200 Jahre Neubeginn der katholischen Gemeinde in Bremen

Die „Glaubensgeschwister“

Diese Fotografie von 1904 zeigt den Rauchclub „Knaster“ des katholischen Gesellenvereins, den Zuwanderer 1860 gegründet hatten. - Repro: Jordan/Katholischer Gemeindeverband

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Fast 300 Jahre lang hatten sie kaum eine Rolle im öffentlichen Leben der Stadt gespielt. Dann, 1816, wurde die katholische Gemeinde in Bremen (neu) gegründet. Und der Senat überließ ihr die frühere Franziskanerkirche St. Johann im Schnoor als Gotteshaus. Den Neubeginn der katholischen Gemeinde in Bremen hat jetzt die Ausstellung „Glaubensgeschwister“ zum Thema, die bis zum 24. November im Dom-Museum zu sehen ist.

Die Ausstellung setzt in vorreformatorischer Zeit an, bei den Bischöfen Willehad und Ansgar, die für den Beginn des Christentums in Bremen und Nordeuropa stehen – Bremen war als „Rom des Nordens“ Ausgangspunkt für die Skandinavienmission.

Die erste Station der Schau liegt im Kirchenbereich des Doms, nicht im Dom-Museum – und damit praktisch in einer evangelischen Gemeinde, was ein deutliches ökumenisches Signal ist. „Die Ausstellung ist hier goldrichtig“, sagt Dr. Henrike Weyh, Leiterin des Dom-Museums.

Von „Verwandten im Glauben“ war vor 200 Jahren bereits gesprochen worden. Der Ausstellungstitel „Glaubensgeschwister“ greife das auf, sagt Propst Dr. Martin Schomaker. Eine passende Einstimmung zudem auf den ökumenischen Stadtkirchentag, der am Freitag beginnt.

Der Katholische Gemeindeverband ist Träger der Ausstellung. Kuratiert hat sie Dr. Sonja Kinzler („Retrokonzepte“). Seit 1807 schon, so sagt sie, galten Katholiken in Bremen nicht mehr als Fremde, sondern durften das Bürgerrecht erwerben. So konnten sie „heiraten, Grund kaufen und Handel treiben“. Und ihre Gottesdienste mussten die Bremer Katholiken nicht mehr heimlich im „Eschenhof“ (Domsheide) feiern.

Die Ausstellung vereint 50 Bilder und Exponate, es gibt Lesestoff und Filme. Ein barockes Ziborium (Gefäß für geweihte Hostien) ist ebenso zu sehen wie ein historisches Weihwassergefäß und nostalgische Heiligenbilder.

Die Themen der einzelnen Stationen sind die gemeinsamen Wurzeln der christlichen Kirchen in Bremen sowie die 300 Jahre nach der Reformation, als katholisches Leben nicht erwünscht war, aber geduldet wurde. Dann folgen der Neubeginn im (Zeit-)Geist der europäischen Aufklärung und die Entwicklung der katholischen Gemeinde.

Lebten zu Beginn des 19. Jahrhunderts etwa 2.000 Katholiken in Bremen, so waren es Anfang des 20. Jahrhunderts bereits 20.000. Ein Grund dafür: Zuwanderer (aus Westfalen, Polen, Schlesien), die im Zuge der Industrialisierung nach Bremen gekommen waren, um beispielsweise in Walle in Textilfabriken zu arbeiten. Die fünfte Station der Ausstellung behandelt die Gegenwart. 60.000 Katholiken leben heute in der Stadt Bremen. Sie stammen aus mehr als 120 Ländern.

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