Mehr Lehrstellen bei weniger Schulabgängern

Gute Chance für Jugendliche

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Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz sind in Bremen gut: Sinkende Schülerzahlen und ein breiteres Angebot an Lehrstellen bieten Jugendlichen ordentliche Aussichten. Allerdings beklagt das Handwerk fehlende Grundkenntnisse bei Schulabgängern. 

Bremen - Von Martin Kowalewski. Immer mehr Bewerber finden in Bremen eine Lehrstelle. Das liegt an sinkenden Schülerzahlen und einem breiteren Ausbildungsangebot. Auf der einen Seite droht ein Mangel an Fachkräften, auf der anderen Seite können Schüler zu wenig für den Einstieg, ihnen fehlen etliche Voraussetzungen für eine Ausbildung.

4 011 Ausbildungsplätze meldeten Arbeitgeber zwischen dem 1. Oktober 2015 und dem 30. September 2016 bei der Berufsberatung der Agentur für Arbeit in Bremen an. Das sind 187 Stellen oder auch 4,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Davon waren zum 30. September 110 unbesetzt, verglichen mit dem Vorjahr ein Rückgang um 220 Stellen, wie es am Mittwoch bei der Agentur hieß.

Auf der anderen Seite sank die Zahl der Schulabgänger. 3 415 Bewerber standen diesen Stellen gegenüber, ein Rückgang um 5,7 Prozent. 174 Bewerber fanden keine passende Lehrstelle, im Vorjahr waren es noch neun Bewerber mehr (-4,9 Prozent).

Von einer positiven Entwicklung berichteten auch Handwerkskammer und Handelskammer Bremen. 3 797 neue Ausbildungsverträge verzeichnete die Handelskammer für die vergangene Saison, 32 Verträge mehr als im Vorjahr (+0,8 Prozent. In Bremen stieg die Zahl sogar um 82 Verträge (+2,7 Prozent), während sie in Bremerhaven sank. „Wir sehen zunehmend Schwierigkeiten, Ausbildungsstellen zu besetzen. So stieg die Zahl der Ausbildungsstellen um fünf Prozent, die Zahl der Bewerber sank um mehr als fünf Prozent“, sagte Björn Reichenbach, bei der Handelskammer Referent im Bereich Aus- und Weiterbildung.

Man wolle an einer besseren Zusammenführung von Interessenten und Unternehmen arbeiten. Eine besonders interessante Zielgruppe seien Studienabbrecher. „Besonders in den technischen und naturwissenschaftlichen Fächern scheitern viele Studenten an der Mathematik. Die eignen sich sehr gut für technische Berufe und waren zudem in der Oberstufe und eine Zeit an der Uni“, sagte Reichenbach. Für solche Fälle habe die Handelskammer mit „New Start“ ein spezielles Programm.

Auch bei der Handwerkskammer hat sich der Vermittlungserfolg weiter verbessert. „Im Jahr 2014/15 haben wir ein erfreuliches Plus von drei Prozent bei den Ausbildungsverträgen verzeichnet. Das konnten wir im Folgejahr halten, und es hat einen weiteren kleinen Zuwachs gegeben“, sagte Hauptgeschäftsführerin Martina Jungclaus, Hauptgeschäftsführerin.

Im Land Bremen gab es im vergangenen Bewerbungsjahr 1 049 neue Ausbildungsverträge (Stand 30. September). 802 davon wurden in Bremen abgeschlossen, 247 in Bremerhaven. „Jeder fünfte Betrieb bildet aus. Es wird über Bedarf ausgebildet“, so Jungclaus weiter. Zur Zeit absolvieren 3 032 Jugendliche eine Lehre im Handwerk.

Dennoch sei das Problem der Fachkräftesicherung auch bei der Handwerkskammer seit Jahren ein Thema. „Wir haben uns viel um die Schüler auf den Haupt- und Realschulen bemüht, wir müssen uns zukünftig auch stärker an den Gymnasien bemühen. Wir brauchen im Handwerk auch Schulabsolventen mit Abitur“, sagte Jungclaus weiter.

Vielen seien die Vielfalt der Handwerksberufe und die Chancen durch die neue digitale Technik nicht bekannt, so Jungclaus weiter. „Viele wissen nicht, dass man sich mit dem Meister früh selbstständig machen kann, wie ein Akademiker verdient und auch studieren gehen kann.“

Nach wie vor haben es einige Schüler schwer, die Eingangsanforderungen zu erfüllen. „Oft entscheiden eher die Motivation und die persönliche Eignung als das Zeugnis über einen Ausbildungsvertrag. Aber die Grundkenntnisse in Mathematik und den Sprachen müssen schon da sein“, so Jungclaus. Da sehen die Unternehmen bei den Schulabgängern allerdings Optimierungsbedarf.

Offen stehen die Betriebe Asylbewerbern gegenüber, sagte Martina Jungclaus. Doch die Einbindung werde einige Jahre dauern, da zunächst Deutschkenntnisse vonnöten seien.

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