„Tag der offenen Tür“ des Theaters Bremen erlaubt Blicke hinter die Kulissen

Geldsegen per Fernbedienung

Techniker André Poggemann hat dieses magische Schwert gebaut und weiß, wie man es so aus dem Fels zieht, dass es leuchtet.

Bremen - Von Martin Kowalewski. Menschen drängen von Show zu Show. Kostüme können anprobiert und auch gekauft werden. Beim „Tag der offenen Tür“ wurde es im Theater Bremen richtig voll. Die Führung durch die Werkstätten zeigte das Bühnenleben von einer ungewohnten Seite.

Mehr als 400 Angestellte hat das Bremer Theater. Sie alle machen das breite Programm des Mehr-Sparten-Hauses möglich und wirken dort, wo die Zuschauer nicht vorbeikommen. An diese Orte führte Christian Pape beim „Tag der offenen Tür“ eine Besuchergruppe, die mit drei Dutzend Personen viel größer geworden ist als ursprünglich geplant. Die Besucher erlebten die vielen Räume abseits der Bühne als Orte, an denen das Handwerk blüht. Dort hat man eine ganz andere Beziehung zu den Aufführungen.

„Für mich ist ein Stück fertig, wenn die bestellten Sachen aus der Schlosserei raus sind“, so Pape. Das ist meist lange vor Spielbeginn, denn die Tischlerei liefert von allen vertretenen Gewerken als erstes.

In der Rüstungswerkstatt finden Besucher zwar keine Rüstungen vor, aber eine ordentliche Ladung Technik. Im Reich des Stahlbauschlossers und Pyrotechnikers André Poggemann gibt ein Geldautomat per Fernbedienung die Scheine raus – allerdings leider nur Spielgeld.

Die Malerin Sandra Garst mit einigen Plastiken im Malersaal des Theaters am Goetheplatz. Im Hintergrund hängen ein paar prächtige Gemälde. - Fotos: Kowalewski

An der Wand hängt der Unterkörper eines Pferdes, halb offen, so dass man die Motoren und mechanischen Teile gut sehen kann. Poggemann bewegt einen Hebel auf der Fernbedienung – und das halbe Pferd galoppiert. Aus vielen Gelenken und Schläuchen besteht auch das Skelett einer Termitenkönigin. Auch das Skelett kann schon eine schlängelnde Bewegung. Poggemann wird noch eine dünne Haut aus Latex drüberziehen.

In der Tischlerei ist Leichtigkeit geboten. Häufig bauen die sechs Tischler und zwei Azubis Elemente, die aussehen sollen wie Mauern. „Die müssen leicht sein und gut zu bewegen. Meist benutzen wir hier vier Millimeter dickes Sperrholz“, so Tischler Jens Fischer. Wenn Leichtbau nicht möglich ist, dann liefern die Schlosser ein Gerüst zum Verkleiden – gleich mit Rollen dran. Auch ein Boot steht in der Tischlerei. „Wir haben Fotos gekriegt und versucht, das möglichst genau nachzubauen. Wir sind ja keine Bootsbauer“, sagt Fischer.

Der Malersaal wirkt auch ein wenig wie eine Galerie. Riesige Bilder hängen und stehen an den Wänden des riesigen Saales. Porträts im alten Stil, Stillleben und auch eine Mondlandschaft für die kommende Aufführung von „Der gute Mensch von Sezuan“ (von Bertolt Brecht, Premiere im Oktober). Dazwischen stehen ein lächelnder kleiner Elefant, ein Pferd und ein Affe sowie Vasen und Büsten aus Ton. „Traditionelle Barockmalerei wird heute nur noch wenig bestellt. Zurzeit sind Plastiken gefragt“, so die Malerin Sandra Garst. An den mehreren Meter großen Bildern malt auch der Profi einen Monat.

Schneller sind die Kolleginnen mit der Nähmaschine in der Herren- und in der separaten Damenschneiderei. Für ein prächtiges historisches Kleid muss sich die Damenschneiderin Ute Töbelmann schon etwa 60 Stunden Zeit nehmen. Viele Stücke stehen aber auch schon im hauseigenen Fundus mit 40.000 Kostümen für Damen und Herren bereit. „Die Sachen müssen echt was aushalten. Schauspielerei ist ein Hochleistungsjob, bei dem auch die Kostüme ordentlich belastet werden“, so die Herrenschneiderin Angela Borchers. „Man glaubt auch kaum, was für eine Hitze durch die Scheinwerfer entsteht. Nach der Aufführung sind die Kostüme oft schweißnass.“

Tag der offenen Tür des Bremer Theaters

Nicht nur die Führungen waren ein Erfolg, auch die vielen Darbietungen der Künstler fanden beim „Tag der offenen Tür“ reichlich Zuschauer. „Wir sind sehr zufrieden“, freute sich Theatersprecher Frank Schümann denn auch.

Mehr zum Thema:

Das sind die Kandidaten für die Rosberg-Nachfolge bei Mercedes

Das sind die Kandidaten für die Rosberg-Nachfolge bei Mercedes

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Kruse mit Turban: Werder-Training am Mittwoch

Klassische Weihnachtsdeko im Trend

Klassische Weihnachtsdeko im Trend

Die besten iOS-Apps des Jahres 2016

Die besten iOS-Apps des Jahres 2016

Meistgelesene Artikel

Weltkriegsbombe in Bremen entschärft

Weltkriegsbombe in Bremen entschärft

Ein Vegesacker Wahrzeichen

Ein Vegesacker Wahrzeichen

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Junger Bremer stellt Edelpralinen von Hand her

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Reaktionen auf geplanten Sparkassen-Umzug

Kommentare