikan-Touristen: Sie erhielten einen exklusiven Einblick in die Waffenkammer und konnten sogar mit der Schweizergarde trainieren und sie unterrichten. "Die hätten uns am liebsten gleich dabehalten", sagt Thrun.

Besonders im Umgang mit der Hellebarde, einer Stangenwaffe mit einer Mischung aus Speer und Axt am Ende, hätten die Schweizer Gardisten noch etwas lernen können, sagt Thrun. Obwohl die Männer im Vatikan oft mit der Hellebarde Wache hielten, seien sie nicht darin geschult, diese auch einzusetzen - zum Schutz des Papstes sind historische Hellebarden nicht geeignet. Im Vatikan muss die Garde den Papst und seine Residenz schützen, deshalb werden die Männer dort außer an Waffen auch in Selbstverteidigung und Nahkampf ausgebildet. "Die Ausbildung ist den Aufträgen der Schweizergarde nachempfunden", sagt ein Sprecher der päpstlichen Wache.

Nicht jeder kann Mitglied der Schweizergarde werden, nötig sind etwa ein Besuch der Rekrutenschule der Schweizer Armee, gute Gesundheit und ein makelloser Leumund. Auch für die Anwärter der Hanse Garde in Bremen gibt es Eingangsvoraussetzungen: Weil mit Waffen gearbeitet wird, dürfen Anwärter nicht vorbestraft sein.

Während die Schweizergarde nur Männer aufnimmt, begrüßt die Hanse Garde auch Frauen. Thruns Lebensgefährtin Frauke Beer ist fester Bestandteil der Bremer Truppe. "Sie ist eine der besten Fechterinnen, die wir haben", sagt Thrun. Außerdem sei sie vermutlich die einzige Frau, die jemals die Schweizergarde trainiert habe, sagt der Gründer schmunzelnd.

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