„Verschwunden“: Das Bremer Zentralbad 

„Hallen-Olympia“ am Richtweg

Das 1999 eröffnete Bremer Musicaltheater heute. Als erstes Stück war in dem Haus das Musical „Jekyll & Hyde“ gezeigt worden. Heute gibt es wechselnde Gastspiele. - Foto: Kuzaj

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Ein Schwimmbad mitten in der Stadt – das war die Idee. Und sie gab dem Projekt gleich den Namen: „Zentralbad“ hieß der Neubau am Richtweg, der in den Jahren 1950 bis 1952 errichtet wurde. Er löste das im Krieg stark beschädigte Breitenwegbad ab. Inzwischen aber ist das Zentralbad auch längst Geschichte – und damit heute Thema in unserer Serie „Verschwunden“.

Bauarbeiten für das Musicaltheater am früheren Standort des Zentralbads. - Foto: Archiv/Musicaltheater

Nicht verschwunden sind die Erinnerungen an das Haus mit den beiden 25-Meter-Becken. Die sind bei vielen Bremern (und Butenbremern) sogar noch recht lebendig. Es ist nicht nur der charakteristische Chlorgeruch, von dem oft erzählt wird. Offenbar unvergessen sind auch die Gummiringe in verschiedenen Farben, die signalisierten, welcher Gast das Bad wann verlassen musste – dann nämlich, wenn das entsprechende farbige Licht aufleuchtete. Und: Generationen von Schülern haben im Zentralbad das Schwimmen gelernt. „Hier bin ich früher vom Drei-Meter-Brett gehüpft“, hat auch Bürgermeister a. D. Henning Scherf (SPD, Jahrgang 1938) mal gesagt.

Das Haus, in dem so viele Erinnerungen spielen, war ein Werk des Architekten Kurt Haering. Haering ist in den 50er Jahren an verschiedenen markanten Bremer Bauprojekten beteiligt gewesen, so zum Beispiel am Neuaufbau der Sögestraße. Auch der Freibadbereich des Schloßparkbads in Sebaldsbrück (1955/56) ist ein Haering-Entwurf.

Das Zentralbad aber wurde sogar einem internationalen Publikum bekannt – und das lag am Leistungssport. Der Bremer Schwimm-Club von 1885 nämlich bat hier zum „Internationalen Bremer Schwimmfest“. Und das war ein renommierter Wettbewerb, bei dem erstklassige Sportler an den Start gingen.

Von Mitte der 50er bis Mitte der 70er Jahre wurde Bremen damit zum Mittelpunkt der winterlichen Schwimmszene. Das Fernsehen übertrug die Wettbewerbe. Reporter wie der Schwimm-Spezialist Harry Valérien (1923 bis 2012) gingen im Zentralbad ein und aus. Das „Internationale Bremer Schwimmfest“ galt in den 60er Jahren als „Hallen-Olympia“. Es waren zugleich die großen Jahre des Zentralbads.

Ende der 70er Jahre war Schluss damit. Das Fernsehen zog sich vom „Hallen-Olympia“ zurück. Ohne Fernsehen waren die kostspieligen Wettbewerbe nicht mehr zu finanzieren. Und so endete auch die Zeit der „Internationalen Bremer Schwimmfeste“. Was blieb, waren – einmal mehr – Erinnerungen. Und eine spektakuläre Statistik: 185 deutsche Bestleistungen und 16 Weltrekorde, allesamt aufgestellt am Richtweg.

Dazu beigetragen hatten womöglich die Überlaufrinnen des Zentralbads. Die nämlich waren so angelegt, dass die Wellen an den Rändern gleich brachen und nicht zurückschwappten. Das trug zu einer besonders glatten Wasseroberfläche bei – wie auch die Korken der Bahnabgrenzungen. Unter Sportlern galt das Bremer Zentralbad als „schnellstes Bad der Welt“.

Doch das genügte nun nicht mehr. International wurden 50-Meter-Bahnen erwartet. Die bot Bremen mit dem Unibad. Das Zentralbad ging langsam unter. 1985 wurde es geschlossen.

In den folgenden Jahren wurde an diesem Standort manches versucht und viel Geld versenkt. Eine Markthalle scheiterte. Eine Mischung aus Großraumdisco und Konzertsaal unter dem Namen des legendären Bremer Varietés „Astoria“ scheiterte ebenfalls. Gleiches galt für den „Show-Park“.

Dann kam das Musicaltheater. Bremen wollte damit Touristen anlocken und betrachtete das Theater als Investition in die Zukunft.

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