Kundgebung des Salafisten Pierre Vogel

Großaufgebot sichert Prediger

Salafistenprediger Pierre Vogel (r.) und Dr. Hisham Saad, aus Ägypten an die Weser gereist. - Foto: Bahlo

Bremen - Von Jörg Esser. „Viel Lärm um nichts“, sagt ein Passant. Und winkt ab. „Was das ganze Brimborium wohl wieder kostet.“

Salafistenprediger Pierre Vogel war am Sonnabend nach rund zwei Jahren mal wieder in der Stadt. Und sprach, unterstützt von Dr. Hisham Saad aus Ägyten, zumThema „Wie steht der Isalm zum Terrorismus“. 500 Anhänger wurden erwartet, laut Polizei waren es dann 150, die seinen Auftritt am Nordausgang des Hauptbahnhofs verfolgten. Vogel zog auch Gegendemonstranten an – 50 Rechte versammelten sich am Willy-Brandt-Platz, 200 Linke am Platz der Deutschen Einheit auf der anderen Bahnhofsseite. Es blieb ruhig. Die Polizei zeigte sich am Abend „zufrieden mit dem Verlauf der Kundgebungen“. Diese seien friedlich und größtenteils störungsfrei über die Bühne gegangen. So weit, so gut. „Das Konzept ist aufgegangen, sowohl die angemeldete Kundgebung als auch die Gegenveranstaltungen zu ermöglichen und zu schützen“, sagte ein Polizeisprecher. Dafür war ein Großaufgebot vor Ort. Die Bremer Polizei wurde von der Bundespolizei sowie von Kräften aus Hamburg und Niedersachsen unterstützt. „Alles in allem war es grotesk. Unendlich viel Polizei, Hubschrauber und ein Auftritt hinter Gitterzäunen“, sagte ein Augenzeuge.

„Kein Gott, kein Staat, kein Kalifat“ – bei der linken Gegendemonstration auf dem Bahnhofsvorplatz zählte die Bremer Polizei rund 200 Teilnehmer. - Foto: Bahlo

„Vogel ist ein religiöser Dampfplauderer“, ist zu hören. „Der hat noch nicht einmal Stammtischniveau.“ Das ist zu kurz gegriffen, der Prediger findet schließlich sein Publikum. Und das sind vor allem junge Muslime. Die Bremer Innenbehörde jedenfalls stuft Vogel als „geistigen Brandstifter“ und „Türöffner in die salafistische Szene“ ein. Für Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) ist Vogel ein „islamistischer Demagogoge“. Und die Hansestadt gilt als Hochburg der Salafisten – mit rund 360 Anhängern. Laut Verfassungsschutz reist jeder zehnte Salafist nach Syrien aus, um sich Terrorgruppen anzuschließen. Laut Sicherheitsbehörden sind seit Januar 2014 insgesamt 26 Kinder, Jugendliche und Erwachsene nach Syrien geflogen. Fünf sollen bei Kämpfen getötet worden sein, zwölf wieder in Bremen leben.

„Kein Gott, kein Staat, kein Kalifat“, war auf den Plakaten der Gegendemonstration am Bahnhofsvorplatz zu lesen, zu der die Antifaschistische Gruppe, die Linksjugend sowie Studenten der Hochschule Bremen aufgerufen hatten. „Der Protest gegen Islamismus ist nötig. Und das dürfen wir nicht den Rechten überlassen“, sagte der Veranstalter der „Demo gegen Salafismus und Rechtspopulismus“, Tobias Helfst in Mikros und Fernsehkameras. Die zweite, vom früheren AfD-Mitglied Oliver Meier angemeldete Demo litt „unter technischen Problemen“. Knapp 50 Teilnehmer waren vor Ort. „Unser Hauptkritikpunkt an Vogel ist die Missachtung von Frauenrechten“, sagte Meier.

Mehr zum Thema:

Späte Tore lassen Werder jubeln

Späte Tore lassen Werder jubeln

Eindrücke vom Oktoberfest: Blauer Himmel und gute Laune

Eindrücke vom Oktoberfest: Blauer Himmel und gute Laune

Illuminierte Nacht in Scheeßel

Illuminierte Nacht in Scheeßel

Welt-Artenschutzkonferenz entscheidet über 500 Tierarten

Welt-Artenschutzkonferenz entscheidet über 500 Tierarten

Meistgelesene Artikel

Festnahmen nach Auseinandersetzung

Festnahmen nach Auseinandersetzung

Zicht legt Mandat nieder

Zicht legt Mandat nieder

Spontandemo gegen Fremdenfeindlichkeit

Spontandemo gegen Fremdenfeindlichkeit

Abends eine E-Mail an den Prof

Abends eine E-Mail an den Prof

Kommentare