„Mein Kunst-Stück“ mit Ursula Jaeger: „Arche“

Gewebte Gedanken

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Ursula Jaeger plant jedes Webbild. Die Schönheit der Webstruktur könne ein Foto aber nicht festhalten, sagt die Künstlerin. 

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Arche“ heißt Ursula Jaegers Webbild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. Gewebt wurde das Werk mit feinen Fäden, in der traditionellen Gobelin-Technik. Ursula Jaegers Staffelei ist der Hochwebstuhl. Statt Öl oder Acrylfarben mischt sie Leinenfäden.

Ihr ausgewähltes Bildgewebe „Arche“ fertigte sie 2014. Es misst 110 Zentimeter mal 110  Zentimeter und gehört zu einer Bildreihe mit biblischen Themen. Ob die Arche in dominantem Blau-Violett, gerade ins Bild fährt oder aus dem Bild bleibt ungewiss. Die rote Zone steht für Leben und Vergehen. Drumherum finden sich Symbole für Werte und Kulturen: unten rechts beispielsweise die arabische Kultur, unten links die europäisch-westliche mit dem Christentum, links die Umwelt, oben links Literatur und Kultur, oben die ägyptische Kultur, oben rechts die älteste Felszeichnung und rechts gotische Schriftzeichen.

Einen Wandteppich als reine Dekoration zu entwerfen, reicht Jaeger nicht. „Es sind Themen, die uns auch heute noch etwas sagen, etwa Vergänglichkeit, der ,Turmbau zu Babel’ oder das ,Goldene Kalb’“. Einst zierten Gobelins (auch Tapisserie genannt) die Wände alter Schlösser. Sie dienten als Dekoration, Wärmedämmung und Schalldämpfer.

Die Webtechnik erlaubt wenig Spontanität. Jaeger entwirft jedes Bild im Vorfeld präzise. „Ich mache mir Collagen und spiele mit den einzelnen Elementen“, erklärt sie. „Die Komposition aus Farbe, Form und Struktur muss stimmen.“ Wenn sie erstmal am Webstuhl sitzt, arbeitet sie zügig durch. Hinter den Führungsfäden stellt sie einen Schwarzweißdruck des Entwurfs. Das Bild aus Leinenfäden wächst von unten nach oben. Der fertige Part verschwindet aus der Sicht und wird unten aufgerollt. Korrekturen gibt es im Nachhinein nicht: „Was drin ist, ist drin“, sagt Jaeger. Drei bis vier Monate dauert die Arbeit an einem Bild in der Größe der „Arche“.

Die Kunst war für Jaeger schon immer mit textiler Arbeit verbunden. Da sie kein Arbeiter- oder Bauernkind war, durfte sie in der DDR nicht direkt nach dem Abitur studieren, sondern 1musste zuerst einen Beruf erlernen. So lernte sie Weberei, bevor sie Textildesign studierte und dann in der Textilindustrie Bekleidungsstoffe entwarf. Als sie nach Berlin zog, kaufte sie sich in Ermangelung dort ansässiger Textilindustrie, einen Hochwebstuhl. Sie konzentrierte sich ganz auf ihre Weberei, die sie an den Universitäten in Oldenburg und Bremen lehrte. Die Herausforderung des Künstlerlebens sei es, sich selbst zu vermarkten. „Das ist schwierig“, sagt sie, „da ist eine gute Adresse für eine Ausstellung viel Wert.“ Zwischendurch brauche man einfach mal Anerkennung. Wozu wir Kunst brauchen? – „Jeder genießt auf seine Weise“, meint die Wahlbremerin, „der eine liebt Musik, der andere ist ein Genussmensch.“ Es habe damit etwas zu tun, welche Sinne geschult sind. Aber die meisten wollen sich irgendwie mit ästhetischen Dingen umgeben – in einem schönen Haus wohnen oder schöne Blumen im Garten betrachten. „Das berührt unser Gefühl und unsere Sinne. Und nach dem Besuch einer Ausstellung, eines Konzerts oder Theaterstücks unterhalten wir uns darüber.“

Zu den Künstlern, die für Jaeger bedeutend sind, zählen der französische Keramiker, und Maler Jean Lurçat (1892 bis 1966) sowie Gunta Stölzl (1897 bis 1983). Luçat erneuerte in den Schlössern und Herrenhäusern die klassische Tapisserie, die vorher gerne Jagdmotive und Landschaften zeigte. Er verzichtete in seinen Werken auf eine Perspektive. Stölzl gehörte zum Dessauer „Bauhaus“ und schuf moderne Stoffentwürfe für die Industrie.

Wenn die Bremer Webmalerin jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge ein Werk als Dank an ihre Gemeinde, die gerade ein neues Gemeindehaus errichtet.

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