„Mein Kunst-Stück“ mit Marina Krasnitskaya und ihrem Bild „Erfahrung“

Geheimnisvoll ruhig

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Ihr Bild „Erfahrung“ gibt Ruhe, sagt Marina Krasnitskaya. Die in St. Petersburg geborene Künstlerin erzählt in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ über ihren Weg zur Malerei.

Bremen - Von Ilka Langkowski. „Erfahrung“ heißt Marina Krasnitskayas Bild, das sie in unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ vorstellt. In gedeckten und leuchtenden Pastelltönen zeigt es eine Frau mit ihrer Tochter. Auf dem Bein der Mutter sitzt eine Eule. Das Mädchen hält einen Marienkäfer auf seinem Finger.

„,Erfahrung‘ ist das geheimnisvollste und jüngste meiner Bilder“, sagt Marina Krasnitskaya über ihre Wahl. Es sei nach einer Norwegen-Reise entstanden und wurde von der idyllischen Zeit dort inspiriert. „Wir waren am Meer, es war wunderschön, ruhig und auf irgendeine Art tiefsinnig. Ich hatte viel Zeit für mich, um nachzudenken“, erzählt die in St. Petersburg geborene Malerin. Landschaft und Stimmung hätten zusammengepasst.

Zurück in Bremen, begann Krasnitskaya wenige Wochen später mit dem Bild. „Ich wusste nicht, was es werden würde“, erinnert sie sich. Ab einem gewissen Punkt aber sage ihr dann das Bild, was passieren soll. Wie etwa der Blick der Frau, der in die Ferne geht. „Sie hat sich mit ihren Verletzungen, Fehlern und Erinnerungen ausgesöhnt“, sagt Krasnitskaya. Die Protagonistin strahle Ruhe aus und nehme mit Dankbarkeit an, was ihr geschenkt wurde. Die Eule stehe für Weisheit, deren Krallen für den Schmerz. „Irgendjemand hat mal gesagt, schlechte Erfahrung sei die beste Erfahrung“, erzählt die Malerin halb ernst. Ihre Protagonistin habe losgelassen und sei jetzt frei.

Das kleine Mädchen widmet in der Szene seine ganze Aufmerksamkeit dem Marienkäfer auf seinem Finger. Der symbolische Glücksbringer gilt als Botschafter vom Himmel und als Beschützer der Kinder. Nicht nur im Deutschen verweist sein Name auf die religiöse „Mutter Maria“. Gut sechs Wochen arbeitete Krasnitskaya an dem großformatigen Bild. Sie verwendete verschiedene Spachtelmassen, Rost und Zeichentusche. Nie arbeitet sie an zwei Bildern gleichzeitig. „Ich bin vertieft in meine Arbeit und in einem Dialog mit dem Bild.“ Länger als vier Stunden im Stück könne sie nicht arbeiten, dann sei sie erschöpft. „Es ist wie eine Schwangerschaft, bei der man auch nicht weiß, was es am Ende wird.“ Allerdings warnt Krasnitskaya davor, ein Bild zu beginnen, ohne eine Idee zu haben: „Das verzeiht einem die Leinwand nie.“ Man müsse ehrlich zur Leinwand sein und solle niemals daran denken, ob das Bild anderen gefallen wird. Dann ist es etwas ganz Eigenes, was es aufnimmt und später als Energie an den Betrachter abgibt. Dabei muss es überhaupt nicht schön sein.

Krasnitskaya ist in einer Künstlerfamilie in St. Petersburg aufgewachsen – mit den Eltern und Bildhauern Anna Lüstina und Roman Krasnizki sowie dem Stiefvater und Maler Stanislav Mosevitsch. Sie ist praktisch in Ateliers groß geworden und hat dort immer gemalt, während sich die Erwachsenen unterhielten.

Krasnitskayas Künstler-Alltag ist sehr diszipliniert. Nach dem Aufstehen gibt es einen Kaffee und eine Zigarette, dann geht es ins Atelier. Ihre Muse ist ein blau-grauer Kater. Mit Disziplin und Willen möchte Krasnitskaya ihre Bilder gerne bis ins Museum bringen. Die größte Herausforderung sei es, genug Geld zu haben. Nicht so sehr für Taschen und Schuhe, sagt die Malerin, obwohl das auch schön sei. Vielmehr, um über die erforderliche Freiheit, Zeit und Energie für die Kunst zu verfügen. Sie selbst braucht die Kunst, ob das für andere Menschen auch gelte, kann sie nicht beantworten.

Zu den Künstlern, die für Krasnitskaya besonders bedeutend sind, zählen Petrov Wockin, weil er gigantisch sei, und Pawel Filonow wegen seiner Ehrlichkeit in den Bildern.

Wenn sie jemandem ein Bild als Botschaft schicken sollte, dann ginge es als Dank an ihren Stiefvater Stanislav Mosevitsch, für alles, was er ihr als Künstler gegeben hat: „Er war der Lehrer“, sagt Krasnitskaya.

Unsere Serie

Bremen ist reich an bildenden Künstlern. Diese möchten wir Ihnen mit unserer Serie „Mein Kunst-Stück“ näherbringen. Die Künstler stellen ihre Lieblings- arbeit vor und plaudern über ihre Arbeit.

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