"Gut für die Region"

Bremen will Frühgeborenen-Versorgung am Klinikum Mitte zusammenziehen

Das Klinikum Bremen-Mitte soll zu einem Oberzentrum für die Versorgung von Frühgeborenen ausgebaut werden, hat der Senat beschlossen. Von der Opposition kommt Kritik. - Foto: Bahlo

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Das Klinikum Bremen-Mitte wird zu einem Oberzentrum für die Versorgung von Frühgeborenen ausgebaut. Das hat der Senat am Dienstag beschlossen. Diese Aufstockung des Neubaus kostet – ohne Medizintechnik – 23 Millionen Euro. Das Klinikum Mitte bekommt eine Station für Risikoschwangere und eine für extrem frühgeborene Säuglinge.

Die Neonatologie – in Fachsprache: „Level-1“- und „Level-2“-Frühgeburten – soll bis zum Jahr 2019 im Eltern-Kind-Zentrum („Elki“), das gegenwärtig gebaut wird, entstehen. Für die Versorgung der Risikoschwangeren wird der Teilersatzneubau aufgestockt.

Auf diese Weise werde die Neonatologie – gegenwärtig am Klinikum Links der Weser – mit der Geburtshilfe für Risikoschwangere, der Kinderchirurgie, der Kinderheilkunde und der pädiatrischen Intensivmedizin an einem Standort konzentriert, hieß es im Rathaus. „Diese Zusammenführung hat etliche Vorteile“, sagte Gesundheitssenatorin Eva Quante-Brandt (SPD). Sie sprach von einer „strukturellen Verbesserung der Versorgung“ und „Medizin aus einer Hand“. Das neue Oberzentrum sei „gut für Bremen und die Region“.

Durch die Aufstockung werde es nicht zu einer Bauzeitverzögerung kommen, so Quante-Brandt. Drei weitere Kreißsäle werde es dadurch für Bremen geben. Auch das sei – nicht zuletzt mit Blick auf die vielen niedersächsischen Frauen, die in Bremen entbinden – eine „Entlastung für alle anderen“ Kliniken.

In dem neuen Zentrum soll es 24 Betten für sehr kleine oder schwerkranke Neu- und Frühgeborene geben. Insgesamt wird mit „800 bis 1.000“ Geburten pro Jahr gerechnet – natürlich nicht alles Risikofälle. Früher hatte das Klinikum Mitte fünf Kreißsäle mit etwa 1.200 Geburten jährlich. Nach dem Keimskandal im Jahr 2011 war die Station geschlossen worden. In der Folgezeit kam es wiederholt zu Engpässen bei der Versorgung von werdenden Müttern.

Vieles fingen auch die freigemeinnützigen Kliniken auf, die nun beklagt haben, in die Planung des neuen Oberzentrums nicht einbezogen worden zu sein. „Es gab keine Gesprächsnotwendigkeit“, so Quante-Brandt dazu. Und der Versorgungsauftrag für „Level 1“ und „Level 2“ liege ohnehin bei der kommunalen Gesellschaft Gesundheit Nord (Geno). Die Kooperation zwischen Geno und dem St.-Joseph-Stift bei „Level 3“ werde bleiben.

Innerhalb der Geno selbst kommt es indes zu Zentralisierungen. So wandern „Level 1“ und „Level 2“ vom Klinikum Links der Weser (LdW) eben zum Klinikum Mitte. „Die Kliniken Links der Weser und Bremen-Nord stehen weiterhin als große Geburtskliniken mit ,Level-3‘-Neonaten-Versorgung zur Verfügung“, hieß es. Durch die Verlagerung der Neonatologie würden im LdW und in Bremen-Nord zugleich Kapazitäten der Geburtshilfe für Nicht-Risisko-Geburten frei.

Die für das neue Oberzentrum notwendigen 23 Millionen Euro kommen aus verschiedenen Quellen. Jeweils sieben Millionen Euro stammen aus bislang nicht verplanten Mitteln, die in den Haushalten 2018 und 2019 stehen. Sechs Millionen Euro erwartet Bremen aus Strukturfonds-Mitteln des Bundes. Die Geno selbst übernimmt drei Millionen.

Die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion, Steffi Dehne, begrüßte die Pläne: „Es ist sinnvoll, die Versorgung dieser oftmals kritischen Fälle an dem Ort zu konzentrieren, an dem auch eine spezialisierte Intensivstation und Chirurgie vorgehalten werden.“ Und zum Finanziellen: „Auch Mütter und Kinder aus dem Umland werden von der neu geschaffenen Station profitieren können. Und wenn Niedersachsen die entsprechenden medizinischen Angebote nutzt, sollte es auch bereit sein, einen Teil der Investitionskosten zu übernehmen.“

„Eine fachgerechte Krankenhausplanung sieht anders aus“, kritisierte Rainer Bensch, gesundheitspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion. „Wir brauchen eine weitere Versorgung von Frühgeburten im Bereich ,Level 2‘, die es dann in Bremen nicht mehr geben wird. Bei Ausbruch eines Keimes, wie es in der Vergangenheit passiert ist, müssten Risikoschwangere wieder mit dem Krankenwagen nach Hannover transportiert werden, Geburten im Rettungswagen nicht ausgeschlossen.“

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