Brand bei „Harms am Wall“: Ermittlungsarbeit der Polizei bleibt im Fokus

Die Geschäfte des Herrn Eulenbruch

Hans Eulenbruch (hier beim Prozessauftakt) werden unter anderem schwere Brandstiftung und versuchter Versicherungsbetrug vorgeworfen. - Foto: dpa

Bremen - Von Ralf Sussek. Im Prozess um den Brand bei „Harms am Wall“ vor dem Bremer Landgericht können die Zeugenaussagen die Anklage einfach nicht erhärten. Am Dienstag wurden drei Geschäftspartner Eulenbruchs vernommen.

Das Feuer bei „Harms am Wall“ am 6. Mai des vergangenen Jahres sollen, so die Anklage, der damalige Inhaber Hans Eulenbruch und sein langjähriger Bekannter Thomas M. gelegt haben, nachdem sie einen Raubüberfall auf Eulenbruch vorgetäuscht hatten. Um nicht entdeckt zu werden, hätten sie zum Teil die Überwachungsanlage manipuliert, damit sich das Feuer gut ausbreiten kann, die Feuerschutztüren (die für gewöhnlich zufallen) blockiert.

Ziel war laut Anklage die Versicherungssumme für Kleidung und Inventar. Für die Schäden am Gebäude bekommt Eulenbruch nichts, er ist Mieter der Immobilie. Durch den Brand verlor er seinen günstigen Mietvertrag und machte ein paar Meter weiter am Wall ein neues Bekleidungsgeschäft auf.

Zeugen stützen Anklage nicht 

Die Zeugen am Dienstag hätten die Anklage stützen können, wenn sie ausgesagt hätten, dass Eulenbruch – zum Beispiel wegen der ihm unterstellten finanziellen Schwierigkeiten – „Harms am Wall“ gar nicht rechtzeitig zum 150-jährigen Jubiläum im September umbauen wollte. Taten sie aber nicht. Sie sprachen von Verhandlungen, die zwar mal ab und zu stockten, weil Eulenbruch im Clinch mit dem Vermieter noch nicht weitergekommen war, an der Absicht umzubauen zweifelten die drei Männer aber nicht. „Ich komme aus Hamburg; Sie wissen, wie lang die Philharmonie gebraucht hat“, sagte ein Mitarbeiter einer Beleuchtungsfirma. Mit anderen Worten: „Von vier Wochen bis zu zwei Jahren“ vom Auftrag bis zur Beendigung des Projekts – all das hat der 40-Jährige schon erlebt.

Keinen Zweifel an den Umbauplänen Eulenbruchs ließ der Generalunternehmer (46) aus Weyhe aufkommen. Nach dem erfolgreichen Rechtsstreit gegen seinen Vermieter hatte Eulenbruch den heute 46-Jährigen beauftragt. Das durfte Eulenbruch auch; eine ausreichende Sicherheitsleistung musste der Vermieter hinterlegen. Dessen Berufung lief zwar noch, war jedoch wenig erfolgversprechend. Der Vermieter ließ seine Anwälte die Unternehmer anschreiben („Wir gehen davon aus, dass Sie keine Auseinandersetzung mit dem Denkmalschutz führen wollen“) und baute so gehörig Druck auf. Mit einer einstweiligen Verfügung gegen Eulenbruch auf Untersagung der Umbauarbeiten scheiterte er sechs Tage vor dem Brand.

Arbeit der Polizei erneut Thema 

Dieser Sachverhalt findet sich im Übrigen bisher nicht in den Prozessakten – was die Frage nach der Qualität und der Stoßrichtung der polizeilichen Ermittlungsarbeit aufwirft. Als der Generalunternehmer die Schreiben der Vermieter-Anwälte erwähnte, hieß es von der Polizei, das sei nicht das Thema, es werde gegen Eulenbruch ermittelt. „Ich war von der Art und Weise der Befragung verunsichert“, beschrieb der 46-jährige Bauunternehmer am Dienstag die rund vierstündige Vernehmung. Nicht zum ersten Mal, dass ein Zeuge das in diesem Verfahren erklärte. Der Prozess wird am Freitag um 9 Uhr in Saal 218 fortgesetzt.

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