50 Jahre Containerumschlag in Deutschland: Die neue Zeit begann im Überseehafen

Hamburg war skeptisch

Ein Bild aus der Geschichte des Containertransports – Containerumschlag in Bremerhaven im August 1983. Der erste Container auf deutschem Boden landete im Bremer Überseehafen. - Foto: dpa

Bremen - Von Vera Jansen. Der Siegeszug der Container als Transportmittel für fast alles hat nicht nur die Schifffahrt revolutioniert. Auch die Arbeit in den Häfen hat sich extrem verändert. Als vor 50 Jahren die ersten Blechkisten von einem Containerschiff im Bremer Überseehafen geholt wurden, war diese rasante Entwicklung nicht abzusehen.

Was bedeutete das für die Arbeiter im Hafen? Damals waren die Hafenarbeiter meist ungelernt. „Es waren Männer, die kräftig waren und schleppen konnten“, erinnert sich der Bremer Helmut Detken (76), Schifffahrtskenner und von 1972 bis 1983 Regierungsdirektor beim Bremer Hafensenator.

Bis zur Einführung der Container mussten Säcke, Kisten, Fässer einzeln an Bord gebracht und verstaut werden. „Kannste Karre schieben, kannste Arbeit kriegen“, lautete früher der Spruch für Arbeitswillige im Hafen, sagt Hartmut Schwerdtfeger, bis vor knapp einem Jahr Sprecher der Bremer BLG Logistics Group und jetzt im Ruhestand. Das Bild hat sich geändert: Heute heißt der Beruf Hafenfacharbeiter.

Gab es vor 50 Jahren Schwierigkeiten mit der Belegschaft in Bremen? „Die Sozialpartnerschaft spielte beim Einstieg in den Containerverkehr eine große Rolle“, sagt Schwerdtfeger. Gemeinsam mit dem BLG-Chef, dem Bremer Hafensenator Georg Borttscheller (FDP), fuhren Betriebsräte und Gewerkschafter damals nach New York, um sich über das Transportsystem Container zu informieren. „Politik, Arbeitgeber und Arbeitnehmer waren sich schnell einig, dass der Container ein Stück Hafenzukunft war, das man nicht versäumen durfte“, sagt Schwerdtfeger.

Das sei in Hamburg zunächst ganz anders gesehen worden. „Die wollten den Container nicht, aber das änderte sich dann ziemlich schnell.“ Streiks hat es in den Bremer Häfen deswegen nicht gegeben. Das erste Containerschiff, die „Fairland“, kam dann am 5. Mai 1966.

„Wir haben damals Fahrer gesucht für die Zugmaschinen, um die Container zu einem Stellplatz auf dem Terminalgelände zu bringen“, sagt der frühere Schuppenvorsteher und Betriebsleiter der BLG, Hans-Joachim Abendroth (81). Sie mussten nicht nur Führerschein Klasse II besitzen, sondern auch bereit sein, in Schichten rund um die Uhr und auch mal am Wochenende zu arbeiten. „Es war nicht einfach, geeignete Leute zu finden.“

Das Entladen der „Fairland“ hat schließlich alles in allem geklappt, wenngleich der zweite Container aus dem Kran rutschte und die Kabine der nagelneuen Zugmaschine eindrückte. Der Fahrer wurde dabei leicht verletzt.

Welche Vorteile bringt der Warentransport im Container? Das Be- und Entladen eines Schiffes geht wesentlich schneller. „Ein konventionelles Schiff lag oft eine Woche im Hafen. Beim Containerschiff kann man das in zehn Stunden erledigen“, sagt Detken. Das Rationalisierungspotenzial des Containers wurde damals auf bis zu 80 Prozent geschätzt. Aber die rasante Entwicklung im Containertransport hatte 1966 noch keiner geahnt.

„Uns schien der konventionelle Verkehr damals noch nicht wirklich bedroht, denn es gab mit Sea-Land nur eine einzige Containerreederei und es ging zunächst auch nur um einen einzigen Liniendienst über den Nordatlantik“, sagt Schwerdtfeger. 1966 lag der Gesamtumschlag in den Bremischen Häfen bei gut 17 Millionen Tonnen und es gab über 7 000 registrierte Hafenarbeiter. Heute sind es etwa 80 Millionen Tonnen und nur noch rund 2.400 Hafenarbeiter.

Schon 20 Jahre nach dem ersten Containerumschlag waren bereits rund 50 Prozent des gesamten Landungsaufkommens an Stückgut containerisiert.

dpa

Mehr zum Container-Jubiläum und Bremens Vorreiterrolle dabei lesen Sie am Freitag, 6. Mai, auf unserer Seite „Thema des Tages“ und im Bremen-Teil unserer Zeitung.

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