Speicherbühne präsentiert neues Programm

„Es geht immer um Empathie“

Astrid Müller und Gerd Mannasse lesen aus Jenny Erpenbecks Roman „Gehen, ging, gegangen“. - Foto: Scheffka/Speicherbühne

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Es begann mit einer Einladung zum Tee. Das Speicherbühnen-Team um Astrid Müller und Marc Pira bot Flüchtlingen aus dem Containerdorf in der Nachbarschaft an, doch mal in die Theaterräume im Speicher XI (Überseestadt) zu kommen. Ein Sprachcafé, etwas Wärme – das war die Idee im November vergangenen Jahres.

Aus den Begegnungen mit den Menschen aus Afghanistan und Syrien ergaben sich dauerhafte Kontakte – und der Themenschwerpunkt für die neue Saison. „Flucht, Begegnung, Ankommen, Reibung, Kennenlernen“, nannte Müller bei der Präsentation der Spielzeit-Pläne die Stichworte.

Begegnung mit Vorurteilen

Das Zusammenspiel mit den Nachbarn aus den Notunterkünften „Überseetor“ und „Kaffee-Quartier“ führte auch zu einer Theaterproduktion mit dem Waller Westend-Theater. Zu einem Abend mit dem Titel „Ach, so“, der 35 Teilnehmer an einem Tisch zusammenführt – denn die Produktion hat die ziemlich bildhafte Form eines Gastmahls bekommen. Am Tisch sind dann Szenen und Gespräche, Bilderfolgen und Begegnungen zu erleben – in unterschiedlichen Sprachen, mit Musik, mit Speis und Trank. Es ist eine Begegnung mit Vorurteilen, ein Wechselspiel zwischen Realität und Reflexion. „Es geht immer um Empathie“, sagt Müller. Die nächsten Vorstellungen: 3., 4., 10. und 11. September (jeweils um 18.30 Uhr).

Die Produktion „Ach, so“ bringt buchstäblich unterschiedliche Kulturen an einen Tisch, politische Kommentare inbegriffen. - Foto: Scheffka/Speicherbühne

Um das Themenfeld Flucht und Krieg kreist auch das von Müller mit Sounds von Pira inszenierte Stück „Krieg – Stell Dir vor, er wäre hier“. Der Text der dänischen Autorin Janne Teller („Nichts – Was im Leben wichtig ist“) dreht die Verhältnisse um. Müller: „Europa ist zusammengebrochen, man flieht nach Ägypten.“ All das wird mit wenig Requisiten und viel Phantasie als Gedankenexperiment durchgespielt – wieder und wieder fordern die beiden Darsteller das Publikum heraus. Nächste Abendvorstellung: 18. November, 20 Uhr. Bereits im September sind mehrere Aufführungen für Schulklassen geplant – mit Diskussion nach der 60-minütigen Vorstellung. Vorstellungen sind in den Räumen der Speicherbühne und auch in Schulen möglich, hieß es gestern im Speicher XI.

Weitere Aspekte des Flucht-Themas greift eine szenische Lesung auf. Müller und Gerd Mannasse tragen Texte aus dem Jenny-Erpenbeck-Roman „Gehen, ging, gegangen“ vor. In dem Buch begegnet ein Berliner Wissenschaftler afrikanischen Flüchtlingen. Der Professor beginnt schließlich, sich für die Menschen und ihre Schicksale zu interessieren. Nächste Lesung: 6. November, 17 Uhr.

Tanz, Performance und experimentelle Musik verbindet ein zweitägiges „Mini-Festival“ der Speicherbühne am 9. und 10. Dezember (jeweils ab 20 Uhr). Unter dem Titel „Improv“ sollen Bremer und Berliner Künstler „Grenzen und Verbindungen“ von Tanz, Video-Klanginstallationen, musikalischer Improvisation ausloten.

www.speicherbuehne-theater-bremen.de

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